Gespeichert von LittleBuddha am Do, 19.04.2007 - 11:19:12

Kind verhungertAndreas, das Pflegekind, hat die Hölle schon hinter sich. Schuld sind nicht nur die familiären Verhältnisse, Schuld war auch das Jugendamt. Mit knapp einem Jahr wurden Andreas und seine beiden Brüder vom Amt mit Zustimmung der Mutter zu Pflegeeltern gegeben. Angeblich kümmerte man sich dort vorbildlich um die Kinder.

Tatsächlich aber wurden sie acht Jahre fast ausschließlich mit Wasser und Brot ernährt, tagsüber im Bett gehalten und körperlich gequält. 1999 starb der jüngere Bruder von Andreas an den Folgen der Misshandlung.

Der damals neunjährige Andreas wiegt bei seiner Befreiung durch die Polizei soviel wie ein zweijähriges Kind. Kein Jugendamt, keine Nachbarn und keine Verwandten hatten sich bis dahin um die Zustände gekümmert.

Der Junge ist seitdem von einem Kinderheim ins nächste weiter gereicht worden, denn niemand kommt mit den Folgen seiner Misshandlung zurecht. Obwohl Lehrer ihm eine gute Intelligenz bescheinigen, kann er aufgrund der seelischen Qualen keinem Schulunterricht folgen und flippt regelmäßig aus.

Alle paar Wochen trifft er sich wieder mit seiner leiblichen Mutter. Die Sehnsucht nach zärtlichen Gefühlen ist größer als sein Hass, doch dann zerbricht auch diese Illusion von einer liebenden Mutter endgültig.

Peter Moers und Frank Papenbroock haben den heute sechszehnjährigen Andreas bei seinem Kampf um ein besseres Leben begleitet.

Ein Film von Peter Moers aus der Sendereihe "Menschen Hautnah"


Kommentar:

Auch in Österreich hat es bereits versagende Pflegeeltern gegeben. Erst kürzlich ereilt uns eine Meldung aus Oberösterreich. Ein Pflegekind im Alter von 1 1/2 Jahren hat sich den Arm gebrochen. Wo waren die Pflegeeltern? Doch diese Schicksale stehen in keiner Zeitung oder werden breit im Fernsehen vorgeführt. Sie sind leise wie der Tod und sie werden stillschweigend durch die Jugendwohlfahrt abgehandelt, wenn sie entdeckt wurden.

Auf der Strecke bleiben in jedem Fall die Kinder und es stellt sich wiedereinmal die Frage der Qualitätsstandards. Wir alle würden eine Gleichberechtigung zwischen Pflegekindern und denen erwarten, die bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können.

Eigentlich sollte die Fremdunterbringung das Kindeswohl schützen und eine Besserung für das Kind oder den Jugendlichen selbst bedeuten. In Wirklichkeit haben diese Kinder aber meist geringe Chancen.

Für Andreas gibt es keinen Platz im System und das System scheint keine Plätze für derartiges Versagen vorgesehen zu haben. Das System erwartet aber Perfektion. Etwas das gar nicht existiert wird in einer merkwürdigen Art und Weise zelebriert.

Ob Andreas Anspruch auf Entschädigung hat bleibt offen. Der heute 16 jährige hat jedenfalls keine Chance mehr auf ein selbständiges Leben. Trotz seines Rechtes auf den Schutz seines Kindeswohls hat das System trotz Eingreifen versagt. Was bleibt ist ein junger Mensch und die Frage des Warum.


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