Submitted by reichmann on Do, 01.10.2009 - 15:48:08

MissbrauchopferDer Polizei ist ein internationaler Schlag gegen die Kinderporno-Szene gelungen. Es gab 22 Festnahmen - auch in Österreich.

Diese Täter stellen eine sehr große Gefahr für unsere Kinder dar. Sie wollen aktiv Kinder missbrauchen", erklärt Harald Gremel, der österreichische Leiter der Operation "Geisterwald" am Mittwoch im Bundeskriminalamt.

Den Behörden ist ein wichtiger Schlag gegen einen internationalen Kinderpornoring gelungen, der in dem deutschsprachigen Forum namens "Geisterwald" Bilder und Informationen über sexuelle Gewalt an Kindern ausgetauscht hat.Allein in Österreich wurden fünf Männer verhaftet.

Fleischhauer in Haft

Einer davon, ein Wiener Fleischhauer, war der auffälligste und aggressivste von ihnen. Der 41-jährige Familienvater, der sich im Forum "el niño" (das Kind) nannte, protzte mit dem Missbrauch an seiner zehnjährigen Stieftochter. "Er informierte die anderen laufend darüber, was er am Abend mit seiner Tochter vorhatte und postete am nächsten Tag Bilder davon. Wenn man das liest, stellt man sich ein Monster vor", erzählt Gremel.

Das deutsche Bundeskriminalamt in Wiesbaden, das das Forum seit Jahresanfang beobachtete, informierte die österreichischen Behörden über den dringenden Verdacht. Innerhalb von drei Tagen wurde der Mann trotz verschleierter IP-Adresse ausgeforscht und verhaftet.

Missbrauch angekündigt

Der Mann wohnte mit seiner Frau und insgesamt vier Kindern in einer Wiener Wohnung. Im Forum hatte er bereits angekündigt, sich an seiner jüngerer Tochter zu vergehen, wenn ihm die Stieftochter zu alt wird. Seine Frau will von dem Missbrauch nichts mitbekommen haben. "Sie hat sich gewundert, dass er seit einiger Zeit nachts bei der Stieftochter im Bett schläft und die Tür absperrt, hat sich aber nie getraut nachzufragen", erzählt der Kriminalist erschüttert.

Auch zwei weitere Foren-Mitglieder, die verhaftet wurden, hatten sich an Kindern vergangen, aber keine Bilder von ihnen online gestellt. Ein 22-jähriger Kärntner hat den zwölfjährigen Sohn eines Freundes missbraucht. Ein 36-jähriger Vorarlberger hatte sich an der achtjährigen Tochter einer ehemaligen Lebensgefährtin vergangen.

Die zwei weiteren Verhafteten sind aus der Steiermark - bei ihnen wurde einschlägiges Material gefunden. Einer davon, ein 30-jähriger Tontechniker, war erst im Vorjahr wegen Besitzes und Weitergabe von Kinderpornos zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt worden.

"Freiwillig"

"Die Männer rechtfertigen sich damit, dass die Kinder das freiwillig gemacht haben. Sie waren in dem Glauben, dass sie ihnen etwas beibringen", sagt Gremel.

Bei der Operation "Geisterwald" wurden weltweit Hausdurchsuchungen durchgeführt, es gab insgesamt 22 Festnahmen. Allein in Deutschland gab es nach 163 Durchsuchungen zwölf Festnahmen. Die weiteren Länder waren Schweiz, USA, Canada, Spanien und Bulgarien.

Ewald Ebner, Leiter des Büros für Kapital- und Sittlichkeitsdelikte, beschreibt die Kinderporno-Pyramide: "Die Basis ist eine große Zahl von Konsumenten. Auf der nächsten Stufe sind Anbieter und Nutzer von Tauschbörsen." Danach kommt die Gruppe derer, die untereinander in Kontakt treten, um Material zu tauschen. Schließlich gibt es jene, die aktiv Kontakt zu Kindern suchen, um sie zu missbrauchen. "Bei der Operation 'Geisterwald' handelt es sich um die Spitze der Pyramide. Das ist eine kleine, aber umso gefährlichere Gruppe, auf die wir in Zukunft ein besonderes Augenmerk legen."

KURIER | Laila Daneshmandi