Gespeichert von reichmann am Mo, 06.10.2008 - 00:38:12

Die Volkanwaltschaft hat in ihrem Prüfbericht 2005 schon mehrfach die Missstände in der Jugendwohlfahrt Kärnten kritisiert. Verfügungen nach § 215 ABGB (Kindesabnahme wegen Gefahr im Verzug), müssen unverzüglich beim Pflegschaftgericht eingebracht werden.
Nun zeigt die Volksanwaltschaft Missstände in Oberösterreich auf. Schwere Vorwürfe müssen  sich die Verantwortlichen Josef Ackerl (SPÖ) und Josef Pühringer (ÖVP) demnach gefallen lassen.

Ein Prüfverfahren der Volksanwaltschaft wegen einer umstrittenen Kindesabnahme in Kärnten steht ebenfalls kurz vor Abschluss.

 

Massive Kritik an Jugendwohlfahrt
Anfang 2007 flog der Fall einer Familie auf, bei der die Mutter ihre Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschottet haben soll. Der Bericht der Volksanwaltschaft, der dem ORF OÖ vorliegt, zeigt eklatante Fehler der Behörden auf.

Prüfbericht der Volksanwaltschaft
Im Prüfbericht der Volksanwaltschaft werden die Geschehnisse ab dem Jahr 2000 aufgelistet. Immer mehr hätten sich die Kinder der Frau zurückgezogen und einen immer verwahrlosteren Eindruck gemacht. Die Zahl der Fehlstunden in den Schulen sei explodiert und die Kinder zum Teil nicht schulfähig, attestierte eine Psychiaterin.

Probleme in der Familie
Eine der drei Töchter stufte man als selbstmordgefährdet ein. Sozialarbeiter, Schulärzte, Psychiater und Vertreter der Schulbehörde berichteten immer wieder von den Vorgängen, die - so stand es in einem schriftlichen Bericht an die Bezirkshauptmannschaft Urfahr-Umgebung - nicht in der Schule sondern in der Familie begründet seien.

Keine Zusammenarbeit mit Behörden
Die Bezirksschulinspektorin sprach wörtlich vom "Kerker", aus dem eines der Mädchen heraus müsse. Die Mutter der Mädchen aber lehnte die Zusammenarbeit mit den Behörden stets ab.

Kritik an Jugendwohlfahrt und Jugendamt
Der Bericht der Volksanwaltschaft gibt erstmals einen erschütternden Einblick in die Ereignisse der Jahre 2000 bis 2007 und übt massive Kritik an Jugendwohlfahrt und Jugendamt.

Falsche Einschätzungen
Die Jugendwohlfahrt hätte vieles falsch eingeschätzt. Einige wörtliche Zitate aus dem Bericht der Volksanwälte:
"Es gab nicht nur einmal eine solche Situation, die den Jugendwohlfahrtsträger zum Einschreiten wegen Gefahr im Verzug verpflichtet hätte."
"Die Fähigkeit der Mutter, an der Situation der Kinder etwas zum Bessern zu verändern, wurde wiederholt falsch eingeschätzt, obwohl es im Laufe der Betreuung der Familie über fünfeinhalb Jahre eine dichte Kette an Wahrnehmungen und Hinweisen sowie medizinischen Gutachten gab, die allesamt den Schluss, dass das Familiensystem zum Schaden der drei Mädchen massiv gestört ist, zugelassen haben."

Missstand in der Verwaltung
Das, so sagt der Bericht der Volksanwaltschaft, sei ein "Missstand in der Verwaltung". Immer und immer wieder seien die Behörden auf die Missstände aufmerksam gemacht worden. "Bereits während des ersten Betreuungsjahres hätte der Jugendwohlfahrtsträger eingreifen müssen."

"Kindeswohl gröblich außer Acht gelassen"
Man habe auch der Mutter versprochen, keinen Antrag auf Obsorgeentziehung zu stellen, wenn diese kooperiere. Zitat aus dem Bericht: "Auch hier wurde das Kindeswohl gröblich außer Acht gelassen und gänzlich ignoriert."

Erziehungsfähigkeit der Mutter nicht überprüft
Das Jugendamt wiederum habe ständig mit dem Gericht Rücksprache gehalten, um nur ja alle Zuständigkeiten abzusichern. Durch die umfassende Information des Gerichts über alle im Laufe der Jahre immer bedrohlicheren Hinweise vermeinte das Jugendamt seiner Verpflichtung entsprochen zu haben.
Innerhalb von fünf Jahren sei kein einziger Antrag auf Verfügungen betreffend das Kindeswohl gestellt worden, kritisiert die Volksanwaltschaft, niemals habe man die Erziehungsfähigkeit der Mutter überprüft.

Personelle und budgetäre Ressourcen erhöhen
Die Empfehlungen an die zuständigen Mitglieder der Landesregierung sind konkrete Handlungsanleitungen und Fortbildungsseminare für alle Sozialarbeiter, Jugendämter müssten selbst Gebrauch von ihren Befugnissen machen und nicht nur Pflegschaftsgerichte informieren und vor allem, personelle und budgetäre Ressourcen der Jugendwohlfahrt müssten erhöht werden, schreiben die Volksanwälte.

Kritik von FPÖ und Grüne
FPÖ und Grüne üben massive Kritik an Soziallandesrat Josef Ackerl (SPÖ) und Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP): Beide hätten die Bericht weder dem zuständigen Ausschuss noch dem Landtag vorgelegt, kritisieren sie und vermuten, dass die Missstände bis nach der Wahl verschwiegen hätten werden sollen.

Quelle Text: www.ORF.at
Anriss: www.INHR.net