Submitted by LittleBuddha on So, 17.12.2006 - 16:02:01





 Wie erfinderisch deutsche Laien sein können, beweist wohl
das Beispiel des deutschen Ex-Boxers Lothar Kannenberg.
In seinem Trainingscamp nahe Kassel will der einstige Drogenabhängige unter dem Motto "Wir schaffen das!" straffällig gewordenen Jugendlichen das "Durchboxen im Leben" mit merkwürdigen Erziehungsmethoden beibringen. Diese dürften derart nachhaltig in ihrem Erfolg sein, dass nun die Kasseler Staatsanwaltschaft dem Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sprichwörtlich "an den Kragen" will. Bekannt wurde Kannenberg und sein Camp durch unzählige TV Berichte. Zuletzt musste sich der einstige Drogenabhängige in der Sendung von Johannes B. Kerner (ZDF) harscher Kritik stellen, zumal er nach 2 Jahren noch keine aussagekräftige Studie präsentieren konnte.

Deutsche Träger der freien Jugendhilfe wie sie das Erziehungscamp des Lothar Kannenberg oder der Verein WEG-EV.DE mit seinen Teneriffa Experimenten klarerweise darstellen, stehen nicht erst seit gestern im Kreuzfeuer der Kritik.

«Staatsanwalt hat Ermittlungen aufgenommen»

Auch wenn Horst Brocke, Geschäftsführer des Dachverbandes dieser Zunft, löbliche Worte findet, ermittelt dennoch die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes des Betruges und wegen Misshandlung Schutzbefohlener (es gilt jeweils die Unschuldsvermutung), wie die HNA in ihrer Sonntagsausgabe berichtet.

«Gründungsmitglied klagt an»

Wie das Gründungsmitglied des Erziehungslagers von Lothar Kannenberg, Benjamin Blase nun durch seine Rechtsanwältin Tanja Al Hariri-Wendel ausrichten lässt, gehören Einbuddeln in Schlamm, Kahlscheren des Kopfes und der Sprung in die fast zugefrorene Fulda zu den Menschen verachtenden Erziehungsmethoden des Lothar Kannenberg und seiner Camp Crew.

«Kannenberg gibt sich fassungslos»

Lothar Kannenberg hingegen sieht die Arbeit mit den Jugendlichen als Lebensaufgabe und ist fassungslos. Gegenüber der HNA sagt Kannenberg nur "Ich bin fassungslos und davon weiß ich nichts!". Ob vor dem Staatsanwalt diese schlichte Auskunft reichen möge, sei im Moment dahingestellt.

«Räumlichkeiten gleichen einem Trümmerfeld»

Das Ehepaar Merz, ihres Zeichens Vermieter und Eigentümer von "Gut Kragenhof", ist hingegen aus allen Wolken. Wie der Hessische Rundfunk anlässlich seiner Hessenschau vom 13.12.2006 berichtet, gleichen die Räumlichkeiten auf Gut Kragenhof einem Trümmerfeld. Löcher in den Wänden, kaputte Betten, zerschlagene Duschen sowie Schäden an den Fußböden und Fenstern lassen einen Schaden von rund Euro 100.000,00 beziffern.

«Wir sind keine Vandalen»

Gegenüber der HNA will Kannenberg beschwichtigen, gibt aber Schäden zu. Dem Ehepaar Merz will er nun die Hand reichen und sich an einen Tisch setzen. Die Schäden sollen von einer Firma beseitigt und von der Jugendhilfe Einrichtung bezahlt werden. Dennoch bleibt die Frage nicht erspart wie erfolgreich die Erziehungsmethoden des Lothar Kannenberg tatsächlich sind. Betrachte man die anschauliche Nachhaltigkeit, müssen wohl noch einige Fragen mehr beantwortet werden.

«Millionen für verhaltensauffällige Jugendliche»

Rund 1 Mio. Euro bezahlen die Jugendämter für eine solche jugendwohlfahrtsrechtliche Maßnahme. Die Erfolge solcher Heime sind nicht unumstritten, wie DSP DSA Stephan Tiefenbacher weiß:

"50 % der teilnehmenden Jugendlichen schaffen es beispielsweise bei der deutschen Jugendhilfe Einrichtung WEG-EV.DE nicht! Die Erfolge in den USA sind wesentlich geringer, beträgt die Rückfallquote in sogenannten "Bootcamps" nach aktuellen Studien mehr als 80 %!"

«Kärnten setzt auf Freie Träger der Deutschen Jugendhilfe»

Christine Gaschler-Andreasch (SPÖ), zuständig für die Abteilung Jugendwohlfahrt der Kärntner Landesregierung, setzt gerade auf solche umstrittenen Einrichtungen, wie jüngst der Fall von Lena (15) - Name geändert - eindrucksvoll belegt. Zuvor machte aber der 13 jährige Rene aus Klagenfurt von sich Reden. In Italien musste das Kind des Heimes verwiesen werden. Über die Erfolge im geschlossenen Erziehungsheim in Deutschland kann nur gemutmaßt werden. Eine weitere 13 jährige kam mit blauen Flecken aus Deutschland zurück. Angeblich wurde sie zuletzt in einer Spezialeinrichtung in Vorarlberg geschlagen und sei von dort abgehauen. Jetzt lebt das Mädchen wieder bei ihrer Mutter in Klagenfurt und besucht die Sonderschule. Mangelnde Qualifikation in der Betreuungsstelle, Unsummen von Steuergeldern und leibliche Eltern die nicht in der Lage sind die Maßnahmen zur Vollen Erziehung mitzutragen. Jedenfalls liegen dem Int. Network of Human Rights nunmehr genug besorgniserregende Details vor, weshalb die Rechtsabteilung des Int. Network of Human Rights aktuell den Gang zum Staatsanwalt prüft, wie Mag.iur. Jan Sostaric gegenüber der INHR Online Redaktion bekanntgibt.