Submitted by reichmann on Mi, 22.09.2010 - 22:11:40

rfid-chipIn der kalifornischen Stadt Contra Costa County hat sich die erste Schulbehörde dazu entschlossen, Schulkinder mit RFID-Chips auszustatten. Diese sollen statt der Erzieher darüber wachen, ob die Kinder auch ihre Mahlzeiten einnehmen. Mit den Daten können umfangreiche Bewegungsprofile erstellt und Symptome für hyperaktives Verhalten aufgespürt werden.

Die Visionen von Autor Cory Doctorow in seinem Buch „Little Brother“ scheinen schon jetzt Realität zu werden. Wenn die Vorschulkinder von Constra Costa Country morgens von ihren Eltern ins Gebäude gebracht werden, deponiert man den personalisierten Chip am Kind selbst und entnimmt die Hardware, bevor die Kinder die Schule verlassen. Den ganzen Tag über werden alle Bewegungen innerhalb der Schule festgehalten. So kann beispielsweise überprüft werden, ob sich die Kinder in der Mittagspause im Speisesaal einfinden oder wer sich häufiger unerlaubt vom Gelände entfernt. Die Schulsprecherin hält die neuen Maßnahmen für angemessen. Statt die Kinder für viel Geld von Lehrern oder Erziehern beaufsichtigen zu lassen, würden die RFID-Chips jetzt überprüfen, wo sich die Kleinen im Schulgebäude aufhalten.


Die Electronic Frontier Froundation (EFF) kritisiert hingegen, dass man mit dem Material sehr detaillierte Bewegungsprofile der einzelnen Schüler erstellen kann, wenn man die Daten über Wochen hinweg analysiert. So könnte man sehr leicht Kinder mit einem starken Bewegungsdrang aufspüren und dies den Eltern mitteilen. Ob die Schulbehörde dann den Erziehungsberechtigten einen neurologischen Test auf Hyperaktivität nahelegt, lässt sich nicht beurteilen. Es ist in jedem Fall möglich zu prüfen, wie konzentriert die Schüler tagsüber an ihrem Platz sitzen bleiben. Man könnte auch feststellen, ob sie ihre Mahlzeiten einnehmen oder ob sie zum Beispiel sehr oft andere Klassenzimmer oder die Toilette aufsuchen. Die EFF hinterfragt auch, für wie lange diese Daten in den Computern der Schulbehörde gespeichert bleiben und ob Eltern die Möglichkeit geboten wird, ihr Kind ohne Chip herumlaufen zu lassen. Da sich die kalifornischen Behörden derzeit in einer katastrophalen finanziellen Lage befinden, ist zu befürchten, dass diese kostensparende Maßnahme Vorbild für zahlreiche weitere Schulen werden könnte.

Eine lückenlose technische Überwachung aus finanziellen Erwägungen heraus? Die Betroffenen sind zu jung, um zu verstehen, was dort mit ihnen passiert. Auch aus anderen Richtungen ist kaum mit Gegenwehr zu rechnen. Den Eltern dürfte es nicht selten am technischen Verständnis fehlen, um einschätzen zu können, welche Konsequenzen der elektronische Big Brother mit sich bringt. Oder aber es ist ihnen schlichtweg gleichgültig, so lange die Gebühren für den Schulaufenthalt ihrer Kids nicht dadurch steigen.