Gespeichert von reichmann am Do, 15.05.2008 - 15:37:55
Kurioses am Rande des lang ersehnten Prozesses Sirny gegen
Wabl in Graz. Die letzte Verhandlung in Gleisdorf wurde - wie berichtet - wegen
des großen Medieninteresses vertagt und nach Graz in einen größeren
Verhandlungssaal verlegt.

Heute fand der Prozess am Landesgericht in Graz statt. Um dem großen Andrang Herr
zu werden, stellte man einen Gerichtssaal mit 44 Sitzplätzen zur Verfügung.

Heute wurde am Grazer Zivilgericht der Prozess fortgesetzt, den der gerechtigkeitsliebende, pensionierte Richter Martin Wabl in Zusammenhang mit der Kampusch-Entführung angestrebt hat. Der ehemalige Richter vertritt nach wie vor die Meinung, Natascha Kampuschs Mutter Brigitta Sirny soll an der Entführung beteiligt gewesen sein. Zum zweiten Prozesstag, wurden von Richter  zahlreiche Zeugen geladen, unter anderen Prof Max Friedrich (er hatte vor dem Verschwinden von Natascha Kampusch ein umstrittenes Gutachten erstellt), Vater Ludwig Koch, der Ex-Kripo-Mann Hofrat Geiger, sowie erstmals Natascha Kampusch. Der Kronzeuge vom pensionierten Richter Wabl, der Deutsche IT-Spezialist Vogel, der über umfassendes
Beweismaterial verfügen soll, hat nach eigenen Angaben jedoch keine Ladung bekommen.

Unter den Zeugen sind auch der ehemalige Wiener Spitzenkriminalist Ernst Geiger sowie Max Edelbacher, der Ex-Chef des Wiener Sicherheitsbüros, außerdem ein ehemaliger Geschäftspartner des Entführers Wolfgang Priklopil und eine Nachbarin der Familie Sirny-Kampusch. Ein sofortiges Urteil ist eher nicht zu erwarten, weil das Urteil in Zivilverfahren meist schriftlich ergeht.

 

Die Skandale rund um diese Causa mehren sich und lassen
immer mehr Spielraum für Spekulationen. Vor allem die Zusammensetzung der
Aktivisten spricht für sich.

Jack Unterweger.

1994 gab es einen ähnlich spektakulären Fall in Graz,
allerdings am Straflandesgericht. Damals ging es um den mutmaßlichen
Serienkiller Jack Unterweger, der nach langen Ermittlungen in einem höchst
umstrittenen Verfahren verurteilt wurde, Rechtsmittel anmeldete und sich in der
folgenden Nacht in seiner Zelle erhängte.

In diesem Fall waren ebenfalls die beiden Kriminalisten
Ernst Geiger und sein Kollege Max Edelbacher tätig. Auch eine andere bekannte
Persönlichkeit taucht in diesem Verfahren erstmals breit in der Öffentlichkeit
auf: Kriminalpsychologe Dr. Müller, der sich nach einem Kurs beim FBI mit
Täterprofilen beschäftigt.

Als Beispielfall wurde von den FBI-Spezialisten damals der
Fall Jack Unterweger verwendet, um an diesem Verdächtigen ein Täterprofil zu
erarbeiten. Selbstverständlich ist das nur als Schulungsunterlage zu sehen und
wurde auch vom FBI damals dezidiert so festgehalten. Trotzdem profilierte sich
Dr. Müller damals mit diesem Täterprofil und wurde beim Verfahren verwertet.  

Als kleine Anmerkung zu diesem Skandalverfahren soll nicht
unerwähnt bleiben, dass Jack Unterweger damals in Graz auch wegen der Ermordung
von zwei Prostituierten in den USA verurteilt wurde, obwohl in Miami für eine
Anklage nicht genug Beweise vorhanden waren. Die Mörder der beiden
Prostituierten in den USA wurden jedoch mittlerweile verurteilt. So viel zu den
Ermittlungen diesen Teams.

Ein damals erschienenes Buch wurde auf Antrag von Ernst
Geiger per einstweiliger Verfügung gerichtlich eingezogen, weil unter anderem
behauptet wurde, dass er gute Beziehungen zum Rotlicht-Milieu haben soll.  

Beim Bomber Franz Fuchs trat dieses Team wieder in Erscheinung.
Kriminalpsychologe Müller verfasste verschiedenste Täterprofile, die einmal von
einer Gruppe sprachen, dann wieder von einem Einzeltäter.  

Fachlich bedenklicher Gutachter:

Aber auch der Sachverständige Prof. Max Friedrich muss sich
so einiges gefallen lassen. In zahlreichen, wieder aufgenommenen Strafverfahren
muss sich der medienpräsente „Stargutachter“ immer öfter den Vorwurf gefallen
lassen, dass seine Gutachten keinesfalls den erforderlichen Standards
entsprechen und dass seine Befragungsmethoden äußerst beeinflussend und
keinesfalls korrekt sind.

Verhandlung im kleinen Kreis:

Abschließend stellt sich nun die Frage, warum für ein derart
spektakuläres Verfahren ein so kleiner Verhandlungssaal gewählt wurde. Von
einer öffentlichen Verhandlung kann so keinesfalls gesprochen werden. Die breite
Öffentlichkeit wird von einer kleinen handverlesenen Mediengruppe informiert.

Warum das alles so eingerichtet wird und warum vor allem wichtige Zeugen keine Ladung bekommen bleibt an dieser Stelle ungeklärt.