Submitted by reichmann on Mo, 11.06.2012 - 00:54:57

Mitt RomneyEs wurde in diesem Jahr mehr berichtet über die Bilderberger, als es je zuvor der Fall war. Doch was sind eigentlich die Folgen des diesjährigen Geheimtreffens? Unser USA-Korrespondent Webster Tarpley untersucht überraschende aktuelle Aussagen hochrangiger US-Politiker und zieht die ersten Schlüsse, die aufgrund der Entscheidungen der »Welt-Elite« vorletztes Wochenende getroffen worden sind. Sie werden enormen Einfluss auf das gesamte Weltgeschehen haben, denn der geplante künftige US-Präsident entstammt dem Heuschreckenfonds-Milieu rund um die Wallstreet.

In früheren Berichten entwickelte ich die These, das Hauptziel der Bilderberger sei der Rauswurf des derzeitigen US-Präsidenten Obama zu den Präsidentschaftswahlen im kommenden November. Das hat sich bestätigt: Die Bilderberger wollen Mitt Romney! Das ist ein Mann aus dem Heuschreckenfonds-Milieu rund um die Wallstreet, ein Pirat der Meere der Weltfinanz. Damit sind auch die Aktien des reaktionären Gouverneurs aus dem Bundessstaat Indiana, Mitch Daniels, für

das Amt des Vizepräsidenten gestiegen, sie stehen für ihn am besten von allen. Denn Mitch Daniels war, soweit wir wissen, der einzige Kandidat, der bei dem diesjährigen Bilderberger-Treffen zugegen war.

Mitt Romney hat jetzt seine Absicht gefestigt, eine Art Mormonen-Regime einzuführen. So hat er den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaats Utah, Michael Leavitt, auserkoren; dieser soll sein Transition Team leiten, das heißt, er muss jene Leute zusammenführen und organisieren, die den Übergang von einem System, von einer Administration in die nächste vollziehen sollen. Das wird also ein führender Mormone sein.

Und das wird Folgen haben: Die Jobs werden künftig aufgrund des Romney-Einflusses vorwiegend an Mormonen vergeben werden, ein beunruhigendes Zeichen. Mormonen bilden eine Fraktion der CIA, des FBI, des Pentagon, des zentralen Staates insgesamt. Aber wir wollen jetzt diese Hypothese prüfen: Obama raus, Romney und Daniels rein! Sie werden wahrscheinlich gar siegreich aus den bevorstehenden Wahlen hervorgehen.

Welche Entscheidungen sind uns in den Tagen nach dem Bilderberger-Treffen aufgefallen?  Zwei Teilnehmer der Bilderberger-Konferenz sollten wir uns genauer anschauen. Da ist zum einen der US-amerikanische Investor Steve Rattner, zum anderen der Investmentbanker und langjährige Lehman-Partner Roger Altman.

Zuerst zu Steve Rattner: Der Journalist arbeitete unter anderem als Reporter der New York Times. Er war der Konkursverwalter für Obama, was die gesamte US-Autoindustrie anging, vornehmlich für Chrysler und General Motors, in den Jahren 2009/2010. Er hatte damals die Gewerkschaft der Metallarbeiter tödlich getroffen durch Lohnkürzungen und ähnliche einseitige Konzessionen. Rattner arbeitet jetzt ebenfalls in einem Heuschreckenfonds in der Wall Street. Er war beim diesjährigen Bilderberger-Treffen dabei. Der Mann erschien am folgenden Montag nach Beendigung des Bilderberger-Treffens im Fernsehen und brachte interessante Neuigkeiten: Obamas Wiederwahl sei ernsthaft gefährdet. Als Beweis dafür zitierte er eine hochinteressante Quelle: Intrade . Das ist eine Art politischer Derivate. Rattner brachte in diesem Zusammenhang eine Art grafische Darstellung

dieser Situation, nach der die Chancen für Barack Obamas Wiederwahl an dem vorangegangenen Freitag, also unmittelbar nach Eröffnung des Bilderberger-Treffens,  erheblich gesunken sein sollen, und zwar von 58 Prozent auf 52 Prozent!

Rattner hob hervor, dass es sich um eine Situation handele, die mehr als ungewöhnlich sei. Der einflussreiche Finanzverwalter tat bei diesem TV-Auftritt alles in seiner Macht stehende, um die Gefolgschaft des noch amtierenden US-Präsidenten Obama zu demoralisieren.

Nun zu Roger Altman, der unter anderem auch Beamter des Staatsministeriums unter Bill Clinton war, und der einmal für und dann wieder gegen Barack Obama aufgetreten war. Dieser kam nun in einem Meinungsartikel der Washington Post zu Wort. Dazu muss man wissen, dass die Washington Post mehr oder weniger das Hausorgan der Bilderberger ist. Die Eigentümer,  Mitglieder der Graham-Familie, sind auf nahezu jedem Treffen dabei, seit eh und je, darunter Senator Lindsay Graham, Phil Graham, Kathy Graham, Donald Graham...

Was stand nun am Montag nach dem Treffen auf der Editorial-Seite der Washington Post? Roger Altmans These lautete folgendermaßen: Europa ist am Rande des Verderbens, der Kontinent befindet sich am Abgrund, der absoluten Katastrophe! Altman rechne mit Banken-Panik und -Runs innerhalb der nächsten Wochen und er sprach von einer hoffnungslosen Lage. Die einzige Rettung sieht Altman offenbar in der Austerität, in der Verschmelzung sämtlicher europäischer Staaten auf der Basis des Programms eines umfassenden Abbau- und Spar-Wahns.

