Submitted by reichmann on Di, 10.08.2010 - 01:19:35

Reinhard Haller2008 flog Prof Max Friedrich aus Wien auf, nachdem er tausende falsche Gutachten erstellt haben soll. Seit 2009 steht der Salzburger Gutachter Dr. Bachler wegen des Verdachtes des Betruges und falscher Beweisaussage vor Gericht.  Nun hat es den Psychiater Dr. Reinhard Haller erwischt. Dem renommierten Gutachter wird Betrug, Falschaussage und Verleumdung vorgeworfen. Es geht um inhaltliche Mängel sowie um falsch verrechnete Gutachten.

Nur wenige Tage, nachdem ein nicht rechtskräftiges Urteil dem renommierten Gerichtspsychiater Reinhard Haller "Kunstfehler" vorwirft, hat nun die Staatsanwaltschaft Innsbruck Ermittlungen gegen den Gutachter eingeleitet. Das bestätigte Behördensprecher Hansjörg Mayr am Freitagnachmittag. Es geht um den Vorwurf des Betrugs, der Verleumdung und der Falschaussage. Für Haller, der zu den Anschuldigungen bisher nicht vernommen wurde, gilt die Unschuldsvermutung.

"Es ist einerseits der Vorwurf erhoben worden, dass Doktor Haller seine Gutachten nicht richtig macht. Daneben wird behauptet, dass er Tests verrechnet hat, die er gar nicht durchgeführt hat. Das wird nun von uns überprüft", sagte Mayr.

Wie der Sprecher darlegte, sei Haller vom Gerichtsgutachten-Geschädigten-Verband (GGGV) zur Anzeige gebracht worden. Haller habe seinerseits den Anwalt des GGGV angezeigt, "weil er behauptet, dieser habe in einem Zivilverfahren unrichtige Behauptungen aufgestellt". Der GGGV wirft Haller im Gegenzug vor, in zumindest zwei Fällen billigere Tests durchgeführt und teurere verrechnet zu haben. Der Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI)-Persönlichkeitstest umfasst etwa 570 Items und dauert zwei bis drei Stunden. Laut GGGV soll Haller jedoch in den beiden Fällen das Psychopathologische Kurzverfahren (PPKV) - eine abgespeckte Variante, die nur 72 Items enthält - angewandt haben, das maximal 15 Minuten in Anspruch nimmt. Dennoch habe Haller jeweils den kostspieligeren MMPI-Test abgerechnet.

Haller will Urteil "richtig stellen" lassen

Unterdessen hat Haller erstmals zum nicht rechtskräftigen Urteil des Landesgerichts Innsbruck Stellung genommen, demzufolge behauptet werden darf, dass ein von ihm abgegebenes Prognose-Gutachten einen "Kunstfehler" darstellt, da es "schwere Mängel" aufweise. Der verlorene Prozess kratze an seinem Ruf, sagte der vielbeschäftigte Gutachter am Freitag in einem Interview mit ORF Vorarlberg. Es sei ein Fehler gewesen, den Prozess anzustrengen. "Gerade in Pressesachen" sei es häufig so, dass man in der ersten Instanz "Probleme habe", weil es hier nur auf die subjektive Wertung des Richters ankomme.

"Ich bin fachlich absolut zuversichtlich, dass man in der zweiten Instanz überzeugen kann. Juristisch gibt es nach Auskunft meiner Anwälte genügend Anhaltspunkte, um dieses Urteil richtig stellen zu lassen", deponierte Haller.

Gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" erklärte Haller, er habe für sein Gutachten "psychiatrische, klinische Methoden angewandt - explorieren, psychopathologische Befunde und so weiter". Die von ihm eingesetzten projektiven Tests, die zumindest Teile der Wissenschaft für überholt halten, wären "nur Hilfsbefunde, auch deshalb, weil sie fälschungsanfällig sind. Diese Tests werden nur zusätzlich, quasi als Fleißaufgabe, gemacht."

Streitfall Persönlichkeitstest

Der Betrugsvorwurf, den der GGGV gegen Haller erhebt, bezieht sich auf zwei Fälle, in dem der Gerichtspsychiater im Rahmen seiner gutachterlichen Tätigkeit der Justiz den sogenannten Minnesota-Multiphasic-Personality-Inventory (MMPI)-Persönlichkeitstest verrechnet haben soll, der ein gängiges Hilfsmittel bei der Untersuchung der Persönlichkeitsstruktur von psychisch Kranken darstellt. Der Test dauert zwei bis drei Stunden. Laut GGGV soll Haller jedoch in den beiden Fällen das Psychopathologische Kurzverfahren, eine abgespeckte Variante, angewandt haben, die maximal 15 Minuten in Anspruch nimmt. Dennoch habe Haller jeweils den kostspieligeren MMPI-Test abgerechnet.

Tests in Deutschland abgelehnt

Haller hatte Chmelir unter anderem mit dem Baumzeichen-Test und dem sogenannten Wartegg-Zeichen-Test (WZT) einer testpsychologischen Untersuchung unterzogen. Der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) hat bereits 1999 festgestellt (Aktenzeichen 1 StR 618/98), dass diese Tests "keine wissenschaftlich fundierten Verfahren" darstellen. Auch einige namhafte Wissenschafter halten sie für überholt.

Haller erwiderte im von ihm angestrengten Verfahren, die Tests wären "in ihren Grenzen, also als Hilfsbefunde aussagekräftig". Sie dienten nur dazu, "etwas leicht abzurunden, zu vervollständigen". Für die forensische Psychiatrie entscheidend wären nicht diese Tests, sondern die Exploration, die Anamneseerhebung und die Psychopathologie. Er habe sein Gutachten "nach den Regeln der Kunst erstellt" und dieses sei auch "richtig", betonte Haller in seiner gerichtlichen Befragung.

In seinem Urteil hält der Richter demgegenüber fest: "In zahlreichen Publikationen werden die vom Kläger eingesetzten projektiven Tests, nämlich der Wartegg-Zeichen-Test und auch der Baumtest, als außerhalb der wissenschaftlichen Psychologie stehend bezeichnet, sodass es seit Jahrzehnten keine Neuauflagen mehr gebe". Die Validität sei umstritten, ebenfalls die Reliabilität und die Objektivität. Dementsprechende Äußerungen fänden sich in universitären Lehrbüchern: "Die Autoren sind teilweise Inhaber von universitären Lehrstühlen." Folglich sei "die Gesamteinschätzung des Beklagten gerechtfertigt, dass international abgesicherte Persönlichkeitstests nicht zum Einsatz gekommen sind", so die Schlussfolgerung der ersten Instanz.

Nicht rechtskräftig verurteilt

Unterdessen hat Haller zum nicht rechtskräftigen Urteil des Landesgerichts Innsbruck Stellung genommen, demzufolge behauptet werden darf, dass ein von ihm abgegebenes Prognose-Gutachten einen „Kunstfehler“ darstellt, da es „schwere Mängel“ aufweise. Der verlorene Prozess kratze an seinem Ruf, sagte er am Freitag. Es sei ein Fehler gewesen, ihn angestrengt zu haben.

Es bleibt abzuwarten, welcher Gutachter als nächstes vor dem Richter Platz nehmen wird.