Gespeichert von reichmann am Fr., 17.08.2007 - 13:18:20

Klagenfurt: Wieder eine Verhandlung wegen des Verdachtes

des sexuellen Missbrauches vor dem Landesgericht Klagenfurt. Dem Mann wird zur Last gelegt, er habe seine 11-jährige Stieftochter über ein Jahr schwer sexuell missbraucht. Der mutmaßliche Täter bestreitet diese Vorwürfe und gibt an, dass er sich von seiner Frau getrennt habe, weil sie ihn mit anderen Männern betrogen haben soll.

Ob in diesem Fall wieder ein Gutachter aus dem Gebiet der Psychiatrie, oder erstmals ein aussagepsychologischer Gutachter bestellt wird, entscheidet das Gericht.

Dieses Szenario ist bestens bekannt: Ein Kind behauptet, sexuell missbraucht worden zu sein, der mutmaßliche Täter leugnet die Tat, es steht also Aussage gegen Aussage. Sachbeweise, also Spuren fehlen zumeist, somit obliegt es in Österreich zumeist „Fachleuten“ aus dem Bereich der Psychiatrie, die Aussagefähigkeit und Aussagetüchtigkeit des mutmaßlichen Opfers festzustellen.

Was bedeutet das? Nun, ein Psychiater stellt fest, ob das mutmaßliche Opfer irgendwelche psychischen Krankheiten hat, ob es intellektuell entsprechend gereift ist, um die Tragweite seiner Anschuldigungen zu erkennen. Sollten da keine Auffälligkeiten zutage treten, ist das Kind aussagefähig und aussagetüchtig. Das ist auch in den meisten Fällen so, weil nur etwa 3 - 4 % der Kinder und Jugendlichen psychisch krank sind, wie Prof. Max Friedrich in einer Verhandlung in Klagenfurt aussagte.

Richter entscheiden.

Wem nun zu glauben ist, ob die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, das entscheiden in Österreich bisweilen die Richter, obwohl auch in Österreich mittlerweile auch Aussagespezialisten als Gutachter herangezogen werden.

Nun stellt sich für den Richter die Frage: Wem glaube ich nun? Dem kleinen, unschuldig wirkenden Kind, oder dem erfahrenen Erwachsenen. Wie da die Chancen stehen kann sich jeder selbst überlegen.

Deutschland ist anders.

In Deutschland war das bis 1999 auch so. Jedoch haben Kinder in einigen Monsterverfahren  ganz einfach falsch ausgesagt, wodurch es zu zahllosen Verurteilungen von Erwachsenen gekommen ist. Da wären die Wormser Prozesse und auch der Montessori Skandal neben vielen anderen zu nennen.

Bei diesen Prozessen kam es zu rechtskräftigen Verurteilungen von zahlreichen erwachsenen „Sexstrolchen“ und die jubelnde Menge schien zufrieden.

Aussagepsychologen mit Weltruf.

Nicht so Prof. Burkhard Schade und einige seiner Kollegen, allesamt professionelle Aussagespezialisten mit Weltruf, die sich in diese Verfahren eingeschaltet und in Eigenregie die Fälle noch einmal überprüft haben, mit dem erschütternden Ergebnis: über 60 Kinder haben falsch ausgesagt, keine einzige Anschuldigung stimmte.

Wie kommt es zu einer derartigen Flut von Falschaussagen?

Dafür gibt es viele Ursachen, meinen Fachleute. Besonders auf kindliche Zeugen wirken viele Kräfte. Erwartungsdruck, Aufdecker-Vereine, die Erfolge brauchen, suggestive Befragungstechniken und vieles mehr.

Noch bevor es zu einer so genannten kontradiktorischen Einvernahme kommt wird das Kind schon entsprechend auf die Aussage „vorbereitet“. Allein ständige Konfrontation mit den gegenständlichen Vorwürfen können ein Kind jedoch schon beeinflussen, mehrfache Befragung verfestigt die Meinung das Richtige zu tun, Gedächtnislücken werden durch die Befrager einfach geschlossen, damit eine konsistente Aussage entsteht.

Vor diesem Hintergrund ist es einem psychologischen Laien vollkommen unmöglich den Wahrheitsgehalt einer Aussage richtig abzuschätzen. Feldversuche in Deutschland haben gezeigt, dass von hunderten mit dieser Thematik ständig befassten Personen, also Richter, Rechtsanwälte, Staatsanwälte, minder ausgebildete Psychologen, Polizisten etc, nicht ein einziger in der Lage war, aus nur zwei Möglichkeiten die richtige zu erkennen.

Diese Tatsache lässt erahnen, wie hoch das Risiko eines Fehlurteils somit ist.

Suggestivbeeinflussung.

Der suggestiv beeinflusste Zeuge wirkt deshalb so glaubwürdig, weil er durch die Beeinflussung und Konditionierung seine Aussage, diese als wahr annimmt. Kinder sind für suggestive Einflussnahme besonders empfänglich.

Das erschütternde in diesen Fällen ist, dass die Kinder wohl falsch aussagen, jedoch keinesfalls der Lüge bezichtigt werden können, weil sie durch die Beeinflussung fest davon überzeugt sind, die Wahrheit zu sagen.

Von den mehr als 60 Kindern, die im Montessori Prozess den Kindergärtner schwer belastet haben, sind Jahre nach ihrer Aussage, bei einer Nachuntersuchung noch fast alle fest davon überzeugt, dass sie die Wahrheit gesagt haben, obwohl zweifelsfrei festgestellt wurde, dass die Anschuldigungen nicht wahr sein können.

Wie findet der Aussagepsychologe die Wahrheit?

Gar nicht! Ein Aussagepsychologe  sucht nicht die Wahrheit, sondern stellt fest, wie wirklichkeitsnah die Aussage ist. Dafür gibt es eine genormte Methodik, nach der so genannte Realkennzeichen gesucht werden. So untersucht der Fachmann etwa, ob die erzählte Geschichte auch entsprechend in eine „Hintergrundgeschichte“ eingebettet ist, oder ob sie sich nur auf das Mindeste, nämlich die Anschuldigungen selbst“ beschränkt.

Ebenso werden räumliche und zeitliche Einbettung der Geschichte überprüft, Motivation und viele andere Kennzeichen werden genau erhoben.

So kommt der Spezialist zu einer „Wahrannahme“ von X-Prozent, was besagt wie „wirklich“ eine Aussage ist. Das ist dann für einen Richter eine profunde Basis, wonach er entscheiden kann.

Fehlurteile zerstören Kinder.

Fehlurteile, gerade in Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch, sind immer fatal, zerstören Familien und ganze Existenzen. Doch den größten Schaden haben die „missbrauchten“ Kinder, weil sie unsinnigen Therapien zugeführt werden und ihnen auf diesem Wege Störungen „hineintherapiert“ werden und sie mit der Zeit alle Symptome zeigen, wie sie bei real missbrauchten Kindern zu finden sind.