Submitted by reichmann on So, 23.08.2009 - 19:34:12

Robert BodnerDer jüngste ORF-"Report" machte wieder deutlich, wessen Instrument man ist. Das für Väter bestimmte Geld wurde einfach als Benachteiligung der Alleinerzieherinnen definiert. Dass man die Kinder nach der Trennung bei den Vätern lässt, die zweifellos fähig und zur Kindererziehung immer öfter auch willens sind, kommt nicht in Frage. Entfielen die Alimente und Transferleistungen zu den Müttern, müssten diese Alimente zahlen, eine neue Wohnung suchen, kämen aufgrund ihrer Berufswahl meist schnell ins Trudeln und der Staat müsste über Sozialhilfe einspringen. So lässt man die Väter zahlen.

Man(n) vergaß nämlich, rechtzeitig auch auf gleiche Pflichten im Erwerb zu bestehen, als man 1975 den Satz "Der Mann ist das Haupt der Familie" aus dem ABGB entfernte. Virtuell blieb: "Es liegt ihm aber auch die Verbindlichkeit ob, der Ehegattin nach seinem Vermögen den anständigen Unterhalt zu verschaffen." 2000 hat man im Ehegesetz noch eins draufgesetzt und seine Unterhaltspflicht "wegen mangelnder beruflicher Aus- oder Fortbildung" (meist der Frau) erweitert.

So sichern die Zahlungen vom Mann zur Frau auch nach der Trennung das Fortkommen, ohne dass Frauen in die anstrengenden und gefährlicheren Berufe wechseln müssten, die Männer ergreifen, um überhaupt einmal eine Familie gründen zu können. Aufgrund der Schwerarbeiterregelung wären diese Berufe auch Frauen zumutbar. Wer weiß schon, dass die Rauchfangkehrerin, Tischlerin oder Automechanikerin Schwerarbeiterin ist, ihre männlichen Kollegen, unabhängig von der Statur, aber nicht.

Unlängst meinte die Neo-ÖGB-Frauenchefin Brigitte Ruprecht, es dürfe ja keinen Unterschied machen, ob man am Zylinderkopf oder am Menschenkopf arbeite. Da hat sie sich wohl erspart, die gesetzlichen Ausbildungsvorschriften zu lesen. Verständlich, ist das Berufsbild des Automechanikers doch fast doppelt so umfangreich wie das der Friseurin, was sich im späteren Erwerbsleben eben mit mindestens 55 Prozent Einkommensdifferenz auswirkt.

Ketzerisch der Gedanke, eine große Einkommensschere wäre mehr ein Zeichen, dass Frauen so gut versorgt werden, dass sich auch nach Jahrzehnten Frauenpolitik bei den Berufswünschen der Mädchen nichts bewegt hat. Ab der ersten geschenkten Puppe werden sie sukzessive darauf vorbereitet, dass ihre Kinder später in jedem Fall bei ihnen verbleiben und der gewählte gering bezahlte Beruf zusätzlich über allerlei Transferleistungen aufgefettet wird. Der soziale und gesetzliche Druck, dem Buben ausgesetzt sind, fehlt bei Mädchen fast vollständig. Die späteren Väter merken erst dann etwas, wenn es zu spät ist und die Kinder als Druckmittel eingesetzt werden; und zwar alle, bewusst oder unbewusst.

Würde man die Kinder nach der Trennung bei den Vätern belassen und Frauen dem Erwerbs-, Wettbewerbs- und Unterhaltsdruck aussetzen, blitzschnell wäre sie geschlossen, die Einkommensschere.

Robert Boder ist Angestellten-Betriebsrat bei Rewe.

Wiener Zeitung