Gespeichert von LittleBuddha am So, 27.04.2008 - 19:35:17

Priklopil MutterDrama einer Mutter: In der deutschen Illustrierten "die aktuelle" packt die Mutter von Nataschas Entführer zum ersten Mal aus.

Jahrelang hat sie geschwiegen und völlig zurückgezogen in ihrer neuen Gemeindewohnung weit entfernt von ihrem ehemaligen Zuhause gelebt. Ihr Name – Waltraud Priklopil – wurde geändert – ebenso wie ihre komplette Identität.

Denn die heute 66-jährige Mutter des weltweit bekannten Natascha-Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil würde am liebsten vergessen. Vergessen, was ihr Sohn getan hat. Vergessen, dass ihr „Wolfi“ die Hauptrolle in einer der furchtbarsten Kriminalgeschichten spielte.

Verzweifelt und allein

„Ich bin nervlich am Ende“, bricht sie jetzt in einem Gespräch mit der deutschen Illustrierten die aktuelle zum ersten Mal ihr Schweigen. „Niemals hätte ich gedacht, dass mich so ein Schicksal treffen könnte,“ erzählt die Frau, die sich jahrzehntelang für ihren Sohn aufopferte.

Als er im Mai 1962 geboren wurde, gab die Ehefrau eines Chefeinkäufers bei einer Getränkefirma ihren Beruf als kaufmännische Angestellte auf. Sie wollte sich ganz der Erziehung von Wolfgang widmen. Der plötzliche Tod des Vaters als der Sohn 24 Jahre alt war schweißte die beiden noch mehr zusammen.

„Ich habe alles für ihn getan“, erzählt Frau Priklopil, die sich sogar bis zum dramatischen Showdown im August 2006 um den Haushalt und die Wäsche ihres Sohnes kümmerte. In regelmäßigen Abständen fuhr sie von ihrer Wohnung in Wien-Donaustadt in ihr ehemaliges Haus in Strasshof, wo Wolfgang Priklopil nun lebte.

Von seinem dunklen Geheimnis will seine Mutter nichts bemerkt haben. „Wolfgang war immer ein Eigenbrötler“, beschreibt sie ihr einziges Kind. „Ich habe ihn oft gefragt, wa­rum er denn keine Freundinnen hätte. Da hat er immer forsch geantwortet: ‚Mama, das geht dich nichts an!\' Ich habe einmal in der Woche geputzt und gekocht.

Mir ist nur der Kasten vor dem Eingang eines Raumes aufgefallen. Aber ich wäre doch nie auf die Idee gekommen, ihn wegzuschieben. Ich schwöre, ich habe nichts gemerkt.“

Frau Priklopils Nachbar

Wie so viele, die Priklopil kannten. Josef K. war jahrelang der Wohnungsnachbar der Priklopils in Wien-Donaustadt. Zuerst von Wolfgang, der mit etwa 20 Jahren zunächst in die kleine Wohnung zog. Später von seiner Mutter Waltraud, die sich schließlich die Wohnung nahm und ihrem Sohn das Haus in Niederösterreich überließ.

„Er war ein netter Bub“, erinnert sich der pensionierte Lehrer heute. „Erst später – es muss ungefähr zur Zeit der Entführung gewesen sein – hat er sich verändert und mit niemandem mehr gesprochen.“ Eines Tages habe er Priklopil sogar mit einer jungen Frau im Wohnhaus in der Donaustadt gesehen.

Heute weiß Josef K., dass die „hübsche Frau“ Natascha Kampusch war. „Sie haben bei Frau Priklopil angeläutet – ob sie da war, kann ich leider nicht sagen. Aber ich mache mir heute Vorwürfe, dass ich nicht aufmerksamer war.“

Mutter eines „Monsters“

Auch Waltraud Priklopil würde heute am liebsten die Zeit zurückdrehen und ihrem Sohn all jene Fragen stellen, die ihr heutiges Leben in der Einsamkeit begleiten. Sie hat mit kaum jemandem von früher Kontakt – wer will denn schon eine Freundin haben, deren Sohn in der Öffentlichkeit als „Monster“, „Peiniger“ und „Perverser“ gilt?

Unter ein regelrechtes Zeugenschutzprogramm hatte man sie deshalb kurz nach Nataschas Flucht und dem darauffolgenden Selbstmord von Wolfgang Priklopil gestellt. Das Begräbnis ihres Sohnes erfolgte quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

Nur seine Mutter und die Schwester eines Arbeitskollegen waren gekommen. Und wenn Waltraud Priklopil heute am Grab ihres Sohnes steht, blickt sie auf eine Tafel mit völlig fremdem Namen – eine echte Inschrift hätte Medien und Grabschänder zu sehr angelockt.

Unerträglich

„Ich möchte ein neues Leben beginnen“, erzählt Waltraud Priklopil während des Gesprächs in einem abgedunkeltem Raum, damit man ihre Tränen nicht sieht. Dass ihr Sohn ein brutaler Entführer gewesen sein soll, will sie bis heute nicht ganz glauben:

„Enge Freunde haben nach der Befreiung von Natascha Kampusch zu mir gesagt, dass er sicher kein Monster war. Sie hätten wie ein Paar gelebt. Natascha wäre nach Streitigkeiten sogar einige Male aus dem Haus geflüchtet und wieder zurückgekehrt. Diese Aussagen beruhigen mich“, sagt sie mit gefasster Stimme. „Ich bin sicher, mein Bub war nicht so, wie er dargestellt wird.

Sein Freitod bleibt mir unbegreiflich. Vielleicht hätte sich ja einiges relativieren lassen ...“

Theorien einer verzweifelten Mutter, die über ihre Gefühle auch selbst sagt: „Ein Kind unter derartigen Umständen zu verlieren, überschreitet die Grenze des Ertragbaren.“

OE24.at | Daniela Schimke

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am/um Do, 08.09.2016 - 02:26:05

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Ich bin eine Hollandischen Frau und Mutter von 73 Jahr alt und habe das Buch gelesen von Natascha und es ist schreklich was das Madchen 8 lange Jahre erlebt und uberlebt hat. Das die Mutter nicht begreifen kann das iher Sohn so etwas tun konnte ist normal. Naturlich ist es fur die Mutter onbegreiflich und sie soll es niemal glauben aber die Wirklichkeit ist da. Man kann nie wissen was unsere Kinder denken und tun; sie sind Erwachsenen mit vielleicht Eigenschafte von voreltern. Wann er ins leben geblieben was war es vielleicht schlimmer fur den Mutter.