Gespeichert von LittleBuddha am So, 09.03.2008 - 12:38:26

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Zwischenzeitlich prägen verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche unseren Alltag. Ob Zeitung, Fernsehen oder Eltern Ratgeber, überall ist der Zappelphilipp in aller Munde. So auch in der 2. Staffel von "Teenager ausser Kontrolle", die jeweils am Mittwochabend auf RTL gespult wird. Jetzt müssen acht verhaltensauffällige Jungs und Mädels quer durch Oregon marschieren.

Ihr Gepäck ist die eigene, verschmutze Seele und ein 30 kg schwerer Rucksack. Ihre Begleiter kennen den "therapeutischen Griff" und ihren Wilden Westen wie die eigene Hosentasche. Karge Wüstenlandschaft prägt den Alltag und acht Wochen lang gibt es nichts als Haferflocken.

 

Zu Hause dominiert die pure Gewalt und resignierende Eltern schieben sich vor die Kamera "Das ist unser Neo-Nazi". Ob Schlägerbraut oder Dauerkiffer, die verspannten Couch Potatos zu Hause bekommen den voyeuristischen Flair deutlich zu spüren. Bereits nach der Ankunft in den USA werden die Jugendlichen in einem Kellerverlies gezüchtigt, da gehören nackt ausziehen und Leibesvisitation zum Vollprogramm dazu.

Wer wie Heimkind Vivien rebelliert, bekommt die Härte der Natur schnell genug zu spüren. Für Chef Therapeutin Annegert Noble ein Spaß auf Gottes Boden "Die Natur ist der beste Therapeut!".

Etwas dezent aber freizügig genug, kommuniziert auch eine SOS Kinderdorf Mutter in ihrem allwöchentlichen Weblog die Nachteile mit einem AD/HS Kind. Während die Frau von Welt auf der Almhütte den wohlverdienten Urlaub genießt, zertrümmert Pflegekind Dennis das halbe Kinderdorf. Ob Aquarium, Speisekammer oder Kinderzimmer, vor diesem bösen Teufelchen bleibt nichts wie es einmal war.

Voyeuristisch gesehen sind beide Angebote lukrativ, letzteres dürfte aber mehr um Verständnis werben, für eine Gesellschaft die aus ihren Kindern Bestien macht, wenn sie nicht funktionieren, ab ins Kinderdorf, denn Mama kommt eh einmal pro Monat, um das Kind erneut zu zerrütten.

Vielleicht sollten wir Eltern wieder mehr an unser eigen Fleisch und Blut denken, den egoistischen Erziehungstrip über Bord werfen und darüber nachdenken, ob wir nicht zuviel von unseren kleinen Engeln erwarten, denen in der Pubertät schlussendlich der Kragen platzt.

Den Voyeuren jedenfalls gefällt das Programmangebot, wenn sich Kinderdorfmütter und Fernsehproduzenten profilieren wollen, über Fehlverhalten unseres Nachwuchs akribisch Buch führen, oder gar noch mit der Kamera rund um die Uhr draufhalten, auch wenn schon das verweinte kleine Mädchengesicht blutrot angelaufen ist und nur noch nach Mama schreit.

Es grüßt,

der.pädagogik.visionär