Gespeichert von LittleBuddha am So., 01.06.2008 - 11:54:44

Natascha KampuschEs gibt Pläne, den Opfern aus Amstetten eine neue Identität zu geben. Für Natascha Kampusch kam dies nie in Frage.

Natascha Kampusch kann mit Plänen, den Missbrauchsopfern von Amstetten eine neue Identität zu verschaffen, offenbar nicht viel anfangen. Das wäre so etwas wie eine "Kapitulation vor dem eigenen Schicksal", sagte Kampusch der Tageszeitung "Kurier" auf die Frage, ob sie selbst jemals überlegt habe, eine neue Identität anzunehmen.

"Das ist doch nur ein Zettel, nicht? Die Person macht doch etwas ganz anderes aus. Das wäre ja so etwas wie Kapitulation vor dem Schicksal, das kam für mich nie infrage", betonte Kampusch, die acht Jahre in der Gefangenschaft von Wolfgang Priklopil verbrachte.

Schwerer Weg

"Es wird ein schwerer Weg sein für die Familie F.", sagte die 20-Jährige in Hinblick auf das Medieninteresse an den Opfern von Amstetten weiter. Ihr eigenes Hilfsangebot an die Familie begründete Kampusch mit dem Wunsch, "zu verhindern, dass sie auf schnelles Geld angewiesen ist, dass man diesen Fall wieder so ausschlachtet wie damals meinen Fall".

Mit dem im April bekanntgewordenen Inzest- und Missbrauchsfall um den Amstettener Josef F. sei bei ihr "schon etwas hochgekommen", sagte Kampusch. "Da meldet sich natürlich der eigene Schmerz". Doch nicht so sehr, was ihre eigene Entführung betraf, sondern ihre Ängste aus der Kindheit. "Ich erinnere mich zum Beispiel, wie mir graute, als ich vom Mädchen in der Kiste gehört habe."

Verarbeitet Erlebtes schnell

Ein positives Bild zeichnete Kampusch von ihrem eigenen Zustand knapp zwei Jahre nach dem Ende ihrer Gefangenschaft. "Dank meines psychohygienischen Immunsystems verarbeite ich anscheinend Erlebtes recht schnell", sagte sie. Andererseits sei es "wie eine Krankheit, die nicht heilbar ist. Die bleibt immer in einem drinnen, auch wenn sie nicht ausbricht".

Ihre TV-Talkshow habe sie gezwungen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, "und ich habe überrascht festgestellt, dass das eigentlich ganz leicht und locker zu bewältigen ist", so Kampusch. Sie wünsche sich "irgendwann" auch Kinder, verriet die 20-Jährige, doch nur in einer Familie "mit viel Wärme. Und Sicherheit". Für eine Beziehung sei sie aber derzeit noch nicht bereit.

Quelle: Tageszeitung Österreich