Gespeichert von reichmann am Mo., 12.05.2014 - 12:34:07

Die operativen Eingriffe an den Geschlechtsorganen sind nur einer von vielen Schritten bei dem Versuch, im anderen Geschlecht zu leben. Zunächst müssen die Männer sich in der Öffentlichkeit als Frau kleiden, die Frauen umgekehrt ebenso. Dann beginnt die Einnahme gegengeschlechtlicher Hormone. Sie fördern Bartwuchs und Wachstum der Körpermuskeln bei den Frauen, und führen zu einer Brustvergrößerung bei den Männern. Die Hormone müssen lebenslang eingenommen werden, was zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen kann. Insbesondere bei Frauen können diese Auswirkungen unwiderruflich sein.4

 

Bei Männern werden mit Hilfe von Elektrolyse Gesichts- und Genitalbehaarung entfernt. Neben Entfernung von Penis und Hoden werden Brustimplantate eingesetzt, eine Pseudo-Vagina geschaffen und eine neue Harnröhrenöffnung. Nicht selten kommen kosmetische Operationen hinzu, um den Adamsapfel zu verkleinern oder Silikonimplantate an Hüften und Gesäß einzusetzen.

Bei Frauen beinhalten die Operationen die Entfernung der Brüste, der Eierstöcke und der Gebärmutter. Durch die Entfernung der Gebärmutter hört die Menstruation auf – für viele betroffene Frauen ein Beleg für das Ende ihres Frauseins und das Ende ihrer Verwundbarkeit. Nur wenige Frauen entscheiden sich für den letzten Schritt: die Schaffung eines Pseudo-Hodens und Pseudo-Penis. Zwar kann der Penis so aufgebaut werden, dass eine mechanische Erektion möglich ist, eine Ejakulation ist aber nicht möglich. Die Chirurgen versuchen, sexuelle Empfindungen in den Pseudo-Organen zu erhalten, allerdings gelingt das nicht immer.


4 Lawrence, Anne, Transgender Health Concerns, in: The Health of Sexual Minorities: Public Health Perspectives on Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Populations, ed. Ilan H. Meyer und Mary E. Northridge, New York 2007, S. 473–505. Siehe auch Lawrence, Anne, Patient-Reported Complications and Functional Outcomes of Male-to-Female Sex Reassignment Surgery, Arch Sexual Behavior 35, 2006, S. 717–727.