Submitted by LittleBuddha on Fr, 25.07.2008 - 10:55:34
  KAISERSLAUTERN Sechs Fälle von sexuellem Missbrauch, begangen an vier
Mädchen im Alter zwischen sechs und elf Jahren, wirft die
Staatsanwaltschaft dem Ex-Leiter des Kinderheims Spatzennest im
pfälzischen Ramsen vor. Am Dienstag beginnt vor dem Landgericht
Kaiserslautern der Prozess gegen Stefan S.

Die Anklage: S. (40) habe als Leiter einer Ferienfreizeit in Königswiesen in Österreich im Sommer 2007 die Mädchen mit sexueller Motivation am ganzen Körper eingecremt, teils auch im Intimbereich und gegen den Willen der Betroffenen.

Das aktuelle Geschehen hat auch deshalb Brisanz, weil es Bezüge zu den so genannten Worms-Prozessen der Jahre 1994 - 97 aufweist; vor dem Landgericht Mainz trat S. seinerzeit als Zeuge auf und belastete Angeklagte, die des vielfachen Missbrauchs eigener Kinder, Nichten und Neffen beschuldigt wurden. Sechs Kinder waren 1993 wegen der Vorwürfe aus ihren Familien herausgenommen und im Spatzennest untergebracht worden.

Zwar gab es letztlich Freisprüche für alle Angeklagten, dennoch wurden die Kinder aufgrund von Entscheidungen des Jugendamts und des Amtsgerichts Worms ihren Eltern nicht zurückgegeben; sie blieben im Spatzennest. Argument der Behörden: Die Kinder sträubten sich gegen eine Rückkehr zu den Eltern, bis hin zu Selbstmorddrohungen. Die betroffenen Eltern beklagten dagegen, S. habe die Kinder einer "Gehirnwäsche" unterzogen, um sie eng an sich zu binden.

Angesichts der aktuellen Anklage gegen S. erscheinen diese Vorwürfe in schärferem Licht. Vonseiten betroffener Worms-Eltern und verschiedener Medien sehen sich Jugendamt und Amtsgericht Worms mit massiven Vorwürfen konfrontiert, deren Tenor lautet: Trotz Freisprüchen habt ihr Kinder ihren Eltern vorenthalten und sie in einem Heim belassen, dessen Leiter nun wegen Kindesmissbrauchs angeklagt ist.

Keine Konsequenzen

Die Behörden betonen dagegen, nach Recht und Gesetz gehandelt zu haben; es habe ausreichende Kontrollen im Spatzennest gegeben. Vor den 2007 aufgetauchten und jetzt vor dem Landgericht verhandelten Vorwürfen habe nie Anlass bestanden, an der Seriosität des S. zu zweifeln. Allerdings ist die Anzeige einer Mutter aktenkundig, die im Jahr 2003 beobachtete, dass sich Kinder im Spatzennest massierten. 2005 berichtete der "Spiegel" über eine angeblich allzu große körperliche Nähe zwischen Stefan S. und Spatzennest-Kindern. Daraufhin gab es einen "Runden Tisch" mit Jugendamt, Landesjugendamt und dem Spatzennest-Träger "Jugendhilfe Einrichtung Südwest" (JES). S. habe plausible Erklärungen geliefert, so die Behörden. Konsequenzen wurden nicht gezogen.

Sind seit 1993 im Spatzennest schlimme Dinge geschehen? Diese Frage schwebt damit - unabhängig von den jetzt angeklagten Vorwürfen - unausgesprochen über dem Kaiserslauterer Prozess. Ob es Antworten geben wird, steht dahin.

Nach bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gab es keine Übergriffe des S. gegenüber ehemaligen Worms-Kindern; drei von ihnen seien bei der Ferienfreizeit 2007 in Österreich vor Ort gewesen, so die Anklagebehörde: ein 17-Jähriger, ein 15-jähriges Mädchen und eine 19-Jährige; letztere habe - wie auch mehrere Mütter - als Helferin bei der Freizeit gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigener Aussage nicht zuletzt ehemalige Worms-Kinder nach etwaigem Fehlverhalten des S. befragt. "Die sagen aber nur Gutes über ihn", so die Anklagebehörde.

Nicht mehr in Haft

Ins Rollen gekommen waren die jetzt vor dem Landgericht anhängigen Vorwürfe durch einen Brief: Dem Leiter der Herberge in Österreich, in der die Ferienfreizeit - ausgeschrieben von der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde Ramsen - stattfand, war das Verhalten des S. merkwürdig vorgekommen. Im November 2007 begannen Ermittlungen, im Februar 2008 kam S. in Untersuchungshaft, die allerdings Ende Mai vom Oberlandesgericht Zweibrücken außer Vollzug gesetzt wurde. S. ist in Freiheit, darf sich aber weder privat, noch beruflich Kindern nähern.

Auf Computern des S. seien zwei Bilder "mit deutlich kinderpornografischen Tendenzen" gefunden worden, hatte die Staatsanwaltschaft im Februar mitgeteilt. S. habe den äußeren Ablauf der vorgeworfenen Handlungen eingeräumt, jegliche sexuelle Motivation jedoch bestritten und argumentiere, er habe aus medizinischer Fürsorge gehandelt.

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich 21 Fälle zur Anklage gebracht; Penetrationen mit Finger oder Penis hat es laut Ermittlungen nicht gegeben. In vier Fällen sah das Gericht jedoch kein strafbares Verhalten, in weiteren elf, in denen es auch um einen Darmeinlauf und Fiebermessen geht, forderten die Richter von der Staatsanwaltschaft Konkretisierungen und Nachermittlungen, die derzeit noch laufen. Somit erscheint es denkbar, dass auf den am Dienstag beginnenden Prozess - sechs angeklagte Fälle - später ein weiterer folgt. Für die jetzt zur Verhandlung anstehenden Vorwürfe sieht das Gesetz Haft zwischen 6 Monaten und zehn Jahren vor.

Das Gericht hat vorläufig acht Verhandlungstage terminiert und 16 Zeugen benannt, darunter auch die vier in der Anklage als Opfer verzeichneten Kinder. Sollte deren Vernehmung tatsächlich nötig werden, kommt die 1995 vom Mainzer Landgericht erstmals praktizierte und danach im Strafverfahrensrecht verankerte Video-Methode zum Einsatz: Der Vorsitzende Richter alleine befragt das Kind in einem separaten Zimmer, dieses Gespräch wird in den Hauptverhandlungssaal übertragen, in dem zu diesem Zeitpunkt die Prozessbeteiligten, aber keine Zuschauer sind.

Quelle: Wiesbadener Tagblatt, Autor: Reinhard Breidenbach

Unfassbar, wie dumm, oder gar korrupt, die Staatsanwälte eigentlich sind. Es ist allgemein bekannt, dass die Opfer der Wormser Prozesse massiv beeinflusst worden sind. Sie wurden unter anderem von Mitarbeitern krimineller Aufdecker-Vereine bis zu 30 Mal befragt und ihnen falsche Erinnerungen suggeriert. Diese Befragungen wurden alle einseitig - ausschließlich im Hinblick auf die Tatverdächtigen - geführt und so ein falsches Erinnerungsbild bei den Opfern geschaffen. Dass nun keine Erinnerungen mehr an eventuelle wahre Täter mehr vorhanden sein können, liegt auf der Hand.



Weiter so meine Herren Staatsanwälte, so klärt man Verbrechen auf.