Submitted by LittleBuddha on Fr, 24.08.2007 - 13:48:02

Wenig im Griff haben, dürften die Erzieher des „Franz-Staufer-Hof“ ihre Schützlinge. Zwei Buben im Alter von 15 und 16 Jahren unternahmen kürzlich eine deftige Spritztour ins 230 km entfernte Hinterbrühl, um die ehemalige Kinderdorfmutter von Bargeld und Gutscheinen zu befreien. Erst verschafften sich die beiden Burschen mit einem Brecheisen Zugang zum Büro des Heimleiters Ludwig Hanny, um anschließend das Dienstzimmer ihrer Erzieher zu räumen. Die Beute von rund Euro 1000,00 wurde anschließend für eine Spritztour mit Bahn und Taxi investiert.

In Hinterbrühl angekommen, folge der nächste Streich. Die ehemalige SOS Kinderdorfmutter der beiden war gerade auf Urlaub. So ergaunerten die bereits kriminell veranlagten Kids weitere 100 Euro Bargeld und Lebensmittel-Gutscheine im Wert von 600 Euro.

Immer wieder geraten Kinder und Jugendliche, aus Trägern der Freien Jugendwohlfahrt, wegen Eigentumsdelikten, Drogenmissbrauch und Gewalttätigkeiten direkt vom Heim ins Gefängnis. Roland Reichmann vom Int. Network of Human Rights kennt die Spitzenreiter und spart nicht mit Kritik »Egal ob Lebensraum Heidlmair oder SOS Kinderdorf, wir kritisieren bereits seit langem die mindere Qualifikation der dortigen Erzieher«

Am Fallbeispiel eines 8-jährigen Buben aus Kärnten erläutert Reichmann das Fiasko »Dieses Kind befindet sich seit zwei Jahren in Betreuung der Lebensraum Heidlmair GmbH Kremsmünster und dort kassiert man tausende von Euro pro Monat. Doch der Junge hat schon lange einen Stillstand in seiner Entwicklung erlebt. Die verantwortliche Sozialarbeiterin am Jugendamt des Magistrat Klagenfurt interessiert sich nicht und ihre Vorgesetzte „SPÖ Amtsmandatarin Gaschler“ erst recht nicht«

Laut Christine Gaschler-Andreasch, ihres Zeichens Unteramtsleiterin der Kärntner Landesregierung, Abteilung Jugend und Familie, gibt es keine Missstände. Mehrerlei Berichterstattungen über die Heimanlagen der von Reichmann kritisierten Lebensraum Heidlmair GmbH, sprechen allerdings eine andere Sprache. Alkoholisierte Jugendliche die Erzieherinnen attackieren, Kinder die eine Feuersbrust in der angrenzenden Kirche planen und der Vorwurf von ehemaligen Heimkindern, die offenbar mit Dauerarrest im Zimmer gebändigt wurden.

Besonders auffällig scheint aber das SOS Kinderdorf Pinkafeld. Ein prügelnder Dorfleiter, heimliche Personalrochaden und Kids die im SOS Kinderdorf mit Koks hantieren sollen, geben Anlass zur Sorge. Dazu Reichmann »Immer wieder erreichen uns Beschwerden von Eltern, deren Kinder dort untergebracht sind. Im SOS Kinderdorf Moosburg hat man sogar versucht ein Mädchen für den Gutachter gefügig zu machen. Jetzt leidet die 10-jährige unter Ess-Brech-Sucht und will nur noch mit ihrer Mama reden. Den Dorfpsychologen lehnt das Kind kategorisch ab und fühlt sich verraten und verkauft«

Bei SOS Kinderdorf Österreich in Innsbruck will man von diesen Vorfällen nichts wissen. Nachdem die ausführende Jugendhilfe Sache der Länder ist, kann auch das zuständige Ministerbüro von Andrea Kadolsky (ÖVP) nichts machen. Pressesprecher Beilein »Wir können bei der zuständigen Fachaufsicht allenfalls eine Überprüfung anregen, wie dies im Fall der Beschwerdeanträge durch www.INHR.net geschehen ist. Es gilt aber nicht einmal die Berichterstattungspflicht an das Ministerium. Deshalb sind uns die Hände gebunden«

