Submitted by LittleBuddha on So, 22.04.2007 - 16:13:56

NEU! BLOG DES PÄDAGOGIK VISIONÄR:

Liebe INHR-Leser, -Sympathisanten und -Kritiker!

Na da schau einer her. Unsere Große wird heute 11 und tritt nun endlich in die intensive Phase der Pubertät ein. Begonnen hat meine älteste Tochter bereits mit acht Jahren. Die Trotzphase musste ja zu Ende sein. Also konnte die Erklärung auf natürlichen Wege nur in der Pubertät zu finden sein. Tja und drei Jahre später geht es richtig los. Große Pickel, lästige Zahnspange und viele Schmetterlinge im Bauch. Zumindest haben wir uns diese Zeit des Erwachsen werden immer dramatisch, unüberwindbar und voller Chaos vorgestellt. Dann denkt man an die eigene Zeit des Kind sein und Erwachsen werden zurück und bekommt ein regelrechtes Schock Trauma.

Allzu schlimm dürfte es allerdings nicht sein. Früh morgens wurde zumindest die Geburtstagstorte ohne murren und Ablehnung im Kinderzimmer entgegengenommen und dem Gesichtsausdruck zur Folge, war das früh morgendliche Ständchen von wegen "Happy Birthday...." gar keine so schlechte Idee. Also pustet die Kleine ihre elf Kerzen aus und wünscht sich vielleicht genauso gerne eine gute Zukunft für sich selber. Ein Geheimnis, das wir Eltern nie erfahren werden.

"Kinder sind Zukunft" hat sich die ARD auch gedacht und vom 14.4. bis 21.4. auf ihre Sendemasten geschrieben. Vom Dokumentarfilm über die Entwicklung der Kindheit bis hin zum anspruchsvollen europäischen Film, konnten die Zuseher einiges Material konsumieren. Unter anderem zum Thema "Wenn Eltern versagen". Ein Film über die Arbeit der Jugendämter, Sozialarbeiterinnen und Eltern, die alleine nicht mehr zurecht kommen.

Familien müssen erhalten bleiben und Kinder besser in einer schwierigen Familie aufwachsen, als ihr Dasein im Heim oder bei Pflegeeltern zu fristen. So zumindest will es nicht zuletzt der Gesetzgeber und kommt der Familie wie auch dem Status Eltern ein Vorrecht zu. Spitzname "Kinderklaubehörde", so bezeichnen sie eine Menge Eltern, die ihre Kinder trotzdem an den Staat verloren haben.

Umso erfreulicher, wenn man als Eltern die Wichtigkeit des eigenen Tun erkennt. Sich sein eigenes Kind erfreut, beschert man ihm einen so wunderbaren Geburtstag wie heute, der an jedem anderen Tag genauso geliebt und gelebt werden kann. Da kommt Unverständnis auf, wenn Eltern ihre Kinder vernachlässigen, schlichtweg verstauben lassen.

Im "Fall Andreas" haben die Eltern jedoch mit mehr Verantwortung als die Behörde gehandelt. Sie haben erkannt überfordert zu sein. Die Behörde sollte helfen und ihren gesetzlichen Auftrag wahrnehmen. Stattdessen sind die Kinder jahrelang dem Hunger und der Demütigung bei ihren Pflegeeltern ausgesetzt. Sprichwörtlich wurde "Wasser und Brot" den Kindern serviert. Seitens des Jugendamt hat sich keiner annähernd um Andreas und seine Geschwister gekümmert. Der kleine Bruder schafft es nicht und muss sterben. Die Kräfte haben ihn vor der Befreiung durch die Polizei verlassen. Er war einfach das schwächste Glied in der Kette und somit zum Scheitern verurteilt.

Auch wenn das Gericht die Schuldigkeit der Behörde klar erkennt, eine Verurteilung erfolgt und Andreas Schadensersatz bekommt. Er wird keinen normalen Beruf ergreifen und kein eigenständiges Leben führen können. Nach Bekanntwerden dieses staatlichen Versagens, musste er sich von einem Heim ins nächste reichen lassen. Bis heute kommt mit Andreas niemand wirklich zurecht.

Das System ist überfordert und die Kinder bleiben auf der Strecke. Immer wieder wird von Liebe, Geborgenheit und Zuwendung gesprochen. Eine schier unersättliche Argumentationsflut der Pflegschaftsrichter und Jugendämter bescheinigen dem Kindeswohl unermüdliche Bedeutung. Das Kind soll auf die Zukunft und die damit verbundene Selbständigkeit vorbereitet werden. Richtige Erziehung ist eben einfach alles.

Schweißperlen überdecken nun meine Stirn. Hurra! 11 Jahre haben wir mit unserer Tochter trotz aller Höhen und Tiefen nicht schlecht gemeistert. Da dürfen es gleich noch ein Dutzend sein. Erzieher jedenfalls sind bis heute keine vom Himmel gefallen. Die besten Erzieher und Wegbegleiter bleiben wohl die Eltern selbst und nicht jene aus der Akademie für Familienpädagogik. Eltern wissen einfach was ihre Kleinen brauchen und dieses Gespür darf keine Mutter und kein Vater verlieren oder gar als Unbedeutsamkeit ansehen.

Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Zeit. Gerade dieser Tage und Wochen ist die Luft besonders wohlig warm und die ersten Wasserratten trauen sich ins kühle Nass. Genießen Sie jede Minute mit Ihrem Nachwuchs. Sie werden jede Sekunde zurückbekommen und Sie dürfen gemeinsam mit Ihren Kindern auf eine Kindheit mit allen Facetten stolz zurückblicken.

Es grüßt,
der.pädagogik.visionär