Gespeichert von reichmann am Sa, 05.03.2011 - 01:06:00

Kampusch 3096Madrid. Die Österreicherin Natascha Kampusch, die acht Jahre lang in den Händen des Entführers Priklopil lebte, ehe ihr die Flucht gelang und der Täter sich durch den Sturz vor einen Zug selbst richtete, stellte dieser Tage in Madrid ihr Buch „3096 Tage“ vor.

Mit diesem Buch wolle sie „ein Kapitel ihres Lebens abschliessen“, sagte die junge Frau mit dem allzu wissenden Lächeln vor der spanischen Presse.  „Ich bin meinem Entführer nicht mehr böse, sonst wäre ich noch immer nicht frei von ihm“, diktierte sie den Journalisten in die Feder.

Die Tatsache, dass dieser in Form eines Tagebuches gehaltene Roman in 30 Sprachen übersetzt wird und derzeit in 15 Staaten erscheint, dürfte wohl kaum geeignet sein, Natascha die acht Jahre ihres Lebens vergessen zu lassen, in denen sie dem verhaltensgestörten Mann ausgeliefert war. Wolfgang Priklopil war ein glühender Anhänger Adolf Hitlers gewesen. Das Zusammenleben mit ihm in einer Wohnung, die nur wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernt lag, habe aus „leichten sexuellen Nötigungen“, Demütigungen und Schlägen bestanden.

In den Nächten, in denen sie zu ihm ins Bett kommen musste, habe es indessen keinen Sex gegeben, gab die heute 23jährige Natascha bekannt.  Bei der Pressekonferenz sah sie ihre Ansprechpartner nie offen an und sprach schleppend. Viele Zeitungen in Österreich hatten gleich nach der Flucht des jungen Mädchens im August 2006 deren Darstellung der acht Jahre mit ihrem Entführer angezweifelt und auch kein Verständnis dafür aufgebracht, dass die Mutter nicht energischer nach ihrem entführten Kind gesucht hatte.

Nach eigenen Angaben hatte Natascha regelmäßig zusammen mit Wolfgang P. eingekauft und war sogar einmal einige Tage mit ihm Skifahren gewesen. Dies stellte sie in Madrid als „reine Überlebensstrategie“ dar. Wie viel in dem Buch  „3.096 Tage“ einer nachprüfbaren Untersuchung standhält, wird man wohl nur erfahren, wenn man erfährt, wer es verfasst hat. Denn Natascha, die sich auf die Erzeugung von Mitleid offenbar bestens versteht, bedauerte in der Öffentlichkeit ihr Unvermögen, ein Studium aufzunehmen, was ihr „Traum“ gewesen wäre.

Das Pressefoto, das die spanische Nachrichtenagentur EFE von Kampusch  am Montag in Großformat veröffentlichte, zeigt in verräterischer Weise, dass die junge Frau  offenbar sehr wohl mindestens zwei ihrer Ziele erreicht hat: eine enorme Aufmerksamkeit zu erregen und damit möglichst viel Geld zu scheffeln.

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