Gespeichert von reichmann am Mo., 12.05.2014 - 12:55:56

Hinter jedem Wunsch nach Geschlechtsumwandlung liegen eine individuelle Lebensgeschichte und individuelle psychische und emotionale Probleme.

Das Leid der Betroffenen ist offensichtlich, meist beginnt es schon in der frühen Kindheit. Viele sind Opfer seelischen, körperlichen oder sexuellen Missbrauchs, seelischer Verwahrlosung oder Opfer von Ablehnung. Grundlegende emotionale Bedürfnisse nach sicherer Bindung an die primären Bezugspersonen, Mutter und Vater, und an die gleichgeschlechtliche peer-group konnten nicht gestillt werden.

Was die Betroffenen eint, ist die Vorstellung, dass die Operationen ihre Probleme lösen werden. Menschen mit transsexuellen Wünschen haben ein erotisches Lebens-Drehbuch entwickelt, wonach sie als Person des anderen Geschlechts alle Schwierigkeiten in ihrem Leben überwinden können. Sie gewinnen die Unterstützung von Chirurgen, damit ihre Fantasien Wirklichkeit werden, aber die Fantasien beruhen nicht auf der Wirklichkeit. Die Operationen mögen Fantasiewünsche erfüllen, sie können den Menschen aber nicht neu erschaffen, er wird nie zu einer voll funktionsfähigen Person des anderen Geschlechts. In gewisser Weise werden die Betroffenen immer in ihren Fantasien leben – und sich immer mehr anstrengen, alles zu perfektionieren. Fantasien können Ängste vorübergehend beruhigen, aber sie können die Wunden der Kindheits­traumata nicht heilen und unbeantwortete Bedürfnisse aus der frühen Kindheit nicht stillen. Nach Durchführung der Operationen sind die Betroffenen oft noch verschwiegener als vorher, wenn es um das Eingeständnis geht, dass sie nach wie vor mit ernsthaften emotionalen Problemen kämpfen.

Therapeuten ist es oft nicht möglich, die hohen psychischen Widerstände beim Patienten zu überwinden und die tiefer liegenden psychischen Probleme mit dem Patienten gemeinsam anzuschauen: die tiefliegende schmerzhafte Selbstunsicherheit, das geringe Selbstwertgefühl, Traurigkeit und Wut aufgrund der Tatsache, dass sie in der Kindheit in ihren Beziehungen keine ausreichend sichere Bindung herstellen konnten. Doch räumt man das möglicherweise nicht ein, sondern neigt dazu, den von ihren psychischen Konflikten bestimmten Forderungen der Patienten nachzugeben.

„Geschlechtsumwandelnde“ Operationen
zu genehmigen, gibt dem Ärzteteam das Gefühl, etwas zu tun – und die Patienten sind dankbar. Aber oft wird dabei übersehen, dass die Operationen gesunde menschliche Körper verstümmeln, zu erheblichem Schmerz und Leiden führen, den Patienten konkreten Risiken aussetzen und die tatsächlichen psychischen Probleme unangetastet lassen.

Das zutiefst menschliche Bedürfnis der Betroffenen nach Anerkennung, Wertschätzung und Liebe darf nicht geleugnet werden. Es ist aber eine Sache, das Bedürfnis jedes Menschen nach Anerkennung als Person von unverfügbarem Wert und unteilbarer Würde zu ehren. Und es ist eine andere Sache, die Forderungen eines Menschen auszuführen, der will, dass andere (einschließlich des medizinischen und psychologischen Fachpersonals) die Tatsachen ignorieren und Fantasien für Realität anerkennen sollen.

Transsexuelle Aktivisten fordern beständig Änderungen der Gesetze, die die Transsexualität betreffen. Sie wollen, dass Personen nach den chirurgischen Eingriffen ihr Geschlecht und ihren Namen nicht nur in den aktuellen amtlichen Dokumenten, sondern auch in der Geburtsurkunde ändern können. Zusätzlich möchten sie, dass Personen, die in der Öffentlichkeit als Angehörige des anderen Geschlechts auftreten, ihre Geschlechtsbezeichnung in amtlichen Dokumenten ändern können – auch ohne vorherige chirurgische Eingriffe. Dagegen wehren sich aber viele Behörden.

