Gespeichert von reichmann am So, 27.04.2008 - 18:54:48

Wien (dpa) - Er soll seine Tochter 24 Jahre wie eine Gefangene gehalten
und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben: In Niederösterreich hat die
Polizei einen 73-jährigen Mann festgenommen, dem schwerer Inzest
vorgeworfen wird.

Josef F. hat nach Angaben der Ermittler vom Sonntag seine heute 42
Jahre alte Tochter seit 1984 in einem Verlies eingesperrt und
regelmäßig sexuell missbraucht. Von den sieben Kindern soll eins nach
der Geburt gestorben sein. Der 73-Jährige soll die Leiche verbrannt
haben. Drei Kinder waren mit der Mutter eingesperrt und nicht
behördlich gemeldet. Die drei anderen lebten bei Josef F. und seiner
Frau.

Der aufsehenerregende Kriminalfall erinnert an das Schicksal von
Natascha Kampusch. Die heute 19-jährige Wienerin war als Zehnjährige
auf dem Schulweg entführt worden und 2006 nach acht Jahren aus der
Gewalt ihres Peinigers entkommen.

In dem aktuellen Fall in der niederösterreichischen Stadt Amstetten
sagte die 42-jährige Elisabeth F. bei der Polizei aus, sie sei bereits
seit ihrem elften Lebensjahr immer wieder von ihrem Vater vergewaltigt
worden. Der mutmaßliche Täter verweigert die Aussage. DNA-Analysen
sollen jetzt klären, ob der Mann tatsächlich der Vater der sechs Kinder
ist, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz
Polzer, am Sonntagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Amstetten.

Wie Elisabeth nach ihrer Befreiung angab, hatte ihr Vater sie im
August 1984 in den Keller gelockt, gefesselt und eingesperrt. Zu diesem
Zeitpunkt war sie von Josef F. bei der Polizei als «vermisst» gemeldet
worden. In den folgenden Jahren erlitt sie - wie die Polizei berichtete
- ein nur schwer vorstellbares Martyrium. Sie wurde «laufend von ihrem
Vater missbraucht», berichtete Polzer.

Nach Informationen des Österreichischen Rundfunks (ORF) hatte Josef
F. die Anwesenheit von drei Kindern in seinem Haushalt damit erklärt,
dass seine vermisste Tochter ihm von 1993 bis 2002 die Babys vor die
Haustür gelegt habe. Tatsächlich habe er sie selbst aus dem Verlies
geholt.

Die Polizei kam Josef F. auf die Spur, als die 19 Jahre alte Tochter
von Elisabeth vor einer Woche bewusstlos im Haus ihres «Großvaters»
gefunden wurde. Sie war bis dahin laut ORF zusammen mit ihren
inzwischen 5 und 18 Jahre alten Brüdern und der Mutter eingesperrt
gewesen.

Auf der Suche nach Elisabeth F. entdeckten die Ermittler im Haus des
verdächtigen Mannes einen Brief, in dem es hieß: «Sucht mich nicht,
denn es wäre zwecklos und würde mein Leid und das meiner Kinder nur
erhöhen.» Der folgende Satz «Auch zu viele Kinder und Bildung sind dort
nicht erwünscht», lockte die Polizei zunächst auf eine falsche Fährte.
Die Behörden vermuteten, dass sich die Frau in den Händen einer Sekte
befinden könnte.

Laut ORF fand die Polizei Josef und Elisabeth F. schließlich nach
einem telefonischen Hinweis in der Nähe der Klinik, in der die 19-
Jährige mit dem Tod ringt. An welcher Krankheit sie leidet, ist noch
unklar. Um die anderen Kinder kümmert sich ein Kriseninterventionsteam.

Nach Angaben der Polizei machte Elisabeth F. einen äußerst
verstörten psychischen Eindruck und war in schlechter körperlicher
Verfassung, als man sie fand. Erst nach einem längeren Gespräch und der
Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt mit dem Vater mehr kommen und
auch für ihre Kinder gesorgt werde, war sie zu einer umfassenden
Aussage bereit.

Elisabeth F. beschuldigte ihren Vater «massiver Verbrechen».
Insgesamt brachte sie danach während ihrer Gefangenschaft sieben Kinder
zur Welt, von denen eines starb: 1996 habe sie Zwillinge geboren. Eines
der Kinder sei wegen mangelnder Versorgung einige Tage nach der Geburt
gestorben.

Während der Gefangenschaft sollen die drei Kinder, die mit der
Mutter eingesperrt waren, ausschließlich von Josef F. mit Essen und
Kleidung versorgt worden sein. Die Mutter von Elisabeth, Rosemarie F.,
behauptet, sie habe von der Gefangenschaft nichts gewusst. «Sie hat es
als gegeben hingenommen», sagte Polzer. Die drei Kinder, die bei Josef
F. lebten, waren laut Polizei als adoptiert bzw. als «Pflegefälle»
gemeldet.

Quelle: Die Welt