Submitted by LittleBuddha on Mi, 18.04.2007 - 20:39:29

Jugendamt SkandalDie 16 jährige Lucia aus Wolfsgraben musste ins Kinder-
heim nach Judenau. Freiwillig freilich nicht und ihre Familie
einschließlich der 18 jährigen Schwester ließ sie nur mit
Wehmut zurück. Die Vorgeschichte ordnet sich rund um ein Pferdegestüt in Wolfsgraben an. Die Alleinerziehende Mutter bewirtschaftete den Hof mit ihren beiden Töchtern alleine. Nachdem der Fall in Grammastätten an die Öffentlichkeit dringt, ortet man plötzlich die Vernachlässigung und Gefährdung der 16 jährigen Lucia. Am Tag der Heimeinweisung ist auch die Tageszeitung "Österreich" Vor-Ort. Nur kurz hat Lucia Zeit den Koffer zu packen und diesen über den Hofweg zu schleppen. Vor dem "Gatter" wartet bereits die Sozialarbeiterin vom Jugendamt mit der Polizei. Jetzt muss Lucia die geliebten Pferde und ihre Familie hinter sich lassen!

Lucia liebt nichts mehr als ihre Pferde und ganz Österreich hat wieder einmal aufgeschreckt. Schon wieder ein Fall Grammastätten? Wir erinnern uns: Eine Mutter (Juristin) hatte über sieben Jahre ihre Töchter der Außenwelt vorenthalten und der Vater (Richter) kein Interesse am Sorgerecht. Viele Östereicherinnen und Österreicher waren natürlich entsetzt und so verwundert es wenig, wenn plötzlich weitere Fälle an die Öffentlichkeit gelangen.

So auch in Wolfsgraben wo über 40 Pferde auf einem Gestüt fristen und eine Alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Töchtern und den Pferden schlichtweg überfordert scheint. Die Bürgermeisterin Claudia Bock zeigt sich gegenüber der NÖN nunmehr erleichtert: "Für mich ist das jetzt Gott sei Dank auch erledigt. Der gute Wille ist erkennbar!".

Doch wo war die Gemeinde in den vergangenen Jahren und weshalb musste Lucia gegen ihren Willen ins Heim? In Österreich sollten Kinder bereits ab 10 Jahren tunlichst gehört werden. So zumindest sieht es die einschlägige Gesetzeslage vor. Tatsache ist, niemand hat die Überforderung frühzeitig aufgefangen und niemand hat sich bis zur allgemeinen Empörung in Österreich tatsächlich um die Familie interessiert.

Jetzt sei die Jugendwohlfahrt verständigt und hätte die Mutter Auflagen zur weiteren Benützung des Wohnhaus erfüllt. Vergangenen Freitag war es also soweit und Lucia darf nun wieder zu Hause wohnen.

Bock: „Ich würde mir wünschen, dass jetzt wieder ein bisschen Ruhe einkehrt. Für ganz Wolfsgraben war diese Geschichte eine unangenehme Sache.“

Wie sich eine Heimeinweisung auf Kinder auswirken kann, wurde schon lange wissenschaftlich erhoben. Traumatisierung der Kinder und Jugendlichen sind an der Tagesordnung und die Vorgehensweisen meist fragwürdig.

Der Fall von Lucia zeigt wieder einmal mehr auf, wie die Behörden um Beschwichtigung bemüht sind. Inwiefern die Gefühle und Bedürfnisse betroffener Kinder dabei auf der Strecke bleiben, ist nur Nebensache.

Jedenfalls hätten die zuständigen Behörden und nicht zuletzt das Gemeindeamt frühzeitig tätig werden können, bevor das Wohnhaus unbewohnbar erscheint und die Pferde verkauft werden müssen. Was helfen soziale Strukturen und eine gemeinsame Gesellschaft, wenn der eine nicht auf den anderen schaut.

Die Privatsphäre scheint wieder gekittet. Ob Lucias Seele unbeschadet bleibt, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier geschrieben. Jedenfalls liegt der Ball wieder einmal bei der Politik und den verstaubten Ämtern. Das Medium XlargE Investigativ TV berichtet schon seit längerem über das "Desaster Jugendwohlfahrt" und fehlende Qualitätsstandards.