Gespeichert von reichmann am So., 21.01.2007 - 22:09:59

Nicht selten stehen Jugendliche vor dem Disput ihrer eigenen Familie. Gerade in solchen Momenten sollte man glauben, leistet die Jugendwohlfahrt wertvolle Arbeit. Das jede zweite Ehe in Österreich geschieden wird, Kinder nicht selten unter den Beziehungen ihrer Eltern(teile) leiden und nicht zuletzt das Abrutschen in die Straffälligkeit begleitet von Drogen und Alkohol nichts mehr mit jugendlichen Leichtsinn zutun haben kann, lässt zumindest aktuell der Fall des 16 jährigen Martin B.* aus der Region Neulenbach in Niederösterreich nur erahnen.

Jedenfalls weisen Anrainer schon lange auf den Jungen bei der zuständigen Jugendabteilung der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten hin. Nachbarn haben Martin und einen Freund bei Minusgraden in einem Autowrack aufgegriffen. Jetzt lebt der Bursch bei monatlichen Kosten von rund Euro 5.000,00 im Heim.

Auseinandersetzungen mit dem Elternhaus sind für Martin B.* keine Seltenheit. Er durfte nur in die Wohnung, wenn der Stiefvater nicht da war. Seine Mutter meint das wäre alles Blödsinn und kann ihr Sohn jederzeit nach Hause. Jedenfalls sei jetzt alles mit der zuständigen Jugendwohlfahrt geregelt.



Unzählige Heimaufenthalte gehören auch zur Kindheit von Martin. Gefolgt von einem Leben auf der Straße hat Martin mit dem Gesetz bereits Bekanntschaft gemacht. Strafdelikte, Drogen und Alkohol, das ist der Lebensmittelpunkt von Martin.

Wie Recherchen eines österreichischen Journalisten "investigativ" ergaben keine Seltenheit. So auch der Fall von Lena* (15) aus Klagenfurt. Sie musste bereits mit 7 Jahren ins Heim, weil ihre Mutter nicht für sie sorgen konnte. Genauso wenig wie für die anderen drei Geschwister von Lena. Da gab es keine Geborgenheit und auch keine Nestwärme, wie man der Krankengeschichte von Lena entnehmen kann. Mit 15 stand Lena plötzlich bei ihrem Bruder in der Küche, vollgepumpt mit Drogen und unter Alkoholeinfluss. Erst zwei Monate später und nach Tätig werden von INHR hat auch die Kärntner Landesregierung, Abteilung Jugendwohlfahrt unter Personalunion Christine Gaschler-Andreasch von der SPÖ reagiert.

Anrufe von Anrainern bei der Jugendwohlfahrt halfen im Fall des 16 jährigen Martin B. nichts, denn einmal bei Martin Nachschau zu halten, seien erfolglos geblieben, so die Kritik. Nachbarn erklärten sich bereit, den Teenager aufzunehmen: „Wir haben Martin draußen vorgefunden, wie er gemeinsam mit einem Freund bei Minusgraden in einem Autowrack übernachtete“, berichtet die Anrainerin gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten.

Die Kritik, dass das Jugendamt nichts unternommen habe, weist Bezirkshauptmann von St. Pölten, Mag. Josef Kronister, scharf zurück: „Das ist völliger Unsinn. Die Jugendwohlfahrt hat schon einen dicken Akt über den Fall. Die Jugendabteilung ist sehr dahinter. Wir haben mehr getan als normalerweise üblich ist. Dass da niemand eingeschritten ist, stimmt einfach nicht.“ Es handle sich um einen tragischen Fall, der Bursch sei problematisch, so Kronister.

Der 16-Jährige wurde vorübergehend in einem Krisenzentrum untergebracht. Die Kosten, 4000 bis 5000 Euro pro Monat, übernimmt die Bezirkshauptmannschaft. Jetzt wird geklärt, wo er dann leben soll: „Man schaut sich jetzt an, was das Beste für ihn ist.“ Oberste Zielsetzung sei immer das Kindeswohl. Ein alltäglicher Fall ist der „Fall Martin“ für die Behörde nicht. Aber Unterbringungen von Kindern und Jugendlichen durch die Behörde sind immer wieder erforderlich: „Vergangenes Jahr hatten wir rund 15 Fälle, wo eine Unterbringung aus verschiedenen Gründen notwendig war.“

*Namen geändert

Niederösterreichische Nachrichten