Gespeichert von LittleBuddha am So, 23.09.2007 - 13:51:56

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Sie hat keinen Notdienst zum Anrufen, ihr Tagesplan ist straff strukturiert und einen materiellen Lohn gibt es nicht. Leibliche Mütter gebären ihre Kinder, sie können nicht einfach das Kriseninterventionsteam rufen, wenn die ach so liebe Rasselbande einmal über das Maß aller Dinge hinaus schlägt und eine leibliche Mutter hat von Geburt an die unaufhörliche Bindung mit ihrem Kind. All das sind die Unterschiede zwischen einer Bauch- und Herzmama, wie man sie zum Beispiel im SOS Kinderdorf trifft.

Auch wenn die eigene Mutter ihr Kind vernachlässigt, schlägt und quält, sie wird von ihrem Kind dennoch geliebt. Haben sie doch gemeinsam neun Monate in einem Körper verlebt, ehe ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickt und von der Hebamme an die Mutterbrust gelegt wird. Eine Bindung, die von SOS Kinderdorf Müttern nur schwer ersetzt werden kann. Die ironisch bezeichnende Ersatz(herz-)mama bekommt Kinder aus schwierigsten Verhältnissen. Die psychosozial zerstörte Herkunftsfamilie hat ihre Pflicht aufgegeben und das eigen Fleisch und Blut in die Hände Fremder gelegt.

Abgesichert durch Familienhilfe, Nottelefon und einer fundierten familienpädagogischen Ausbildung, beginnt der Eroberungskampf zwischen dem Menschenkind und seinen neuen Vorgesetzten in Form einer fremden Erzieherin. Ab nun teilt sie den Wohnraum mit ihren Schützlingen, kocht ihnen zu essen und wäscht ihre Wäsche. Ungehorsam wird mit drakonischen Erziehungsmaßnahmen wie z.B. der Verzicht auf ein Gute-Nacht Ritual geahndet.

Ein Lebensabschnittspartner agiert plötzlich als Vaterersatz, sagt "Stopp", wenn das Menschenkind nicht artig den Spinat essen will und gibt seiner Partnerin und Herzmama Rückhalt, sollte am Notfalltelefon von SOS Kinderdorf gerade niemand Dienst tun.

Über das eigentliche Warum und die wahren Ursachen werden keine Fragen gestellt. Die Antwort hingegen scheint denkbar einfach und findet sich in fürsorglich geprägtem Prospektmaterial. Überforderung, Alkohol- und Drogenmissbrauch, psychische Probleme oder existenzieller Verlust. Gründe sind schnell gefunden und Argumente gehen niemals aus.

Doch wo sind die Anverwandten geblieben, die ach so geliebten Omas und Opas wie wir sie aus dem Teenager Kultfilm "La Boum - Die Fete" kennen? Können Kinder überhaupt noch von ihren erstrangigen Bezugspersonen, nämlich den Eltern oder Erziehern, Abstand nehmen und mit Kummer und Not die Großeltern aufsuchen?

Das Gespür nach Vererbung der Gene, der Duft des eigenen Kindes, den Väter sogar mit verbundenen Augen nie verwechseln können, oder einfach nur richtig Familie sein. Wir sollten nicht vergessen, dass auch unsere Familien dieses Nottelefon ganz gut tun könnte. Vielleicht ist es nur die eigene Mutter oder Patentante unserer Kinder. Vielleicht aber finden wir mit Freunden, Bekannten und Verwandten, die es zweifelsohne überall gibt, das Gespräch. Teilen Wünsche, Ängste, Sorgen aber insbesondere die schönen Momente mit unseren Kindern und der eigenen Familie, lernen zuhören, wollen aber auch verstanden werden.

Kurz um, es gibt ihn, den Draht nach Außen, das Nottelefon als Rettungsanker, auch wenn die eigene Rasselbande noch so tobt und der Familienmanagerin Mutter ein Segen von oben wirklich gut tun könnte. So braucht es nicht nur für die Zeugung eines Kindes Mann und Frau, sondern gerade in spannenden Situationen unseres Familienlebens den Partner wie in Guten als auch Schlechten Zeiten. Und seien wir doch ehrlich, wer könnte nicht auch ein guter Vater sein?

Es grüßt,

der.pädagogik.visionär