Gespeichert von reichmann am Sa, 30.10.2010 - 15:43:55

RitalinIn den USA gibt es einer Studie zufolge eine Million Kinder mit der Fehldiagnose Aufmerksamkeitsdefizit. Pillen wie Ritalin wurden häufig eingesetzt. Auch in Deutschland und Österreich gibt es tausende Fehldiagnosen, die Kinder in die Sucht treibt.

Für Aufregung sorgt eine aktuelle Studie in den USA: Hier wurden Kinder, die zu früh eingeschult wurden, fälschlich mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert. Um sie ruhigzustellen, bekamen sie Pillen wie Ritalin. "Da sieht man, dass die Unreife von zu jungen Kindern fehldiagnostiziert wurde", sagt KURIER Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger. "Auch bei uns passieren Fehldiagnosen, aber bei uns geht man etwas seriöser vor als in den USA."



"Ich warne davor, dass man Kinder, die Konzentrationsschwächen haben und impulsiv sind, in die Kategorie ADHS schiebt. Es ist ihr Anrecht, nicht immer konzentriert und impulsiv zu sein", sagt Kinderpsychiater Univ.-Prof. Max Friedrich von der MedUni Wien. "In den USA ist man leichtfertiger im Verschreiben von Medikamenten. Ich bin da rigide, weil manche Entwicklungen sich auswachsen." In Österreich gelten drei bis fünf Prozent der Kinder als ADHS-anfällig. Der erwähnten Studie zufolge gibt es in den USA vermutlich eine Million Kinder mit falscher ADHS-Diagnose.

Schwankungsbreiten

"Es gibt große Schwankungsbreiten zwischen Kindern. Ihre Einschulung sollte nicht nach dem Alter, sondern nach ihrem Entwicklungsstatus gezogen werden", sagt Leibovici-Mühlberger. "Man darf den Kindern nicht gleich einen Stempel aufdrücken, denn vieles ist entwicklungsbedingt. Ansonsten hat das eine selbsterfüllende Prophezeihungswirkung und die Kinder benehmen sich so, wie es von ihnen erwartet wird."