Gespeichert von LittleBuddha am Do., 23.08.2007 - 20:59:17

Bezirksgericht OberpullendorfEigentlich sollte es für die kleine Lydia in der Evangelischen Waldkirche in St. Aegyd eine besondere Feier werden. Doch das Jugendamt Oberpullendorf hatte mit der einjährigen andere Pläne und entriss den Kindeseltern kurz vor der Tauffeier ihr eigen Fleisch und Blut.

»So muss es in der Nazizeit zugegangen sein« schildert Friederike K. (60) die Szenen der Kindesabnahme ihrer Enkelin. Früher stand die St. Aegyderin selbst im Dienst der Fürsorge, nachdem der Vater von Lydia als Pflegekind bei ihr groß wurde.

Ein Freund und Augenzeuge der Vorgänge am Abend des 1. Dezember 2006 »Die Jugendamtsmitarbeiter haben das Kind meinen Bekannten Gerda und Daniel förmlich aus den Armen gerissen. Ein Mitarbeiter packte das Kind, rannte hastig aus der Wohnung die Treppe hinunter und steckte die Kleine in sein Auto. Doch vom Fenster aus konnte ich erkennen, dass nicht einmal ein Kindersitz vorhanden war. Trotzdem brauste der Beamte mit überhöhter Geschwindigkeit davon. Sogar die anwesenden Polizisten waren fassungslos und haben nur noch den Kopf geschüttelt«

Der verantwortliche Bezirkshauptmann von Oberpullendorf, Klaus Trummel, verweist auf die Verschwiegenheitspflicht »Ich kann in einem Einzelfall nichts sagen. Es gibt aber in der Sozialarbeit Grenzzonen und „Gefahr in Verzug“ ist der massivste Eingriff in die Privatsphäre«

Mittlerweile ist die kleine Lydia bei Pflegeeltern und die Großmutter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörde. »Die Kindesmutter durfte ihre Tochter an ihrem ersten Geburtstag nicht besuchen. Monatliche Besuchskontakte in den Räumlichkeiten der Bezirkshauptmannschaft dauern nicht länger als eine halbe Stunde. Im Ambiente eines Großraumbüros sehen sich die Eltern im Argusauge der Fürsorgerin. Es gibt weder eine Sitzgarnitur noch eine Spielecke« - siehe Foto links!

Trummer weist die Vorwürfe zurück und sagt »Am Anfang finden die Kontakte immer in der Bezirkshauptmannschaft statt. Die verantwortliche Leiterin hat bis jetzt keine Notwendigkeit für eine Sitzgarnitur oder Spielecke bekundet. In der Regel finden derartige Besuchskontakte ohnedies in einem Kinder-Schutz-Zentrum statt, um auf neutralen Boden agieren zu können«

Spricht sich die Behörde für eine Kindesabnahme gegen die Erziehungsberechtigten aus, muss innerhalb von acht Tagen ein entsprechendes Gesuch beim zuständigen Pflegschaftsgericht eingebracht werden. Im konkreten Fall würden sich die Entscheidungen von Richter Peter Rathmanner eklatant verzögern, meint die Kindesmutter gegenüber dem Nachrichtenmagazin Xlarge und hofft nun auf ein entscheidendes Gutachten.

Richter Peter Rathmanner wollte mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht nichts sagen und verwies an die zuständigen Jugendwohlfahrtsbehörden. Friederike K. kennt diese Vorgehensweisen als ehemalige Pflegemutter nur zu gut und spart nicht mit Kritik »Als ich für Daniel Unterstützung beim Jugendamt gesucht habe, ist mir diese stets versagt geblieben. Ich war auf mich alleine gestellt und nun so was« ist die 60-jährige über ihren ehemaligen Arbeitgeber sichtlich enttäuscht.

Weiterführende Links:
Chantal: Ermittlungen gegen fünf Mitarbeiter vom Jugendamt
EU-Kommission beschäftigt sich mit deutschen Jugendämtern
Das Leiden von Kindern in staatlicher Fremdpflege