„Transphobie“

Wer der Auffassung ist, dass es nicht möglich ist, das Geschlecht eines Menschen zu ändern, möchte anderen gegenüber nicht unsensibel sein. Es sollte aber niemand gezwungen werden zu lügen – etwa indem man ihn zwingt, einen Mann eine Frau zu nennen oder umgekehrt. Transsexuelle Aktivisten wollen die Öffentlichkeit zwingen, Fürwörter (er, sie, sein, ihr etc.) und Bezeichnungen für Personen zu benutzen, die dem gewünschten Geschlecht, nicht dem tatsächlichen Geschlecht, einer Person entsprechen, sogar dann wenn diese sich gar keinen chirurgischen Engriffen unterzogen hat. Wer sich gegen „geschlechtsumwandelnde“
Operationen ausspricht oder sie nicht als etwas „Normales“ ansehen kann, gilt als „transphob“ und soll der Diskriminierung bezichtigt werden.

Die Broschüre einer Studentengruppe der University of Massachusetts in Amherst benennt die Auffassungen, die als transphob zu verurteilen seien. Dazu gehören:

  • Die Annahme, jeder ist entweder eine männliche oder eine weibliche Person.
  • Auch nach entsprechender Berichtigung immer noch das „falsche“ Personalfürwort gebrauchen oder „es“ zu einer Person sagen.
  • Die Auffassung, transsexuelle oder transgender Personen seien keine „richtigen Frauen“ oder „richtigen Männer“.
  • Transsexualität als psychische Störung sehen.
  • Erwarten, dass alle transgender Personen transsexuell in dem Sinne sind, dass sie eine komplette Geschlechtsumwandlung wünschen.
  • Die Auffassung, transgender Jugendliche könnten noch keine eigenen Entscheidungen treffen über ihre gewünschte Geschlechts­identität.40

Die Organisation Dignity in den USA, die sich für eine rechtliche und moralische Gleichstellung homosexueller, bisexueller, transsexueller und transgender Lebensformen einsetzt, hat Richtlinien für Medienberichte über transgender Personen herausgegeben. Darin heißt es: „die Bezugnahme auf transgender Personen mit den Personalfürwörtern und Adjektiven, die dem Geburtsgeschlecht der Person entsprechen“ ist „extrem beleidigend“.41

Colleges kommen zunehmend den Forderungen von Studenten und Studentinnen nach, die dem anderen Geschlecht angehören möchten und entsprechend behandelt werden wollen. Aktivisten setzen Kindergärten und Schulen unter Druck, damit Kindern schon ab dem Kindergarten-Alter erlaubt wird, cross-dressing zu praktizieren, ihren Vornamen (von männlich zu weiblich oder umgekehrt) zu ändern und die sanitären Einrichtungen des anderen Geschlechts zu benutzen. Die Eltern der anderen Kinder wehren sich oft vehement, wenn „Bildungsprogramme“ von allen Kindern verlangen – manchmal schon ab dem Alter von sechs oder sieben – ein Kind, das biologisch eindeutig ein Junge ist, als Mädchen anzusehen und anzusprechen.

Einige homosexuell Trans­sexuelle können ihr Umfeld bezüglich ihres angeborenen Geschlechts täuschen. Dennoch spüren die meisten Menschen eine Irritation, wenn sie eine Person treffen, die vorgibt, sie gehöre zum anderen Geschlecht. Viele sind zu höflich, um etwas zu sagen, vielleicht unterstützen sie auch die Auffassung, Menschen könnten ihr Geschlecht ändern. Aber unbewusst und ungewollt vermitteln sie dem anderen doch, dass sie das neue Geschlecht nicht ganz glauben. Das hat Auswirkungen auf die transsexuell lebende Person, die sich verunsichert und nicht ganz akzeptiert fühlt oder meint, sich in der neuen Rolle ständig beweisen zu müssen.


40 “What Does Transphobia Look Like?” Stonewall Center of the University of Massachusetts Amherst.

41 Transgender Nation: „Transgendered Persons: A Primer to Better Understanding“, Dignity USA, Juli 2008, Hervorhebung im Original.