Gespeichert von reichmann am Do, 17.02.2011 - 23:12:05

Unschuldig hinter GitterDie Sexfantasien einer 16-Jährigen brachten Großeltern, Richter und Architekten hinter Gitter. Zu Unrecht. Wieder einmal ha die Unfähigkeit  der "Fachleute" eine ganze Familie zerstört.

Opfer eines Pornorings sei sie gewesen. Der Opa als treibende Kraft, zwei Nachbarn dabei. Die Oma habe Geld für Sex verlangt. Eine oberösterreichische Psychiatriepatientin, 16, behauptet, seit ihrer Kindheit sexuell gefoltert worden zu sein.

Die Grazer Großeltern, sowie ein pensionierter Richter und ein Architekt wurden Anfang September 2010 festgenommen und fünf Wochen in U-Haft gehalten: unter dringender Tatbegehungsgefahr. Doch der Pädophilievorwurf löst sich in Luft auf. Die Justiz wird wegen dieser rigorosen Vorgangsweise gegen unbescholtene Bürger jenseits der 70 angreifbar und klagbar.

Der Staatsanwaltschaft Wels liegt jetzt das Sachverständigengutachten von Psychiaterin Heidi Kastner vor, das dem Mädchen anhand der Fakten und Einvernahmen die Glaubhaftigkeit abspricht. Es wird nicht angedeutet, die Jugendliche lüge bewusst. Es gehe um Pseudo-Erinnerungen und Sexualfantasien, die das Mädchen bei der ärztlichen Therapie aufgebaut habe. Das bedauernswerte Mädchen ist nach Auskunft von Werner Schöny, Chef des Wagner-Jauregg-Spitals Linz, höchst suizidgefährdet.

Herzstillstand

Opfer gibt es auch auf der Beschuldigtenseite. Denn der Architekt, 76, hatte vor Aufregung in der Haftanstalt einen Herzstillstand, musste reanimiert werden und kann seither weder seinen Computer bedienen noch allein aufs Klo gehen. Der Richter macht einen Spießrutenlauf durch die Grazer Society. Im Gefängnishof wurde "der Kinderschänder" mit rohen Eiern beworfen. Die Großeltern des Mädchens leiden, die Familie brach im Streit auseinander.

Was lief schief bei der Justiz? Der Grazer Strafrechtsprofessor und Ex-Oberstaatsanwalt Heimo Lambauer hat Aktenkenntnis: "Es ist gut, dass Ermittlungen ohne Ansehen der Person geführt werden. Aber mit der U-Haft ist man weit über das Ziel geschossen." Man hätte im Umfeld der Beschuldigten sorgsamer erheben müssen. Hausdurchsuchungen hätten nichts ergeben, obwohl das Mädchen behauptet habe, alles sei gefilmt worden.

"Falsche Fährten"

Der Anwalt des Richters, Wolfgang Moringer, kritisiert: "Es sind im Zusammenwirken ärztlicher Institutionen eklatant falsche Fährten gelegt worden." Im Ludwig-Boltzmann-Institut Graz sei fälschlich behauptet worden, der genitale Befund des Mädchens decke sich mit der Verdachtslage. Im Wagner-Jauregg-Spital seien Ärzte den Missbrauchsbehauptungen zu leicht und distanzlos aufgesessen.

Klinikchef Werner Schöny steht hinter seinen Mitarbeitern. "Wir würden wieder so handeln und den Verdacht zur Anzeige bringen. Die Beweisführung ist ein anderes Thema, die liegt bei der Justiz." Schöny räumt jedoch ein, "dass ein behandelnder Arzt überengagiert war".

Kurier | Ulrike Jantschner | INHR