Submitted by LittleBuddha on Mo, 09.04.2007 - 19:34:26

KinderheimIn Österreich gibt es zumdest seit den 90er Jahren keine geschlossenen Heime mehr. In Deutschland entfacht nun eine neue Diskussion zwischen Fachleuten, Politik und Justiz über die Notwendigkeit von geschlossenen Heimen für Kinder und Jugendliche die bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Bereits seit 2002 gibt es beispielsweise in Hamburg drei geschlossene Heime. Auch österreichische Kinder und Jugendliche, die in österreichischen Einrichtungen der Jugendwohlfahrt keinen Halt finden, werden in Deutschland untergebracht. Laut Christine Gaschler-Andreasch (SPÖ), Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt in Kärnten, wünsche sie sich eine solche Einrichtung auch in ihrem Bundesland.

Aus der Presseaussendung des Hamburger Senat:

  • In den Einrichtungen herrscht ein streng geregelter Tagesablauf: Die Kinder müssen innerhalb der Einrichtung die Schule besuchen, die Jugendlichen gehen auf dem gesicherten Gelände zur Schule, Ausbildung oder Arbeit.
  • Die schulische und berufliche Ausbildung nimmt einen großen Stellenwert ein, um durch den Erwerb von Qualifikationen den Minderjährigen später die soziale Integration zu ermöglichen. Es gibt verbindliche Regeln und bei Zuwiderhandlungen wird konsequent reagiert.
  • Die Kinder und Jugendlichen werden mit ihren Taten konfrontiert und durch Verhaltenstraining dazu angeleitet, sich an Regeln zu halten und Konflikte gewaltfrei und sozial angemessen zu lösen.
  • Nach einer Phase der geschlossenen Unterbringung können sich die Minderjährigen Schritt für Schritt - je nach Entwicklungsstand und Lernfortschritt - mehr individuelle Freiheiten erarbeiten.
  • Die Aufnahme in die Einrichtungen erfolgt auf der Grundlage eines richterlichen Beschlusses.

Mit der Einführung derartiger Einrichtungen folgten aber bald die ersten Skandale. So berichtet der NDR (Norddeutsche Rundfunk):



Die Reihe der Skandale rund um die Feuerbergstraße ist lang. Schon bald nach dem Start war das Heim durch wiederholte Ausbrüche in die Schlagzeilen geraten. Kein Monat ohne Flucht aus der Feuerbergstraße, kaum eine Bürgerschaftsdebatte ohne Diskussionen über Missstände im Heim. Der Mitte 2005 gebildete Untersuchungsausschuss brachte laufend neue Affären ans Licht: Aids-Tests sollen ohne Einverständniserklärung der Jugendlichen gemacht, Psychopharmaka mit schweren Nebenwirkungen verabreicht und Jugendliche ohne rechtskräftige Gerichtsentscheidung festgehalten worden sein.



Die Kosten einer solchen Einrichtung belaufen sich pro Insasse auf rund Euro 25.000,00 und mussten zahlreiche Anstalten mangels Belegung wieder geschlossen werden. Aber auch in Punkto Pädagogische Reisen gibt es viele kritische Stimmen und schreibt der NDR weiter:



Damals sorgte der Fall "Kuttula" für Schlagzeilen. Im Mittelpunkt der Debatte stand das so genannte Crash-Kid Dennis N. Anfang der 90er-Jahre brach er in Hamburg fast 1.000 Autos auf und fuhr sie anschließend meist zu Schrott. Die Mutter war offenbar überfordert. Im Alter von zehn Jahren kam Dennis zu Pflegeeltern. Doch auch dort blieb er nicht lange. Die Jugendbehörde schickte Dennis ins finnische Jugenddorf Kuttula. Nach gut zwei Jahren kehrte er zurück: erneut Auto-Aufbrüche, Diebstähle, Festnahmen. Gebessert hat sich der inzwischen 23-Jährige nie. Heute sitzt er erneut im Gefängnis. Die Kritik an diesen pädagogischen Reisen und der von zwei 16-Jährigen verübte Mord an dem Lebensmittelhändler Willi Dabelstein in Tonndorf hatten schließlich Forderungen nach einer geschlossenen Einrichtung laut werden lassen.



"Nach Medienberichten gibt es in Deutschland offenbar rund 140 Plätze in Geschlossenen Heimen. Die Methoden sind fragwürdig die Erfolge dürften offenbar ausbleiben und die neuerliche Diskussion keinesfalls die Ursachen bekämpfen", meint auch der Kinderpsychologe Dr. Rolph Wegensheit, er arbeitet seit Jahren erfolgreich mit Problemkids und deren Eltern.



In den Wünschen von Christine Gaschler-Adreasch ortet Wegensheit allenfalls den Versuch neue Geldquellen für die Privatwirtschaft zu erzielen. "Erfahrungsgemäß werden solche Einrichtungen durch private Firmen mit Gewinnorientierung unter dem Deckmantel der Jugendfürsorge geführt", sagt Wegensheit abschließend gegenüber dem Int. Network of Human Rights.



Unabdingbar benötigen Problemkinder die mehr als Verhaltensauffälligkeiten aufweisen und letztlich laufend vor dem Jugendgericht landen professionelle Hilfe und dürfen deren Eltern nicht alleine gelassen werden. Ob allerdings das Wegsperren und die Behandlung mit Psychopharmaka sinnvoll und als die Lösung erachtet werden kann, ist mehr als fragwürdig.



Bereits der Umgang mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom) Kindern hat gezeigt, das moderne Therapieformen wie Sunflower Therapie oder Neuro Feedback Therapie mehr Erfolg und Sinnhaftigkeit zeigen, als die medikamentöse Behandlung mit Ritalin oder Concerta.





Weiterführende Links:



Rüttgers will kriminelle Kinder in geschlossene Heime stecken

Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung

Der Jugendrichter - Geschlossene Heime

Pressemitteilung - Hamburg führt wieder geschlossene Heime ein

Die Zeit - Einsperren und Betreuen

NDR - Das geschlossene Heim in der Feuerbergstraße

Tagesspiegel - Soll man geschlossene Heime für Kinder einrichten?