Gespeichert von LittleBuddha am Di, 29.01.2008 - 21:38:25
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Kleinkinder warten in Tirol monatelang im Heim auf Obsorge-Entscheidungen der Justiz. Die räumt Probleme ein.

„Worunter wir und die Jugendämter leiden, ist die schlechte Performance der Pflegschaftsgerichte“, sagt Dietmar Mutschlechner, Leiter des Tiroler Landessäuglings-, -kinder- und -jugendheimes in Axams. Es ist das einzige Heim in Tirol, das Kinder im Alter von null bis sechs Jahren betreut, die ihren Familien vom Jugendamt entzogen werden.

Eigentlich soll der Heimaufenthalt nur als Übergangslösung dienen, bis das Pflegschaftsgericht über die Obsorge entscheidet. Doch genau das dauert zu lange, kritisiert Mutschlechner: „In den 1990er-Jahren sind Kinder durchschnittlich vier Monate lang bei uns geblieben. Heute gehen wir bei der Aufenthaltsdauer auf ein Jahr zu. Im Durchschnitt wohlgemerkt.“

Am Innsbrucker Bezirksgericht würden diese Verfahren besonders lange dauern, behauptet der Leiter des Tiroler Landeskinderheims. Grund dafür sei folgender: Die Pflegschaftsrichter würden zu oft wechseln. Oder die Posten seien einfach nur mit Teilzeitkräften besetzt.

Angelika May, Vorsteherin des Bezirksgerichtes Innsbruck, weist die Vorwürfe, wonach die Verfahren zu lange dauern würden, umgehend zurück. Doch genaue Zahlen zur durchschnittlichen Dauer der Pflegschaftsverfahren, die Kleinkinder betreffen, hat weder das Bezirksgericht, noch das Justizministerium parat. Dass es Probleme bei der Besetzung der Familienrichterstellen gibt, bestätigt aber auch May: „Das ist österreichweit ein heißes Eisen. Die älteren Kollegen wollen es nicht machen, weil das Prestige der Familienrichter nicht sehr hoch ist.“ So steigen die jüngsten Kollegen gezwungenermaßen als Familienrichter ein. Doch kaum einer wolle längerfristig in dieser Position bleiben.

„Ein bundesweites Drama“

May, die sich als „begeisterte Familienrichterin“ bezeichnet, nennt die Personalsituation an den Familiengerichten ein „bundesweites Drama“. Am Bezirksgericht Innsbruck etwa seien sechs Familienrichterinnen nur als Teilzeitkräfte beschäftigt. Sie arbeite mit Nachdruck daran, die Situation zu verbessern. Doch einen Pauschalvorwurf, wie jenen Mutschlechners, lasse sie nicht gelten: „Wenn man mir eine Aktenzahl nennt, auf die zutrifft, dass zu langsam gearbeitet wird, werde ich dem natürlich sofort nachgehen.“

Zudem, so May, spielen bei der Verfahrensdauer die „sehr genauen Vorschriften“ eine Rolle. Denn Obsorgefragen fallen, weil es dabei um das Kindeswohl und nicht um irgendeine Streitsache geht, unter das so genannte Außerstreitgesetz. Das heißt, sie werden nach besonderen Regeln verhandelt. „Und das dauert eben alles seine Zeit. Aber aus bösem Willen wird hier sicher nichts verzögert“, versichert May.

Schließlich dürfe auch jede Partei die ihr zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln ausschöpfen. In der Praxis bedeutet das: Auf ein Gutachten wird in den meisten Fällen mit einem Gegengutachten geantwortet.


Zahl der Fälle nimmt zu

Leidtragende sind jedenfalls die Kinder. Denn während des laufenden Verfahrens können sie nicht in Pflegefamilien untergebracht werden. Doch ein zu langer Heimaufenthalt kann zu Entwicklungsverlusten führen. „Der Zeitfaktor muss bei Kleinkindern mit sechs multipliziert werden. Ein Monat im Heim entspricht daher sechs Monaten. Wir können sie zwar eine Zeit lang sehr gut betreuen, aber wir können nicht das familiäre Umfeld ersetzen“, erklärt dazu Dietmar Mutschlechner. Hinzu komme auch die Ungewissheit, die das schwebende Verfahren für die Kinder und Angehörigen bedeutet.

Kinderheim ist überbelegt

Silvia Rass-Schell, die Leiterin der Jugendwohlfahrt Tirol, bestätigt Mutschlechners Kritik nur bedingt: „Wir sind um gute Kontakte zu den Pflegschaftsgerichten bemüht.“ Dennoch habe auch sie bemerkt, dass es durch „mangelnde Personalressourcen in Einzelfällen zu Verzögerungen kommen kann“. Rass-Schell spricht sich vor allem für erfahrene Familienrichter aus.

Alarmierend ist, dass in den vergangenen Monaten die Zahl der Gefährdungsmeldungen an die Jugendwohlfahrt deutlich zugenommen hat. Die Jugendämter arbeiten auf Hochtouren, um allen Meldungen nachzugehen. Auch das Axamer Kinderheim ist mit derzeit 17 Kleinkindern überbelegt. Eigentlich wäre schon mit zehn Kindern bereits die Vollauslastung erreicht.

Quelle: Die Presse

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