Gespeichert von reichmann am Sa, 19.06.2010 - 15:05:49

KindersexIn Kirgistan toben verheerende Unruhen. Nach FOCUS-Informationen halten sich Dutzende deutsche Jugendliche in dem Land auf. Sie sollen dort soziale Regeln lernen.

Während vergangene Woche im Süden Kirgistans hunderte Angehörige der usbekischen Minderheit getötet worden sind, halten sich nach Informationen des FOCUS noch immer rund 40 deutsche Jugendliche im Rahmen von erlebnispädagogischen Programmen in dem zentralasiatischen Land auf. Dies bestätigte das Auswärtige Amt.



Es handelt sich um verhaltensauffällige Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren, die von deutschen Jugendämtern in die Obhut kirgisischer Familien gegeben werden. Dort sollen sie fernab der gewohnten Umgebung soziale Regeln lernen. Fünf deutsche Jugendhilfe-Organisationen führen diese Programme durch und betreuen die Teenager vor Ort. Laut Informationen, die INHR vorliegen, befinden sich auch Kinder aus Österreich in Usbekistan.

Verantwortlich sind die Jugendämter und Sorgeberechtigten. Angesichts der Unruhen haben sie bis jetzt auf das Urteil der Projektträger vertraut. Die aber reagieren unterschiedlich auf die Gewalt im Land. Da sich die Jugendlichen im bisher sicheren Norden rund um die Hauptstadt Bischkek befinden, warten die meisten noch immer die weitere Entwicklung der Lage ab. Gerd Lichtenberger von der Life Jugendhilfe in Bochum entscheid dagegen, seine drei Jugendlichen unverzüglich aus dem Land zu bringen. „Ich kann das Programm in dieser Situation nicht mehr verantworten“, sagte er FOCUS.



Zumindest ein Jugendamt hat inzwischen reagiert „Wir holen unsere vier Jugendlichen so schnell wie möglich zurück“, erklärte Rainer Mohnfeld vom Jugendamt Minden.

Kinder werden missbraucht und vergewaltigt

Oftmals wird verschwiegen, dass es gerade in solchen Erlebnis-Pädagogik-Lagern, sehr häufig zu schwersten Misshandlungen und Vergewaltigungen kommt. Täter sind vollkommen geschützt, weil die sich auf die besondere Problematik der Kinder und Jugendlichen ausreden können.

Zudem kosten diese Aufenthalte sehr viel - bis zu 10.000 Euro Pro Kind und Monat - und bringen laut Ansicht von Fachleuten nichts. Solandge die Kinder und Jugendlichen in diesen Lagern isoliert sind, kann es funktionieren, doch werden kaum Vorteile für das weitere Leben zuhause erarbeitet. Kein einziger Betreiber dieser Kinder-Gulags konnte bis heute glaubhaft erklären, warum diese Kinder stets in Länder verbracht werden müssen, in denen Kinder so gut wie keine Rechte haben. Eine Unterbringung in solchen Ländern ist jedenfalls verboten, weil dort Menschenrechte nicht eingehalten werden. Diese dubiosen Einrichtungen werden auch nicht - wie vorgeschrieben - von den Kontrollinstanzen der Herkunftsländer kontrolliert.  

Über eine Million Menschen betroffen

Bei der Gewalt zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit wurden nach offiziellen Angaben mindestens 190 Menschen getötet. Die Regierung schätzt die Zahl der Toten mittlerweile aber auf 2000 ein. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass mehr als eine Million Menschen von den Auseinandersetzungen betroffen sind.

Russland denkt offenbar nun doch über einen Militäreinsatz in dem von Unruhen heimgesuchten Kirgistan nach. Russische Nachrichtenagenturen meldeten am Freitag unter Berufung auf Kreise des Verteidigungsministeriums, die Soldaten könnten zum Schutz strategisch wichtiger Einrichtungen in der zentralasiatischen Republik eingesetzt werden. Eine entsprechende Anfrage der kirgisischen Übergangsregierung werde derzeit geprüft. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

tbi/flf/Reuters | inhr