Gespeichert von LittleBuddha am Do, 07.02.2008 - 20:09:59

Wolfgang PriklopilImmer mehr verdichten sich Beweise, dass im Fall Natascha Kampusch geschlampt wurde. So hätte Priklopil gar kein Alibi gehabt und auch andere Details lassen nur erahnen, wie die Exekutivbehörden in Österreich tatsächlich arbeiten und sogar vom Innenministerium stets Deckung erhalten.

Ein fragwürdiger Mailverkehr um eine angebliche Ermittlungspanne im Fall Natascha Kampusch sorgt für Aufregung: Am Donnerstag wurde der Schriftverkehr zwischen Ex-Bundeskriminalamtschef Herwig Haidinger und dem Kabinettsmitglied der damaligen Innenministerin Liese Prokop (ÖVP), Bernhard Treibenreif, bekannt.

Darin drängte der BK-Chef auf eine Untersuchung der möglichen Fehler, da das "möglicherweise Auswirkungen hinsichtlich eines allfälligen Amtshaftungsanspruchs des Opfers" habe. Treibenreif zeigte sich dagegen bemüht, "die Sache ohne größere Eklats abzuschließen".

Auch für Kampusch relevant

Der dokumentierte Mailverkehr zwischen Haidinger und Treibenreif im Zeitraum von 28. August bis 26. September 2006 ist im Internet auf der Homepage des grünen Abgeordneten Peter Pilz öffentlich gemacht.

Haidinger weist darin wiederholt darauf hin, dass ein zweiter Hinweis auf Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil, den ein Polizeihundeführer im Sicherheitsbüro abgab, offenbar nicht weiterverfolgt worden sei und dass die Aufklärung dieser Frage auch für Kampusch Relevanz habe.

Ohne größere Eklats abschließen

Zweimal betont er, dass das auf einen allfälligen Amtshaftungsanspruch der jungen Frau Auswirkungen habe, und spricht an einer Stelle von seinem Eindruck, "dass hier 'etwas vertuscht' werden soll".

Treibenreif wiegelte dagegen ab: "Ich ersuche dich weiterhin - wie auch schon bisher zwischen uns vereinbart -, unsere beiden Vereinbarungen in dieser Angelegenheit zu beachten. (...) Wir beide wissen, dass auch die mediale Präsenz bisher von Euch (...) sehr, sehr gut abgearbeitet wurde. Deshalb immer wieder auch meine Versuche, die Angelegenheit ohne größere Eklats abzuschließen - wäre ja schade darum."

NR-Wahl sollte abgewartet werden

Was hinter dem Ersuchen steht, den Tipp des Hundeführers im Nachhinein nicht mehr zu untersuchen, liest sich nach Darstellung Haidingers in einer Mail an Treibenreif (26. September 2006) so: "Inhalt dieser Weisung war auch eine zeitliche Komponente: nämlich bis zu den Nationalratswahlen damit zuzuwarten."

Diese fand am 1. Oktober statt. Treibenreif war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

orf.at