Gespeichert von LittleBuddha am So., 26.08.2007 - 01:31:38

KindesmissbrauchDer wohl spektakulärste Sorgerechtsstreit in Deutschland, dürfte eine Wende vollziehen.

Nachdem bisher 45 Gerichtsverfahren durchlaufen wurden, sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg die Bundesrepublik Deutschland wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilt hat und zuletzt die Staatsanwaltschaft sogar Anklage wegen Rechtsbeugung (in Deutschland einmalig!) gegen einen kompletten Senat erhob, will der momentane Vormund des kleinen Christoffer einer Rückführung zu seinem Vater Kazim Görgülü zustimmen. Doch die Pflegeeltern, der Junge lebt seit seiner Geburt dort, kämpfen nach wie vor um ihr Pflegekind, das sie eigentlich schon lange adoptieren wollten.

Die Mutter des heute 7-jährigen Christoffer hat bereits vor der Geburt die Beziehung zu ihrem Kind abgebrochen. Eigentlich sollte das Baby nach der Geburt ohne Wissen des Vaters zur Adoption freigegeben werden. Seither ist wohl der spektakulärste Sorgerechtsstreit in der Bundesrepublik Deutschland entbrannt.

Als Kazim Görgülü von den Absichten seiner Ex-Parterin erführ, beantragte dieser sofort das Sorgerecht. Sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gibt ihm Recht und verurteilte die Bundesrepublik Deutschland 2004 wegen schwerster Menschenrechtsverletzungen. Sogar das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe war mit dem "Görgülü Fall" mehrfach betraut. Die Staatsanwaltschaft erließ zuletzt Anklage gegen einen kompletten Senat des Landesgericht Naumburg, nachdem immer wieder ein Unterlaufen der Urteile von Bundes- und EU-Ebene erfolgt war.

Jetzt könnte sich allerdings eine spürbare Wende abzeichnen, geht es nach dem Willen des Vormunds. Er will im Gegensatz zu den Pflegeeltern eine "Familienzusammenführung" und schon jetzt kann der Vater aufgrund gerichtlicher Entscheide, seinen Sohn alle 14 Tage von Samstag 11 Uhr bis Sonntag 15 Uhr sehen.

Roland Reichmann von INHR kennt die Thematik "Pflegefamilie" und ortet sowohl im System der Jugendwohlfahrt als auch in der momentanen Gesetzeslage eine Vielzahl an Lücken und Missständen: "Wir sind immer wieder mit Konfliktszenen zwischen Pflegeeltern und leiblichen Eltern konfrontiert. Eigentlich lernen die Pflegeeltern in Kursen solche Situationen zu meistern. Doch Entfremdungen der Pflegekinder bleiben nur selten aus".

Auch in Österreich kämpfen leibliche Eltern um ihre Kinder. Derzeit leben rund 20.000 Kinder bei Pflegeeltern oder im Heim. Eine untragbare Situation für den Initiator des Int. Network of Human Rights Roland Reichmann: "Gemeinsam mit unserem neuen Kooperationspartner in Frankreich, konten bereits mehrere Verfahren beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einbringen".

"Im konkreten Fall werden die Pflegeeltern gegen die Neuentwicklung kaum klagen können. Sie werden aber weiterhin mit mobilisierten Sachverständigen gegen einen Familienwechsel kämpfen. Auch in Österreich haben Pflegeeltern im Sorgerechtsstreit Parteienstellung und somit sind die Konflikte vorprogrammiert", sagt Göller und verweist auf die unverständliche Gesetzgebung.

Der Enthüllungsjournalist Stephan Pfeifhofer glaubt hingegen die eigentlichen Gründe zu kennen: "Unsere Jugendwohlfahrt hat sich zu einem Industrieimperium hochgearbeitet. Verlieren die Pflegeeltern ihre finanziellen Zuwendungen, oder muss man beispielsweise bei SOS Kinderdorf an einer Rückführung arbeiten, so geraten die "Fürsorger" schnell in ein kalkulatorisches Loch".

Pfeifhofer recherchiert bereits seit mehreren Jahren im Wesen der Jugendwohlfahrt, bei Jugendämtern und somit im gesamten Spektrum der Fürsorge. "Leiblichen Eltern wird immer vorgeworfen sie machen etwas falsch, geben ihrem Kind keine Perspektive und Vernachlässigung hätte letztlich zur Kindesabnahme geführt. Wir stellen aber schnell fest, dass eigentlich die Eltern Hilfe bitter nötig hätten. Allerdings kümmern sich nach der Kindesabnahme keine Sozialarbeiter mehr um Väter und Mütter, die von nun an gerichtlich um ihr Kind kämpfen müssen", bedauert Roland Reichmann von INHR die momentane Situation im Umgang mit den Herkunftsfamilien durch Fürsorge und Politik.

Die Jugendämter selbst weisen naturgemäß diese Kritik zurück und geben die verantwortungsvolle Aufgabe und schier unlösbare Probleme zu bedenken. In Österreich hat zuletzt der Soziallandesrat Ackerl (SPÖ) von Überarbeitung und Burn-Out in oberösterreichischen Jugendämtern laut gesprochen. Demnach müsse rasch das fehlende Personal aufgestockt und sinnvolle Gesetze geschaffen werden.

Im Fall von Christoffer wenig Hoffnung auf eine unbekümmerte Kindheit und ruhigen Schlaf mit schönen Träumen, nachdem sein Leben bereits seit sieben Jahren gerichtsanhängig ist.