Gespeichert von reichmann am Mo., 12.05.2014 - 12:41:57

Transsexuell empfindende Personen leiden an schweren innerpsychischen Konflikten, häufig verbunden mit der Ablehnung des eigenen geschlechtlichen Selbst (des Mädchenseins, des Jungeseins) und mit Depressionen. Viele Therapeuten haben keine entsprechende Ausbildung, um diese tiefen und schweren Konflikte aufdecken zu können. Stattdessen werden Operationen als beste, vielleicht sogar als einzige Lösung vorgestellt. Die Tatsache, dass Operationen zur Verfügung stehen, führt Patienten, die in den Operationen die Lösung sehen, dazu, einen hohen Widerstand gegen eine Therapie aufzubauen. Die Verfügbarkeit von Operationen kann Patienten und Therapeuten davon abhalten, gemeinsam in Ruhe an einer psychotherapeutischen Lösung zu arbeiten: am Narzissmus, an der Wut und an der Unfähigkeit des Patienten, die Realität des eigenen Geschlechts anzunehmen.

Nach den Operationen wird eine therapeutische Behandlung der seelischen Probleme noch schwieriger. Der Psychoanalytiker Charles Socarides äußerte: „Es gibt keinen Beleg dafür, dass eine Geschlechts­identitätsstörung – also eine Geschlechtsidentität im Widerspruch zur anatomischen Struktur – angeboren ist. Jeder Versuch, chirurgisch eine Veränderung zu erreichen, nimmt dem Betroffenen die Chance, seine psychischen und psychosexuellen Probleme zu überwinden.“33

Von Interessensgruppen, die sich für die chirurgischen Eingriffe einsetzen, wird „Geschlechts­identitätsstörung“ definiert als „ein Zustand, in dem eine Person aufgrund ihres Geburtsgeschlechts ein bestimmtes Geschlecht zugewiesen bekam; diese Person sich dann aber mit dem anderen Geschlecht identifiziert, erheblichen Stress darüber empfindet und auch nicht in der Lage ist, damit zurechtzukommen. In der Klassifikationsliste psychischer Störungen beschreibt dies die Probleme bei Transsexualität, Transgender-Identität und seltener bei Transvestitismus. Meist wird die Diagnose Transsexualität gestellt. Kernsymptom ist bei allen eine Geschlechtsdysphorie, ein Unbehagen mit dem zugeordneten Geschlecht.“34

Impliziert wird hier, dass die auf der Grundlage eines eindeutigen biologischen Geschlechts erfolgte Zuordnung als Junge oder Mädchen falsch war und korrigiert werden sollte.

Glauben Menschen, die die Operationen anstreben, wirklich, dass ihre Geschlechtszuordnung bei der Geburt falsch war, obwohl es dafür keine biologischen Hinweise gibt? Der Psychiatrieprofessor Sander Breiner hebt hervor, dass diese Fehlwahrnehmung des eigenen Selbst an sich schon eine psychische Störung ist:

„Wenn ein Erwachsener mit normalem Aussehen und normaler Funktionsfähigkeit im Alltag meint, an ihm sei etwas so Hässliches oder grundlegend Fehlerhaftes in seinem Aussehen, dass es verändert werden müsse, dann liegt hier ein nicht unbedeutendes psychisches Problem vor. Je allgegenwärtiger und umfassender diese Fehlvorstellung von sich selbst ist, desto bedeutender ist das psychische Problem. Je mehr der Patient gewillt ist, ausgedehnte chirurgische Eingriffe, die zerstören, über sich ergehen zu lassen, desto schwerwiegender ist das psychische Problem. Es muss keine Psychose sein. Eine stationäre psychiatrische Behandlung mag auch nicht erforderlich sein. Doch das Ausmaß des psychischen Problems wird nicht verringert durch die Tatsache, dass der Patient in anderen Bereichen scheinbar sozial und beruflich erfolgreich ist.“35

Wenn Betroffene glauben, sie seien im falschen Körper gefangen, dann meinen sie damit in Wirklichkeit oft: Würden sie zum anderen Geschlecht gehören, wären sie glücklicher, fühlten sich sicherer, mehr akzeptiert, mehr wertgeschätzt und mehr geliebt – was aber nicht dasselbe ist. Die Auffassung einer Person, ihre Probleme wären gelöst, wenn sie sich den Operationen unterzieht, ist eine fixe Idee, ein Zwang, der ihr Denken beherrscht, sich aber Beweisen entzieht. Aus verschiedenen Gründen, die mit ihrer Lebensgeschichte zu tun haben, glauben die Betroffenen, dass die Operationen sie glücklich machen werden. Sie sind deshalb gewillt, alles zu tun, um sich für die Operationen zu qualifizieren.

Die hohe Intensität des Wunsches nach Veränderung gilt als Beleg dafür, dass der Betroffene wirklich „im falschen Körper“ steckt. Einige Männer mit Operationswunsch äußern: „Ich bringe mich um, wenn mir die Operation verweigert wird.“ Oder „Ich kastriere mich selbst.“ Einige haben das tragischerweise in die Tat umgesetzt. Suizidwünsche und Selbstverletzung/Selbstverstümmelung sind aber Symptome psychischer Erkrankungen. Therapeutisch sollte untersucht werden, ob betroffene Menschen einen irrationalen Ekel gegen ihre eigenen Geschlechtsorgane oder gegen andere geschlechtsspezifische körperliche Merkmale haben und ob der Wunsch nach den Operationen mitbegründet ist durch fantasiegesteuertes sexuelles Begehren, die Geschlechtsorgane des anderen Geschlechts besitzen zu wollen.

Der Psychoanalytiker Charles Socarides behandelte einen jungen, transsexuell empfindenden Mann, der von seinem Vater zur Therapie gezwungen worden war. Der junge Mann gab an, im Alter von sieben bis vierzehn Jahren vom älteren Bruder sexuell missbraucht worden zu sein. Er äußerte den starken Wunsch nach einer Vagina und sagte: „Für eine Veränderung würde ich alles geben. Wer eine Vagina hat, kann andere kontrollieren. Er kann sie sexuell kontrollieren. Diese Vorstellung fasziniert mich, und es fasziniert mich, eine solche Vagina einzusetzen. Ich glaube, ich habe Angst vor analem Verkehr. Mit einer Vagina wäre das Problem gelöst, und es würde mir keinen körperlichen Schaden zufügen; aber durch analen Verkehr mit Männern habe ich schon Schaden erlitten.“36


33 Socarides, Charles W., The Desire for Sexual Transformation: A Psychiatric Evaluation of Transsexualism. Am. J. of Psychiatry 125/10, 1969, S. 1419-1425.

34 www.genderdysphoria.org/genderdysphoria_medical.html Diese Seite ist im Oktober 2013 nicht auffindbar. Ein fast identisches Zitat findet sich unter: transunity.com/gender-identity-disorder

35 Breiner, Sander, Transsexuality Explained. www.narth.org/docs/transexpl.html Siehe auch:

www.dijg.de/transsexualitaet-geschlechtsumwandlung/begriff-definition-transvestismus/

36 Socarides, Charles W., A Psychoanalytic Study of the Desire for Sexual Transformation (Transsexualism): The Plaster-of-Paris Man, International Journal of Psychoanalysis 51/3, 1970, S. 341-349, 344.