Gespeichert von LittleBuddha am Mi., 16.05.2007 - 11:26:47

Liebe INHR-Leser, -Sympathisanten und -Kritiker!

Der TV Werbespot von „klicksafe.de“ mit dem Titel „Wo ist Klaus?“ bringt es auf den Punkt. Mehrere junge Männer mit Glatze, Springerstiefeln und Big Bull stehen plötzlich vor der Türe und fragen nach dem kleinen Klaus. Die Mutter öffnet und schickt sie nach oben ins Kinderzimmer. Und es läutet schon wieder …. Jetzt ziert eine ältere Dame mit beachtlicher Oberweite das Anwesen. Auch sie möchte zu Klaus und die Mutter verweist wiederum auf die Treppe nach Oben. Zuletzt kommt der liebe Onkel, aber er möchte nicht zu Klaus. Er fragt nach der kleinen Anna, sie steht neben ihrer Mama und hat einen niedlichen Hasen. „Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen ….“ sagt der Sprecher am Ende des Spots.

Wie war, im wirklichen Leben sollen wir Eltern unsere Kinder schützen. Doch was passiert, wenn wir das nicht schaffen, uns überfordert sehen, dem Jugendamt anvertrauen und vielleicht unsere liebsten Kinder in fremde Hände geben, dann hofft man auf das professionelle Helfernetz.

Im Fall eines 63 jährigen aus Bregenz dürfte dieses Helfernetz offenbar versagt haben und deshalb sechs Mädchen aus einem Vorarlberger Kinderdorf Opfer sexueller Übergriffe durch ihren Kinderdorfvater geworden sein. Über Jahre hinweg hat sich der Missbrauch hingezogen und drei der Mädchen leben noch heute am Hort des Schreckens.

Nun wurde der Peiniger verhaftet und die akribische Spurensuche beginnt genau da, wo sich Kinder aus zerrütteten Verhältnissen Halt, Geborgenheit und Zuwendung erhoffen. Im konkreten Fall blieb dieser Wunsch versagt und musste Geborgenheit und Zuwendung teuer erkauft werden. Der mutmaßliche Täter wird als äußerst liebenswert und engagiert beschrieben. Niemand will etwas gesehen, gehört oder verspürt haben und auch die Ehefrau hat nichts bemerkt.

Schuldzuweisungen sind in diesen Tagen sicherlich nicht das passende Werkzeug einer Ursachenforschung, dennoch stelle ich mir die Frage weshalb gerade in einem Kinderdorf sexueller Missbrauch über Jahre hinweg unentdeckt bleibt. Die Opfer haben sich selbst geholfen und nach einem Ausweg gesucht. Anvertraut haben sie sich während der Abwesenheit ihres Kinderdorfvaters der Dorfleiterin.

In einer Pressekonferenz versucht der Geschäftsführer zu beschwichtigen und sieht die Notwendigkeit bei den Kindern selbst. Sie müssen „Nein“ sagen und sie müssen sich anvertrauen können. Doch können solche Kinder tatsächlich „Nein“ sagen und sich anvertrauen, kommen sie doch aus schwierigsten Verhältnissen, haben bereits Vertrauensbruch erlebt und wünschen sich nichts sehnlichster als ein familienähnliches Zu Hause und Kind sein zu dürfen.

Vielleicht schafft es ja wieder einmal ein Kind „Nein“ zu sagen und vielleicht wird es in Zukunft bessere Schutzmechanismen geben. Bis dahin sollte allerdings der gesunde Menschenverstand nicht über Bord geworfen und das geschulte Auge nicht außer Acht gelassen werden.

Den betroffenen Mädchen gilt nun jede Unterstützung und Achtung für ihren Mut, dem Martyrium selbst ein Ende gesetzt zu haben. Nicht zu vergessen, sie haben durch diesen Schritt ihre wichtigste Bezugsperson, die Kinderdorfmutter, verloren.


Es grüßt,
der.pädagogik.visionär