Gespeichert von LittleBuddha am Di, 10.04.2007 - 17:07:08

Heute (10.4.2007) startet die große ORF Reform. Alleine zum Debüt soll es 22 runderneuerte und neue Formate für die österreichischen Gebührenzahler geben. Besonders betont gibt sich der neue ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz in Punkto Unabhängigkeit des Journalismus. Gerne erinnere ich mich an Zeiten wie diese, als sich der ORF gewagtkritischen Themen näherte.

So z.B. im Fall des kleinen Christian aus Salzburg. Sofort waren Redakteure und Kamerateam von ORF Salzburg mit Kollegen der Kronen Zeitung an Ort und Stelle. Ohne Anonymisierung wurden die Bilder von Christian, seinem Bruder Christopher und der Gerichtsvollzieher in alle Länder der Welt übertragen. Letztlich obsiegt hat die Mutter, nicht nur in rechtlicher sondern auch finanzieller Hinsicht. Der ORF und seine Mitbewerber wurden von österreichischen Gerichten zur Buße verdonnert. Nicht unwesentliche Beträge versickerten nach Schweden und was bleibt ist eine Gesetzesänderung zum Wohle der Kinder in unserem Land.

Etwas demütigend allerdings die "Offen gesagt" Diskussion zum Justizskandal der drei Mädchen aus Oberösterreich. Ihre Mutter, selbst Juristin, hatte ihre Kinder 7 Jahre lang eingesperrt. Der Vater, Richter in
Oberösterreich, bekundete während des Martyriums kein Interesse am Sorgerecht. Seit einem Jahr befinden sich die Mädchen nun auf Therapie. Der ORF widmete sich dieses Themas ausführlich und ordnete sogleich eine imposante Fragestunde an. Im Kreise der Diskutanten fanden sich neben einem Familienrichter natürlich der bekannte Familienanwalt Dr. Günther Tews und der Linzer Kinderpsychiater Dr. Gerstl. Die Diskussion matt und dem System angepasst, konnte trotz Einspruch einer Studiozuseherin, keinem Wandel unterzogen werden. So manifestierte die sachliche Runde jene Tatsache, welche ohnedies von Väterbewegungen und Systemkritikern bisher ohne Erfolg in Frage gestellt wurde. Das Kind hat sich in Österreich dem Pflegschaftsrichter unterzuordnen und sprechen wohl zahlreiche alteingesessene Gründe dafür, wenn Mütter nach wie vor als Obsorgeberechtigte obsiegen.

Einzig und allein im Fall Kampusch gibt sich der ORF dem menschlichen Schicksal nahe. Schließlich erwartet die Kampusch Fondation eine gute Vermarktung jener Story, die bereits vor 18 Jahren ihren Lauf genommen hat. Erneut pocht das Herz eines jeden ORF Gebührenzahler und schließlich verfolgen über 2 Millionen  österreicherInnen das Rennen um die Gunst der Bilder. Von der Kampusch Fondation hört man zwar nichts mehr aber am Ende der unerschöpflichen Informationsschiene des ORF finde ich doch einen sinnvollen Ansatz. Ob unabhängiger Journalismus und geforderte Pluralität nicht nur parteipolitische Unabhängigkeit garantieren oder
vielleicht kritische Einzelthemen der Österreicherinnen und Österreicher in dieser neuen Reform wieder Platz finden werden, kann jeder für sich als moderaten Ansatz sehen. Der ORF jedenfalls verspricht Besserung. Die Arbeitsgemeinschaft des österreichischen Teletest aussagekräftige Seherzahlen. Für alle Unbeteiligten bleibt die
Sendung Traumhaus auf ATV. Sie verspricht reichlich Kindersegen und unermüdliche Häuslbauer mit Österreich Manier und das mit Familienidylle im wahrsten Sinne des Wortes. Zumindest bleibt dem Zuseher bei diesem Format die delequente Wien Programmierung erspart.

Was bleibt ist also der Traum vom Eigenheim und einer Reform mit Besserung. In beiden Fällen werden wir mehr wissen, spätestens nach 15 Wochen auf Sendung.


Weiterführende Links:

ORF Reform - Befangenheit des Journalismus am Ende?