Immer wieder geraten also Heime und Kinderdörfer ins Kreuzfeuer der Kritik. So soll das Kinderheim Treffen in Kärnten seinen Schützlingen gar verschimmeltes Essen servieren. Für Gaschler (SPÖ) unvorstellbar »Wir haben das Heim vom Dachboden bis zum Keller überprüft und keine Beanstandungen gefunden. Natürlich sind gerade katholische Kinderheime äußerst sparsam«

Unterdessen plant Bundesministerin Kadolsky eine Reform des Jugendwohlfahrtsgesetzes. Demnach sollen sämtliche Einrichtungen die mit Kindern und Jugendlichen zutun haben, also Kindergärten, Schulen und Tagesmütter, ein direktes Berichterstattungsrecht an das zuständige Jugendamt bekommen.

Für Patricia Göller der Weg in die totalitäre Staatskontrolle »Schon jetzt leben über 20.000 Kinder und Jugendliche im Heim oder bei Pflegeeltern. Die leiblichen Eltern dieser Kinder werden sprichwörtlich abgenabelt. Besonders schlimm ist die Situation zwischen den Pflegeeltern und Herkunftsfamilien. Eifersucht, Ausgrenzung und sogar Besitzanspruch auf das pflegende Kind, bringen viele leibliche Eltern zur Weißglut«

Die Initiatorin von http://www.sorgentreff.at/ fordert daher die Bestärkung der sozial schwachen Familien und eine intensive Betreuung während der Fremdunterbringung des Kindes »Die Rückführung in das Herkunftssystem muss oberste Priorität haben. Es kann nicht sein, dass Eltern über Jahre hinweg um ihr Sorgerecht bei Gericht kämpfen müssen, während die Kinder beispielsweise im SOS Kinderdorf total entfremdet werden«

Damit spielt Göller auf ein altleidiges Problem und gibt Reichmann Recht »Ich muss immer wieder bei Besuchskontakten die ich begleite feststellen, dass sich die betroffenen Kinder sogar rückentwickeln, stehlen lernen und gewaltbereites Auftreten zeigen, was zuvor bei den leiblichen Eltern nicht der Fall war.«

Kinder und Jugendliche fallen immer wieder in ihre Verhaltensmuster zurück. Das berichtet auch Alexandra in ihrem Weblog als SOS Kinderdorfmutter, nachdem sie aus ihrem Ägypten-Urlaub (ohne ihre Kinder) zurückgekehrt ist. Ein Sozialarbeiter aus Innsbruck kennt diese Problematik »Die Fremdunterbringung ist ein Mittel auf Zeit, damit die Kinder und Jugendlichen bis zur Volljährigkeit auch ohne Eltern betreut werden. Erfolge lassen sich nur selten erkennen und viele landen mit 18 oder 20 auf der Anklagebank«

Der verantwortliche Leiter des „Franz-Staufer-Hof“ war übrigens zu keiner Stellungnahme bereit. Die beiden Jugendlichen sitzen zwischenzeitlich in U-Haft und warten jetzt auf ihren Prozess.