In seinem Artikel versucht Altman den Eindruck zu erwecken, er sei für den Euro als Gemeinschaftswährung. In Wirklichkeit ist er jedoch gegen den Euro. Also: Zwei Bilderberger-Teilnehmer, mit Graham sind es gar drei, äußerten sich damit kurz nach dem Treffen gegen Barack Obama.

Auch in der New York Times gibt es ähnliche Erscheinungen: Dort wurde letzte Woche der amtierende US-Präsident Obama als Inquisitionsverwalter dargestellt. Er habe Todeslisten abgearbeitet, Todesurteile vollstrecken lassen, auch habe er im Weißen Haus  kürzlich erst wieder Terrorbesprechungen abgehalten.  In den amerikanischen Diskussionssendungen wurde dieses Thema am Sonntag ziemlich umfangreich diskutiert. Zeitgleich erschien ein neues Buch auf dem Markt, in dem sich der Autor mit den »Mordpraktiken« Barack Obamas beschäftigt.

Überraschend auch: Der demokratische Abgeordnete aus Virginia, Davis, hat sich überraschend für Mitt Romney ausgesprochen und gegen Obama. Es wird nicht ausgeschlossen, dass er zur Republikanischen Partei überwechselt.

Und dann ist da noch der Amoklauf des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Der Mann ist ein gutes Barometer für die jeweiligen Launen der herrschenden Klasse. Clinton wird von diesen Kreisen finanziert und bringt dementsprechend deren Meinung öffentlich zum Ausdruck.  Seine Ansicht, die Clinton nun kundtut, lautet dahingehend, es gehe nicht an, dass man die Steuerkürzungen für Reiche, die unter George W. Bush beschlossen worden waren, nun rückgängig machen wolle. Vielmehr müsse man die Bush-Steuerpolitik aufrechterhalten, vor allem auch in den kommenden Jahren.

Die Aussage Clintons ist umso erstaunlicher, als die Steuerpolitik von Bush erheblich abweicht von den Programmen seiner, Clintons, einstigen eigenen Politik. Und er sagt in diesem Zusammenhang nicht etwa: zurück zu meiner Steuerpolitik, sondern er favorisiert offen das Gegenteil, indem er noch unterstreicht, dass seine eigenen politischen Steuer-Entscheidungen nicht ausreichend gewesen seien, sondern Bushs Maßnahmen umgesetzt werden müssten.

Außerdem betont Bill Clinton, man könne den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney nicht einfach wegen seiner Heuschreckenfonds-Vergangenheit angreifen.  Unterstützung erhält er hier ausgerechnet von zwei demokratischen Politikern: Vom Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, und vom Ersten Bürgermeister von Newark, New Jersey, Cory Booker.

Bedeutend dürfte in diesem Zusammenhang auch die Wahl von Wisconsin gewesen sein. Hier gab es jüngst den Versuch, den reaktionären republikanischen Gouverneur Scott Walker zu vertreiben durch eine Amtsenthebung. Walker ist ein Verwandter der ehemaligen Regierungsfamilie Bush. Wisconsin gehört zu den so genannten Swing-States, dieser Staat ist für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen stets von großer Wichtigkeit. Doch der Versuch, Walker zu demontieren, schlug fehl: Fünf Monate vor der US-Präsidentschaftswahl erlitten die Obama-Demokraten eine herbe Niederlage. Die Bürger stimmten am vergangenen Dienstag gegen eine Abwahl Walkers.

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang auch sein, dass 27 Prozent der Gewerkschafter bei dem Votum für den Gewerkschaftsfeind Walker stimmten. Und 38 Prozent der Familien dieser Gewerkschafter stimmten ebenso für Walker. Eindeutige Zeichen für wachsende Ressentiments gegen Obama, besonders in der weißen Arbeiterklasse.

So merkwürdig es auch klingen mag: Die Republikanische Partei ist heute die Partei der weißen Arbeiterschicht der USA.

Die Niederlage in Wisconsin geht auf das Konto von Barack Obama. Warum? Er hat nichts getan, er rührte keinen Finger für die Arbeiter in der Stunde der Not, als die Gewerkschaften zerschlagen wurden, als die Etats für das Gesundheitswesen und die Erziehung drastisch gekürzt wurden. Obama tat nichts für die Menschen, es war fast eine demonstrative Haltung. Damals unternahm Obama eine Reise nach Minnesota, er war also ganz in der Nähe, seine Reise führte ihn in dieser gespannten Situation auch an Orte nördlich und südlich von Wisconsin, doch nie direkt nach Wisconsin. Mehrere Gewerkschafter hatten daraufhin in Fernsehinterviews verlautbaren lassen, Obama sei für sie nicht zu sprechen gewesen. Von Fahnenflucht war die Rede und von Verrat.  Die Gewerkschafter hatten geschworen, nichts mehr für den US-Präsidenten im Vorfeld der Wahlen im November tun zu wollen.

60 Millionen Dollar sollen übrigens alleine die Geldgeber außerhalb des Bundesstaats Wisconsin investiert haben in den Sieg des Gouverneurs Walker und in die Zerschlagung der Gewerkschaften.

Alles in allem können wir wohl davon ausgehen, dass Bilderberg seine Netzwerke mobil gemacht hat gegen Barack Obama und für Mitt Romney.

Kopp | Webster G. Tarpley