Gespeichert von reichmann am Di, 15.06.2010 - 21:06:36

August Aichhorn Missbrauch

Kartenverkauf brachte 30.000 Euro.

Künstler wollen Erklärung abgeben.

Demonstrationen vor dem Ronacher.

Wien. Buchstäblich in letzter Minute wurde nun ein Modus gefunden, dank dem die heute, Mittwoch, im Wiener Ronacher stattfindende Benefiz-Gala für das August Aichhorn Haus nicht abgesagt werden muss. In zähen Verhandlungen wurde erreicht, dass die rund 30.000 Euro aus dem Kartenverkauf auf einem Treuhandkonto landen, bis Polizei und Justiz alle Vorwürfe gegen die Heimleitung geklärt haben. Wie berichtet, geht es um möglichen sexuellen Missbrauch an ehemaligen Heim-Zöglingen sowie um undurchsichtige Finanzgebarung des Vereines. Zwei Opferschutzinitiativen haben für heute bereits Demonstrationen vor dem Ronacher angemeldet.

Noch Ende der Vorwoche schien die Lage verfahren: Trotz der seit Mitte März bekannten Vorwürfe und laufender Ermittlungen des Landeskriminalamtes im Vereinsumfeld hatten sich die drei auftretenden Künstler Robert Palfrader, Andreas Vitasek und Roland Düringer anscheinend kein Ausstiegs-Szenario überlegt.

Als sich letzte Woche empörte Anfragen mehrten, war das 1001 Besucher fassende Ronacher längst ausverkauft. Fieberhaft wurde versucht, eine für alle Seiten gangbare Lösung zu finden – denn auch eine kurzfristige Absage wäre für Künstler und Kartenkäufer wenig befriedigend gewesen. Zudem galt es, den Vereinsvorstand, der als Gala-Veranstalter fungiert, zu bewegen, das Geld für das Einfrieren auf einem Treuhandkonto freizugeben.

Dies scheint angesichts der drohenden Absage nun gelungen zu sein: "Wir werden die eingenommenen rund 30.000 Euro bei einem Notar hinterlegen, wo bereits ein entsprechendes Konto eröffnet ist", so Katja Göbel, Sprecherin der für das Ronacher verantwortlichen Vereinigten Bühnen Wien. Gemeinsam mit den drei Künstlern hat man entschieden, den Verlauf der Ermittlungen abzuwarten und das Geld notfalls auch anderen Bedürftigen zukommen zu lassen.

Schweigen der Medien

Manchen kommt diese Reaktion zu spät: "Es ist eigenartig, dass jene Medien, die sonst überall Neonazi-Netzwerke wittern, bei Vorwürfen gegen diesen Verein einmütig schweigen", vermutet Herbert Szlezak von der "Opferoffensive" politische Motive. Der Ex-Lehrer hat den vor Gericht bereits einmal abgehandelten Fall mit wiederholten Anzeigen Mitte März erneut ins Rollen gebracht. Für heute um 18.30 Uhr ist vor dem Ronacher eine Kundgebung polizeilich angemeldet.

"Aktionistisch demonstrieren" will auch der Verein "Väter ohne Rechte". Sprecher Guido Löhlein sieht "in der oft gesetzlich erzwungenen Vaterlosigkeit vieler Scheidungswaisen eine der Hauptursachen dafür, dass es immer mehr Heimkinder gibt, die vielfach überforderten Eltern weggenommen werden".

www.wienerzeitung.at | Werner Grotte

Weitere Infos:

sexueller-missbrauch-von-wiener-heimkindern