Gespeichert von reichmann am Sa., 12.03.2011 - 17:08:58

Pro Juventute13-Jähriger flüchtete aus Heim in Golling zur Bild-Zeitung. Der Anwalt der Mutter kritisiert die Erziehungsmethoden. Vor wenigen Monaten wurden auch schwere Vorwürfe gegen ein Pro Juventute Heim in der Steiermark erhoben. Hier scheint es sich um keine Einzelfälle zu handeln.

Im Fall des 13-jährigen Buben, der am Mittwoch aus einem Pro-Juventute-Jugendwohnheim in Golling, Salzburg, ausgerissen und heimlich mit dem Zug zur Münchner Redaktion der Bild-Zeitung gereist ist, erhebt nun der Anwalt der Mutter heftige Vorwürfe gegen den Heimbetreiber: In der sozialpädagogischen Wohngemeinschaft sollen angeblich inakzeptable Erziehungsmethoden angewandt werden.



"Der Sohn meiner Mandantin erzählt, dass Kinder, die nicht brav sind, beispielsweise ohne Essen zu Bett geschickt werden, oder als Strafe auf dem Gang stehen müssen", kritisiert Rechtsanwalt Roland Gabl. Er könne das anhand von Fotos beweisen.



Der Umgang mit den Schützlingen soll insgesamt viel zu unpersönlich ausfallen, auf individuelle Wünsche werde wenig Rücksicht genommen. Der 13-Jährige habe sogar einen Selbstmordversuch hinter sich, wollte sich angeblich vom Balkon stürzen: "Dieser Versuch ist durch schriftliche Aussagen von Kindern bestätigt, von der Heimleitung aber herabgespielt worden." Jedenfalls wolle der Bub dauerhaft weg aus Golling und zurück zu seiner Mutter, die - nach einer gerichtlichen Abnahme - seit zwei Jahren vergeblich um die Obsorge ansucht. Gabl: "Mir liegen Videos vor, in denen der Bub herzzerreißend erklärt, warum er zurück zur Mama will." Auch seine elfjährige Schwester wolle heim. Warum der 13-Jährige aber nicht zu seiner Mutter nach Linz, sondern zur Bild-Zeitung flüchtete, bleibt unklar.

Transparenz

Emanuel Freilinger, Direktor von Pro Juventute, widerspricht den Anschuldigungen und sieht seine Einrichtung zu Unrecht ins schiefe Licht gerückt. "Wir haben nach dem Verschwinden des Buben umgehend die Jugendwohlfahrtsbehörde - unsere oberste Kontrollinstanz - informiert und deponiert, dass sofort eine externe Untersuchung in Hinblick auf mögliche Vorwürfe unternommen werden soll."



Seit Freitagabend liegt ein Ergebnis vor. "Uns ist bestätigt worden, dass an den Vorwürfen des Buben in keiner Weise etwas Haltbares dran ist", betont Freilinger. Sowohl Kinder als auch Mitarbeiter des Heimes seien dazu befragt worden. Zum selben positiven Ergebnis sei zuvor schon die Polizei in München nach der Befragung des Ausreißers gekommen. "Auch dort hat man uns zweifelsfrei bestätigt, dass keinerlei Verdachtsmomente gegen unsere Einrichtung vorliegen."

Kurier | Jürgen Pachner | INHR