Gespeichert von reichmann am Di, 19.04.2011 - 22:43:19

Richterin vor GerichtIn die Testamentsaffäre kommt Bewegung. Gegen die suspendierte Feldkircher Richterin Kornelia Ratz wird Anklage erhoben.

Nun ist die lange Zeit des Wartens endlich vorbei. Diese Ungewissheit war für meine Mandantin nicht leicht zu ertragen. Seit der Einvernahme vor einem Jahr bis zu dieser Entscheidung ist über ein Jahr vergangen", sagt Bertram Grass, der Anwalt der suspendierten Richterin und Vize-Präsidentin des Landesgerichts Feldkirch Kornelia Ratz.

Ratz ist die prominenteste von mehreren Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft Steyr nach monatelangen Ermittlungen im Fall der Testamentsfälschungen im Bezirksgericht Dornbirn in den kommenden Tagen Anklage erheben wird: wegen Amtsmissbrauchs, Urkundenfälschung und -unterdrückung.

Die Richterin soll von den Fälschungen gewusst haben und Mitarbeiter, die diese Manipulationen vornahmen, angewiesen haben, auch zu ihrem Vorteil zu betrügen.

Schwer belastet wird Ratz vom Hauptverdächtigen und mutmaßlichen Drahtzieher der Causa, Jürgen H.. Die Richterin soll zu Gunsten ihrer Familie eine Testamentsfälschung in Auftrag gegeben haben. Dadurch hätten ihre Mutter und Tante mehrere Liegenschaften in Lustenau geerbt.



Dazu soll Ratz auch beim ehemaligen Bürgermeister Hans-Dieter Grabher interveniert haben. In einem Brief habe sie ihn aufgefordert, seinen Erbanteil auszuschlagen. Es sei im Jahr 1944 nicht im Sinne des Erblassers gewesen, dass Grabhers mittlerweile verstorbene Mutter einen Teil des Nachlasses bekommt.



Darüber hinaus soll Ratz einer weiteren Person 20.000 Euro übergeben haben, damit diese ebenfalls auf das Erbe verzichtet.



Die Richterin wies die Anschuldigungen stets als Intrige zurück. "Meine Mandantin bestreitet die Vorwürfe. Sie hatte keine Veranlassung, jemanden anzustiften, und wusste nicht um die Machenschaften am Gericht", betont Grass. Außerdem habe sie selbst mehrere Fälschungen angezeigt.



Ebenso wegen Amtsmissbrauch werden in diesem Fall drei Rechtspfleger und ein Justizbediensteter belangt. Sie gelten auch in anderen Fällen als Involvierte.

In den anderen Fällen der Affäre wird im Landesgericht Feldkirch "mit Nachdruck" gearbeitet, versichert Sprecher Heinz Rusch. Insgesamt wird gegen 13 Verdächtige in rund 20 Verlassenschaftsverfahren ermittelt - fünf davon sind Justizangehörige. Der Schaden dürfte mehrere Millionen Euro betragen.

KURIER | Simone Stecher