Gespeichert von reichmann am Fr, 10.12.2010 - 01:32:40

JustizskandalWieder regt ein Vorfall im Grazer Gefängnis auf: Ein renitenter Häftling wurde von vier Beamten schwerst verletzt. Dramatischer Verlauf: Die Amtshandlung in Karlau zwingt einen Häftling in den Rollstuhl und beschäftigt nun die Strafjustiz.

Er wurde drei Tage in eine Sonderzelle gesteckt, ehe klar war: Häftling Friedrich G., 61, lag lebensgefährlich verletzt dort drin - mit einem gebrochenen Wirbel und Rückenmarksverletzungen. Dem Niederösterreicher aus Eggenburg dürfte eine Querschnittslähmung bleiben.

Die Staatsanwaltschaft Graz leitete Ermittlungen gegen vier Wachebeamte der Justizanstalt Graz-Karlau und gegen den Anstaltsarzt ein. Nach der Aufregung um die Freigänge des "Waldmenschen" Friedrich O. und dessen mutmaßlichen Mordversuch an einer Prostituierten muss die Anstalt also erneut Untersuchungen über sich ergehen lassen.

Am 17. November war es zu dem dramatischen Vorfall gekommen. Friedrich G. ist als gefährlicher und notorischer Gewalttäter eingestuft. Seit 2003 wird er im Sondertrakt der Karlau angehalten. Regelmäßig müssen ihn Beamte zur Krankenabteilung begleiten, weil er eine Depotspritze zur Ruhigstellung benötigt. "Er hat eine Krankenschwester attackiert. Eine Geiselnahme stand kurz im Raum", sagt Generalleutnant Peter Prechtl vom Justizministerium.

Vier Beamte überwältigten den Häftling, brachten ihn zu Boden und fixierten ihn. Aufrecht gehend wurde er noch in die Sonderzelle gebracht. Der Anstaltsarzt entdeckte die schwere Verletzung nicht. Als es dem Häftling am dritten Tag zunehmend schlechter ging, wurde er ins UKH auf die Intensivstation überstellt. Dort wurde Anzeige erstattet. Am Patienten musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden, um ihm die Atmung zu erleichtern. "Es ist tragisch. Aber wir müssen für Ordnung sorgen", betont Prechtl zum schwierigen Maßnahmenvollzug mit problematischen Straftätern.

Zu viel Gewalt?

Die Staatsanwaltschaft beauftragte einen Gerichtsmediziner: War die Amtshandlung mit dieser Intensivität begründbar oder völlig überzogen? Hätte der Anstaltsarzt den Schweregrad der Verletzung gleich erkennen müssen, hat er vielleicht geschlampt oder gar weggeschaut?

Auf genaue Untersuchungen drängt Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International. "Was mir besonders problematisch erscheint, sind die schweren Fehler in der Nachbetreuung." Dem Häftling würden nun jedenfalls die beste Behandlung und Rehabilitation sowie eine Entschädigung zustehen.

Kurier | Ulrike Jantschner