Submitted by LittleBuddha on Fr, 07.12.2007 - 16:18:10

Liebe INHR-Leser, -Sympathisanten und -Kritiker!



Täglich sind wir mit neuen Schlagzeilen um Kinder konfrontiert, die von ihren eigenen Eltern getötet werden. Junge Eltern, meist selbst durch ihre eigene Kindheit traumatisiert, überfordert, in einem Rechtsstaat, der bereits an seinen Grundpfeilern zu scheitern droht. Mitten drin aber auch ein Hype von unerlässlicher Nächstenliebe gegenüber Natascha Kampusch. Jetzt bekommt die 19 jährige eine eigene Talkshow im österreichischen Privatfernsehen.

Die schier unendliche Omnipräsenz von Natascha Kampusch will nicht enden. Geht es nach den Plänen eines österreichischen Privatsenders, soll das erfüllte Entführungsopfer ab Februar 2008 mit imposanten Gästen, unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer, talken.



"Talk ist In" könnte man glauben, wenn nicht die Voyeure wären, die sich zu Nutze machen, das andere bewegt. So auch die Geschichte des 15 jährigen Flüchtlingsmädchens Arigona oder das Leid des gerade einmal 17 Monate alten Luca.



An Langlebigkeit gewonnen hat allerdings nur ein Fall voller Fragen, medial salonfähig ein Garant für unbestimmte Zeit. "Ich will frei sprechen" dachte sich im Februar 2007 auch eine 16 jährige Kärntnerin, mutmaßliches Opfer sexuellen Missbrauchs, in der Gewalt von Jugendamt und Gericht. Über Wochen festgehalten in einer psychiatrischen Kinderabteilung, als 11 jährige wohlbemerkt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Kameras und Scheinwerferlicht, dennoch unter dem Argusauge des Kinderpsychiaters Prof. Max Friedrich, nur auf eine Aussage fixiert.



Während die eine durchaus freie Wortwahl finden darf, kann die andere nur davon träumen. Geknebelt mit gesetzwidriger Deutlichkeit, gepeinigt in einer Runde von apathisch wirkenden Mitgefangenen, blieb der einst 11 jährigen nur ein Weg nach draußen. Eine Aussage, welche nicht nur ihr eigenes Leben auf immer verändern sollte. Die Familie zerstört, der Stiefvater vom Volk geächtet, und gesprochen hat die Gerichtsbarkeit im Namen der Gerechtigkeit.



Geblieben ist der einstigen Gymnasiastin nur ein Blick zurück - in die heile Familienwelt. Gerne hätte auch sie den Ruhm für ihre Tapferkeit kassiert, fernab vom Kampusch Fieber. Wie unterschiedlich Kinder sein können, ist auch ihre Wertschätzung in der Gesellschaft. Trotz Marktschreier, die sich in Personalunion von Ex-Kindopfern wiederfinden, sucht das Kärntner Dirndl noch immer nach dem Freien Wort, wenn gleich ohne Patronanz des juridischen Schattens.



Vielleicht würde sie gar von Kampusch einmal einladen, um sich selbst nach Jahren artikulieren zu können. Vielleicht würde sie aber gerade deshalb absagen, damit neue Peinlichkeiten keine Substanz finden. Schließlich hat die Apokalypse bei Gericht schon einmal den roten Faden verloren. Es könnte sogar sein, dass die ach so geliebte Kampusch Antworten auf ihre Fragen nur mit JA oder NEIN in Zustimmung entlässt, um von Fragen zu ihrem eigenen Fall abzusehen.



Wie sich der Fall Natascha Kampusch abzeichnen wird, werden neue Fotos und ein widersprechender Richter zeigen.



Der Fall des heute 16 jährigen Mädchens aus Kärnten könnte allerdings aufzeigen, dass prozessführendes Versagen weder einen Täter manifestiert, noch das Opfer ausreichend mit Genugtuung und Sicherheit versorgt, wenn ein gepeinigtes Kind den Gerichtssaal verlässt.



Zwei Kinder, Zwei Geschichten, Zwei Ansichten. Der Justizapparat dürfte in jedem Fall versagt, der Verurteilte im letzteren Fall durch sein akribisches Verifizieren aufgezeigt haben, wie inkriminierend unser Rechtsstaat mit ungenügenden Sachbeweisen agieren kann, um nach Jahren ein rechtskräftiges Urteil im Namen des Volkes verkünden zu können.



Trotz Kampusch Fieber wagt nur ein Richter den Gang zur Anklagebank, zum Antritt des Wahrheitsbeweises. Der Täter selbst hat sich selbst gerichtet, die eifrigen Ermittlungsbehörden längst aufgehört nach tatsächlichen Sachbeweisen zu suchen.





Es grüßt,

der.pädagogik.visionär