Gespeichert von reichmann am Di, 24.08.2010 - 23:23:19

Landesgericht KlagenfurtEin Klagenfurter Pädagoge ist zu 7,5 Jahren Haft verurteilt worden, weil er Nachhilfe-Schülerinnen missbraucht haben soll. Ein Tiroler bekam zwei Jahre Haft, weil er sich an einem Nachbarsmädchen vergangen hat.

In Innsbruck und in Klagenfurt sind heute zwei Männer wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Ein Klagenfurter Pädagoge wurde bereits zum dritten Mal in der selben Causa verurteilt. Er bekam 7,5 Jahre Haft, weil er fünf Nachhilfeschülerinnen zwischen zehn und 14 Jahren missbraucht haben soll. Ein 42-jähriger Tiroler bekam zwei Jahre Haft, davon acht Monate unbedingt, weil er ein siebenjähriges Nachbarsmädchen sexuell missbraucht haben soll.

Das Innsbrucker Schöffengericht sprach den Mann schuldig, vergangenen November zweimal sexuelle Handlungen durchgeführt zu haben, während er auf das Kind aufgepasst hatte. Er wurde auch wegen des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses verurteilt. Der Mann legte Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde ein, das Urteil war vorerst noch nicht rechtskräftig.

Untypisch für derartige Verfahren sei die Art, wie die Vorfälle aufgeflogen seien, sagte Richter Norbert Hofer nach dem Schuldspruch. Der Angeklagte sei zur Mutter des Kindes gegangen und habe ihr erzählt, dass das Mädchen einmal auf sein Geschlechtsorgan gegriffen habe. "Das ist eine Schutzbehauptung und könnte man auch als Flucht nach vorne bezeichnen", meinte der Vorsitzende zu dem körperlich behinderten Mann.

Mädchen aussagekräftig

Der Schöffensenat glaube dem Kind, das die beiden Vorfälle geschildert hatte, erklärte Hofer. Bereits im Eröffnungsplädoyer hatte Staatsanwältin Karin Draschl darauf hingewiesen, dass das Mädchen zu den Übergriffen genaue, differenzierte Angaben gemacht habe und diese deshalb glaubwürdig seien. Ein Gutachter erkannte die Siebenjährige als aussagefähig. Draschl gab nach der Urteilsverkündung kein Erklären ab.

Beim Prozess gab der 42-Jährige an, dass er an den beiden Wochenendtagen mit dem Mädchen etwas unternommen hatte. Die Mutter hatte gearbeitet und ihn gebeten, abends mit dem Kind schlafen zu gehen, weil es nicht alleine sein könne. "Mir wurde noch nie vorgeworfen, dass ich Kindern zu nahe gekommen war", meinte der bis dahin Unbescholtene. Er wisse nicht, weshalb die Siebenjährige derartiges behaupte. Er habe der allein erziehenden Mutter damals in ihrer schwierigen Situation geholfen. Die 36-Jährige sei im Frühjahr 2009 arbeitslos gewesen und habe finanzielle Schwierigkeiten gehabt.

Zwei Tage nach den Vorfällen hätten eine Nachbarin und die Mutter schließlich an seiner Tür geläutet. Die Nachbarin, die normalerweise auf die Siebenjährige aufgepasst hatte, beschimpfte den Mann. Sie meinte, er wisse schon worum es gehe. Am nächsten Tag habe der 42-Jährige einen anonymen Anruf auf seinem Handy gehabt. Darauf habe ihn eine männliche Stimme als "pädophil" beschimpft. Die Mutter hatte während der Verhandlung gegenüber dem Vorsitzenden zum Teil andere Angaben gemacht.

Lehrer verging sich an Schülern

Auch in Klagenfurt ist ein Lehrer wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu 7,5 Jahren Haft verurteilt worden. Der Schöffensenat verfügte zudem die Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von 2002 bis 2007 hat der Mann laut Anklage fünf Nachhilfeschülerinnen missbraucht, die Mädchen waren zehn bis 14 Jahre alt. Der Gutachter hatte dem Angeklagten zwar eine Persönlichkeitsstörung attestiert, er sei aber zurechnungsfähig. Der Pädagoge zeigte sich vor Gericht geständig, es sei ihm auch klar, dass er eine Therapie brauche, meinte er. Trotzdem legte sein Anwalt gegen das Urteil neuerlich Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde ein. Auch der Staatsanwalt will berufen.

In den ersten beiden Prozessen lauteten die Urteile neun bzw. acht Jahre Haft, beim zweiten Mal wurde auch die Einweisung verfügt. Der Oberste Gerichtshof hob die Urteile beide Male auf und verwies die Causa ans Erstgericht zurück. Aufgrund der langen Verfahrensdauer reduzierte Richterin Sabine Rossmann das Urteil auf siebeneinhalb Jahre, eine geringere Strafe sei wegen der Schwere der Delikte nicht möglich.

(APA)