SKANDAL: Neuer Missbrauchsfall im Vorarlberger Kinderdorf

Kindersex im SOS_KinderdorfErst noch am Dienstag hat Geschäftsführer Christoph Hackspiel gegenüber INHR betont, dass die Missbrauchsfälle ausschließlich in dieser einen Kinderdorf Familie stattgefunden haben sollen. Nachdem aufgedeckt wurde, wie ein 63 jähriger Kinderdorfvater über Jahre hinweg mindestens 6 Mädchen sexuell missbraucht haben soll, wurde eilig eine Pressekonferenz einberufen. Die Tageszeitung ÖSTERREICH berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über einen weiteren Fall von sexuellen Missbrauch im Vorarlberger Skandal Kinderdorf!

Marc Bell wuchs im Vorarlberger Skandal Kinderdorf auf und sagt gegenüber der Tageszeitung Österreich: "Mit 10 musste ich zur Kinderdorfmutter ins Bett, das vergisst man nie!".

Marc Bell ist Musiker und konnte bereits zwei Mal beim Grand Prix der Volksmusik als Gewinner punkten. Der heute 49 jährige hat durch die Musik das verarbeiten könnten, was ihm als Kind angetan wurde.

17 Jahre lang musste Marc Bell ausharren und eine Vielzahl an Kinderdorf Mütter über sich ergehen lassen. Eine Kinderdorfmutter hatte ihn besonders gern und holt Marc Bell nächtens ins Bett. "Alle zwei Jahre ist eine Neue gekommen und es war für uns Kinder nicht leicht, sich daran zu gewöhnen!", sagt Marc Bell gegenüber der Tageszeitung ÖSTERREICH.

Bei einem Zeltlager musste sich Marc Bell dann auch noch mit einem männlichen Betreuer vergnügen: "Er hat sich zu mir gelegt und mich befummelt", bricht Marc Bell jetzt sein Schweigen.

Anzeige hat Marc Bell bis heute nicht erstattet: "An wen hätte ich mich als Heimkind wenden sollen?". meint Marc Bell gegenüber der Tageszeitung ÖSTERREICH.

Das Skandal Kinderdorf am Stadtrand von Bregenz sucht nun nach Erklärungen. Laut Hackspiel will man Konsequenzen aus dem Missbrauch der sechs Mädchen ziehen, wobei drei der Mädchen nach wie vor am Hort des Bösen leben müssen.

Kritiker sehen die Forderungen zu schlaff, wie Dr. Rolph Wegensheit, Leiter einer sozialpädagogischen Einrichtung in Schweden und als Kinderpsychologe weiß: "Nachdem in Österreich immer mehr Kinder fremd untergebracht werden, wandelt sich die Qualität zur Quantität. So muss ein Psychologe oft eine Vielzahl von Kindern betreuen und kann nur sehr schwer auf die einzelnen Kinder eingehen, denn auch der Arbeitstag eines Kinderpsychologen endet irgendwann".

In der Einrichtung von Wegensheit geht man andere Wege und strebt stets eine Rückführung des Klientel an. Darüber hinaus passiert von Beginn an eine intensive Arbeit mit den leiblichen Eltern der anvertrauten Kinder. Unterbringungen mit Gerichtsbeschluss gibt es beispielsweise überhaupt nicht und die Eltern wissen um die Bedeutsamkeit der professionellen Hilfe. Betreut werden die Kinder ausschließlich von fachlich ausgebildeten SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen. Eine Familienwohngruppe wird jeweils von einer männlichen und weiblichen Fachkraft betreut. Das Betreuerpaar kann so den Kindern die notwendige familienähnliche Unterbringung gewährleisten.

In Österreich gibt es einfach zuviele unterschiedliche Betreuungsmodelle in der stationären Unterbringung von Kindern und Jugendlichen aus zerrütteten Familienverhältnissen. In Kinderdörfern wachsen Kinder und Jugendliche meist bis zur Verselbständigung auf. Der Kinderpsychologe ortet deshalb raschen Handlungsbedarf: "Die Österreichische Jugendwohlfahrt muss jetzt erst recht handeln und endlich einheitliche Qualitätsstandards einführen und die jährliche Überprüfung einer solchen Einrichtung ist einfach zu wenig".

Beispiellos findet Wegensheit dabei die Arbeit von Pro Juventute: "Es freut mich, dass diese Organisation bereits auf einen breiten Pool von Qualitätsstandards zurückgreifen kann. Vielleicht könnten sich andere Organisationen wie die Kinderdörfer daran neu orientieren".

Handlungsbedarf sieht auch Miriam*, eine ehemalige Kinderdorfmutter: "Kinderdorfmütter sind einfach überfordert und trotz Helfernetz mit den Problemen nicht selten allein gelassen. Dazu kommen Orders vom Dorfleiter und ein strenger Umgang mit den leiblichen Eltern. So ist zum Beispiel 1/2 Stunde Besuchskontakt pro Monat und ein Telefonverbot zwischen Kindern und ihren leiblichen Eltern keine Seltenheit". Nachdem die ehemalige Kinderdorfmutter den Druck der Geschäftsleitung nicht mehr ertragen wollte, hat sie ihre neue Berufung in einer sozialpädagogischen Wohngruppe gefunden und ihren Beruf Kinderdorf Mutter zu sein aufgegeben.

Tageszeitung Österreich | INHR