Submitted by reichmann on Mo, 22.09.2008 - 18:11:48

Auf INHR schon seit Jahren ein Thema, jetzt auch in anderen Medien nachzulesen: Missstände in der Jugendwohlfahrt. Jahrelang verheimlicht und vertuscht, kommen jetzt immer mehr erschütternde und unfassbare Details ans Licht.

Ein aktueller Fall aus Oberösterreich zeigt einmal mehr die Unfähigkeit des Amtes auf und kostet den Steuerzahler wieder einmal satte 500.000 Euro.

So kann es zweifellos nicht mehr weitergehen. Von jahrelanger Untätigkeit bis zu vorschnellen, teils ungerechtfertigten Kindesabnahmen reichen die Vorwürfe, die gegen die Jugendämter erhoben werden.

Nur wenige Schicksale kommen breit in die Öffentlichkeit, wie etwa der Skandal um Luca. Auch hier kämpft der Vater schon jahrelang um Gerechtigkeit und rennt gegen Mauern. Niemand ist schuld am unnotwendigen Leid und dem Tod des bedauernswerten Kindes, niemand übernimmt die Verantwortung. An die Öffentlichkeit kommen nur Details aus denen die wahren Zustände in der Jugendwohlfahrt nicht zu erkennen sind. Und die „Fachleute“ werken weiter, als wenn nichts geschehen wäre.

Jahrelanges unfassbares Leid

Im aktuellen Fall aus Oberösterreich hat das Jugendamt wieder einmal jahrelang nichts unternommen, um den drangsalierten und eingesperrten Kindern zu helfen. Eine psychisch kranke Mutter soll ihre Kinder jahrelang von der Außenwelt isoliert haben. 2007 flog der Skandal dann auf. Die Kinder schwer traumatisiert, jahrelang von der Umwelt abgeschirmt, keinen Kontakt zur Außenwelt, das hat natürlich bei den Kindern schwerste Entwicklungsschäden verursacht. Teilweise, so hört man aus Fachkreisen, werden auch jahrelange Therapien keinen restlosen Erfolg bringen. Bleibende Schäden sind zu erwarten.

Wer haftet?

Wie immer redet man natürlich auch in so einem Fall von Geld. 500.000 Euro sollen den Schaden bei den Kindern wieder gut machen, ob für diese offensichtlich schwer zu bestrafende Unterlassung jemand mit einer Entlassung oder gar einer Haftstrafe rechnen muss bleibt unangesprochen. Dabei wäre es, zumindest aus generalpräventiver Sicht, höchst an der Zeit der Öffentlichkeit aufzuzeigen, dass auch Beamte für ihre Fehlhandlungen mehr als nur ein Kuschelverfahren vor einem Disziplinargericht mit anschließender Verwarnung zu befürchten haben.

So werden die „Fachleute“ wohl munter weitermachen.

Mangelnde Ausbildung

Die Volksanwaltschaft fordert auch dringende Reformen ein. Handlungsanleitungen und Fortbildungsseminare für Sozialarbeiter, sowie Unterstützung durch die Fachaufsicht wenn die Sozialarbeiter mit einem Fall überfordert sind.

Wie eine Unterstützung durch die Fachaufsicht aussehen soll, kann man am Beispiel in Kärnten leicht erkennen, wenn man weiß, dass die Leiterin der Jugendwohlfahrt DSA Christine Gaschler-Andreasch, die auch die Position der Fachaufsicht (Kontrollinstanz für alle Kinderheime und Pflegeeltern) innehält, auch nur eine ausgebildete Sozialarbeiterin ist.

Die Forderung der Volksanwaltschaft mag wohl ein guter Ansatz sein, doch darf nicht übersehen werden, dass Sozialarbeiter lediglich eine recht kurze und breit gefächerte Ausbildung haben. So lernt der Sozialarbeiter in seiner 3-jährigen Ausbildung nicht nur die Arbeit mit Kindern, sondern auch dem Umgang mit Häftlingen und Haftentlassenen, Arbeitslosen, Alkoholikern und Drogensüchtigen. Eine DSA (Diplomsozialarbeiterin) ist auch ausgebildete  Bewährungshelferin, Streetworkerin, Drogenspezialistin und mischt sich zudem noch gerne in Erziehungsfragen ein. Kurzum eine universelle Ausbildung, vergleichbar mit einem Schnellkursus an der Volkshochschule.

Akademische Sozialarbeiter (ASA)

In den Ministerien weiß man natürlich schon längst über die mangelhafte Ausbildung der Sozialarbeiter bescheid. Deshalb bildet man schon seit geraumer Zeit nur mehr akademische Sozialarbeiter aus. Damit kommen natürlich Betroffene in ferner Zukunft in den Genuss der notwendigen, fachkundigen Beratung und Hilfe, doch kann man davon ausgehen, dass die Bestände nicht abgebaut werden. Man wird sich also noch sehr lange mit den DSA’s herumplagen müssen bis die letzte in den Ruhestand verabschiedet werden wird.

Bis dahin können wir uns weiterhin in den Medien – und natürlich auch auf  INHR – über die Leistungen der SozialarbeiterInnen der Jugendämter informieren. Für genügend Lesestoff ist jedenfalls gesorgt.

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am/um Do, 08.09.2016 - 02:26:23

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Hier, im Jugendamt Lehrte (bei Hannover), werden auch nur Schreibtischentscheidungen getroffen.
Unfähige und überforderte Mitarbeiter sind hier einge!

Die einzigen (und das ist das Schlimme daran) die darunter leiden sind die Kinder. Hier wird weg geschaut, wo sie eingreifen sollten und andersherum vorschnell eingegriffen, mit Unterstellungen, die nicht nachgewiesen werden können, bzw. die Gegenstellungnahme liegt vor. Aber wem glaubt man mehr? Einem Jugendamtsmitarbeiter oder einem Elternteil?
Vor dem Familiengericht steht man dann teilweise schlecht da.

Ich finde, solche Machenschaften dürfen nicht sein und sollten viel öfter an die Öffentlichkeit gelangen und vernünftig, mit Kompetenz geregelt werden!