Gespeichert von reichmann am Di, 19.04.2011 - 22:32:28

Mordfall Dennis Der im Fall Dennis festgenommene Verdächtige hat nach Polizeiangaben drei Morde gestanden. Es handelt sich um einen 40-jährigen Pädagogen aus Hamburg.

Nur einen Tag nach seiner Festnahme folgte das Geständnis: Ein 40-jähriger Hamburger hat zugegeben, Dennis K. aus Osterholz-Scharmbeck sowie zwei weitere Jungen entführt und getötet zu haben. Darüber hinaus habe der als "Maskenmann" bekannt gewordene Täter den Missbrauch mehrerer Kinder zugegeben. Dies teilten die Ermittler am Freitag auf einer Pressekonferenz im niedersächsischen Verden mit.

"Wir sind erleichtert", sagte Uwe Jordan, Leiter der Polizei Verden. Fast zehn Jahre lang hatten die Behörden ermittelt - der neunjährige Dennis war am 5. September 2001 aus einem Schullandheim in Niedersachsen verschwunden, einige Tage später hatten Pilzsucher die Leiche des Jungen in einem Gebüsch gefunden.

Sozial unauffällig, hilfsbereit, nett, akkurat und intelligent - so wird der 40-jährige Verdächtige nach Angaben der Ermittler von Menschen aus seinem Umfeld beschrieben. Der Mann sei Lehramtsstudent gewesen und habe dann als Pädagoge gearbeitet, teilten die Polizisten mit. Ebenfalls wurde bekannt: Der 40-Jährige war früher bereits als Sexualtäter in Erscheinung getreten und 2007 bereits im Mordfall Dennis vernommen worden. Der Verdacht hatte sich laut Polizei damals nicht erhärtet, weil der Mann teils ausweichend geantwortet und falsche Angaben gemacht habe.

Der gebürtige Bremer, der seit zehn Jahren in Hamburg lebte, sei seit seinem 21. Lebensjahr ledig gewesen - und so wenig sozialer Kontrolle unterworfen, hieß es weiter. Er sei in der Jugendbetreuung aktiv gewesen, aktuell sei er in der Erwachsenenbildung tätig. "Im Prinzip hat er vermutlich auch eher eine Art doppelte Buchführung betrieben", sagte Horn. Damit entspricht er dem Täterprofil, das die Ermittler entworfen hatten.

Haftbefehl wegen dreifachen Mordes

Der entscheidende Hinweis auf den Pädagogen soll von einem früheren Missbrauchsopfer stammen. Der Zeuge habe sich nach dem erneuten Fahndungsaufruf vor neun Wochen noch einmal bei der Polizei gemeldet. Dabei machte er Angaben, die auf die Spur des Verdächtigen führten. Der Zeuge berichtete demnach, er sei mehrere Monate vor dem Missbrauch bei einer Jugendfreizeit von einem Betreuer in auffälliger Weise auf seine Wohnsituation angesprochen worden. Der Täter drang dann 1995 in das Haus des Jungen ein.

Das Amtsgericht Stade hat am Donnerstag Haftbefehl wegen dreifachen Mordes erlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Festgenommenen den Mord an dem achtjährigen Dennis R. und dem 13 Jahre alten Stefan J. vor. Zudem soll er versucht haben, einen Achtjährigen aus demselben Schullandheim wie Denis K. zu entführen. Die Ermittler prüfen nun, ob dem 40-Jährigen über das Geständnis hinausgehende Taten anzulasten sind.

Mit der Ermordung dreier Jungen in den Niederlanden und in Frankreich will der Mann nichts zu tun haben, sagten die Ermittler. Er habe bei den Verhören abgestritten, mit ähnlichen Mordfällen im Ausland in Verbindung zu stehen.

Verdächtiger verfügt über "exklusives Täterwissen"

Neben dem Geständnis wiesen "exklusives Täterwissen" des Mannes, Indizien und Beweismittel darauf hin, dass er tatsächlich der Täter sei, hieß es weiter. Die Wohnung des Mannes in Hamburg sei am Mittwoch durchsucht worden. "Das äußere Erscheinungsbild entspricht dem der Beschreibung der Opfer vom großen Schwarzen Mann", sagte Martin Erftenbeck, Leiter der "Soko Dennis".

Der mutmaßliche Serienmörder befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit in einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen. Die Ermittlungen sollen nun zügig weitergeführt werden, erklärten die Fahnder: "Wir rechnen mit einem Prozessbeginn noch in diesem Jahr."

Die Jagd auf den "Maskenmann"

Im Februar waren die Ermittler mit neuen Hinweisen an die Öffentlichkeit gegangen: Ein Jogger will im September 2001 Dennis und einen bulligen Mann um die 30 in einem Auto auf einem Waldweg gesehen haben. Der Zeuge hatte sich erst 2010 an die Polizei gewandt, nachdem er sich nach einem Fernsehbericht über die ungelösten Mordfälle an seine Beobachtungen erinnerte. Mehr als 1000 Hinweise waren nach dem neuen Fahndungsaufruf bei der Sonderkommission "Dennis" eingegangen.

Die Ermittler jagten Jahre lang ein Phantom, in den Medien auch "Maskenmann" genannt. Nach und nach bekam der Mann ein Gesicht: Deutscher ohne Dialekt, groß und stämmig, mit guter Ortskenntnis in Bremen und Umgebung. Erst mit dem Tod von Dennis K. hatten die Fahnder die Zusammenhänge mit anderen Morden erkannt.

afp | dpa