Quelle: Nachrichtenmagazin Xlarge

Gespeichert von Lilly (nicht überprüft) am/um Do, 08.09.2016 - 02:25:22

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sicher, es gibt sehr schlecht geführte Heime, Erzieher die miserabel bezahlt werden( und vielleicht nichtmal ihr Geld wert sind) - vieles ist möglich. Doch Generalisierungen helfen nicht weiter. Fakt ist, wir haben Gesetze, das Wohl des Kindes hat einen hohen Rang und der Staat lässt sich die Erziehung von Kindern sehr viel Geld kosten. Heimplätze sind sehr teuer, niemand kann ein Interesse daran haben, Kinder aus funktionierenden Elternhäusern zu rauben um sie im Heim zu Verbrechern auszubilden. Kinder die in Heimen landen, haben sehr schlimmes erlebt. Sie sind mehrfach traumatisiert, entwurzelt, verzweifelt, unverstanden, manchmal entwicklungsverzögert, nicht selten erscheinen sie bösartig, aggressiv, bedrohlich. Die Eltern sind manchmal süchtig, psychisch krank, zerstritten, überfordert. Nun kann ein Jugendamt nicht zaubern, sondern muss versuchen, mit begrenzten Mitteln diese inhomogene Gruppe von Menschen zufriedenstellen, die sich zunächst gegenseitig misstrauen. Die wenigsten Eltern und die wenigsten Kinder kommen mit der offenen Frage zum Sozialarbeiter: Lieber Sozialarbeiter, wie kann ich mein Sozialverhalten, meine Ausdrucksweise, meinen Lebensstil, meinen Bildungsstand, so verbessern, dass mich die Mitmenschen annehmen können und was kann ich dazu beitragen, dass es in diesem Land mehr Liebe Mitgefühl und Miteinander gibt. Im Gegenteil - die Frauen hassen ihre Männer, die Kinder das Jugendamt usw. Diesen Zirkus zu ordnen ist sehr sehr schwierig wenn nicht unmöglich. Die Schuld bei einem anonymen Amt oder einem unfähigen Erzieher zu suchen ist zwar naheliegend, aber das Problem ist wesentlich größer. Ihre Sichtweise ist so ähnlich, wie wenn sie den Briefträger für den Inhalt ihrer Post  verantwortlich machen. In unserer merkwürdigen Welt haben wir total verlernt, soziale Systeme für das gesunde Wachstum zu gestalten, möglicherweise gab es noch gar kein System und es ist die Aufgabe der Gegenwart und der Zukunft, ein Gemeinwesen zu gestalten, welches nicht die halbe Welt verhungern lässt, während ein paar Leute vor Lauter Überfluss ebenfalls depressiv werden.

Wer bei uns nicht gut funktioniert, benötigt staatliche Hilfen. Die gesellschaftlichen Strukturen sind sehr  tiefgreifend verwundet. Eine Familie kann heutzutage keine Mütter, keine bedürftigen Angehörigen, mitziehen, nicht einmal  unseren eigenen Kindern können wir  für eine unbeschwerte Eintwicklung bieten ein Nest bieten.

Zwischemenschliche Konflikte, behinderte, alte  und kranke Menschen, treiben die heutige Familile in den Ruin, fressen all das Vermögen auf, zersplittern die Familie. Denn es gibt kaum Reserven  - weder zeitlich noch finanziell - ein Leben am Limit - trotz Überflussgesellschaft ist das Abrutschen ins soziale Aus für allzuviele Menschen heute vorstellbar.

Sobald ein Kind nicht singend und tanzend das Abitur schafft, wird es schon zum Problemfall deklariert und bekommt eine Diagnose. Die Eltern hoffen auf ein Fremdwort, welches ihnen zumindest keine Unfähigkeit attestiert, sondern dem Kinde ein hirnorganisches Symptom  unterstellt.  Das bringt erstmal scheinbare Erleichterung, aber es nützt eigentlich garnix.

Die Menschen sind der Materie verfallen, fürchten ums Überleben, viele können sich ohne staatliche Hilfe nicht ernähren, Überhaupt müssen viel zu viele Menschen fremdbestimmt arbeiten um Leben zu können.  Die Medien gaugeln uns ein Leben vor, wo ausschließlich Konsumieren glücklich macht.  Kaum mehr ein Kind lernt, dass im Gras liegen und auf Bäume klettern, fangen spielen, und den Eltern helfen, ausreicht, um zufrieden zu sein. Wir sind leider weit davon entfernt, ein soziales, seelig machenedes Gemeinwesen zu haben. Die Dramen spiegeln sich im Zusammenbruch der Familien wieder.

Gottseidank wächst gerade überall ein neues  Bewußtsein,  dass es nötig ist, allen Menschen in der Gesellschaft das Gefühl zu geben, richtig, geliebt, willkommen und gebraucht zu werden, - alles andere ist nur Symptombehandlung - die zwar nötig ist, aber eben viel zu kurz greift.

Lg Lilly