Gespeichert von LittleBuddha am So., 26.08.2007 - 19:06:14

GerichtLINZ. Bereits vor drei Jahren wurde ein Lehrer wegen Kindesmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt. Aber er sitzt bis heute nicht im Gefängnis. Denn die Justiz spielt Gutachter-Ping-Pong. Und er beteuert seine Unschuld.

Werner F. (Namen geändert) war mit der Mutter der 1991 geborenen Jacqueline liiert. Probleme zwischen Lebensgefährten und Stiefkind gab es keine. Die tauchten erst nach der Trennung auf, als die Mutter schwere Vorwürfe gegen den Ex erhob: sexueller Kindesmissbrauch, angeblich im Pkw und beim Baden in Bibione. "Ich habe ihrem Kind nichts getan", sagt F. Die Aussagen von Kind und Mutter stehen den seinen gegenüber. Objektive Missbrauchsspuren gibt es nicht.

Am 19. Mai 2003 verurteilte das Landesgericht (LG) Ried F. zu drei Jahren Haft. Der Schuldspruch wurde im September rechtskräftig. Ende 2003 übernahm Strafverteidiger Günter Tews den Fall und beantragte die Verfahrenswiederaufnahme.

Frage der Glaubwürdigkeit

"Es geht um die Glaubwürdigkeit. Die Gutachten gingen nicht auf die Frage ein, ob die Aussagen des Kindes erlebnisfundiert oder ob auch suggestive Einflüsse möglich sind", sagt Tews. Das Oberlandesgericht (OLG) Linz teilt diese Bedenken und beauftragte das Erstgericht mit der Einholung weiterer Expertisen. Das LG konterte mit einem Gutachten des Kinderpsychiaters Max Friedrich und schmetterte die Anträge ab - mit der Begründung: "österreichische forensische Tradition". Nun sei die Wiederaufnahme im dritten Rechtsgang, der Strafvollzug weiterhin "gehemmt", bestätigt das OLG. Es beauftragte kürzlich einen Aussagepsychologen aus Kiel, da die deutsche Forschung als international führend in der Glaubwürdigkeitsfrage von Zeugenaussagen gilt.

"Entgegen der vom Erstgericht beschriebenen ,Tradition' kann kein Zweifel bestehen, dass der aktuelle Stand der Wissenschaft auch in Österreich zu gelten hat", sagt das OLG. Der Lehrer muss warten - auf Gefängnis oder Freispruch.



Quelle: Oberösterreichische Nachrichten