Gespeichert von LittleBuddha am Do, 04.10.2007 - 12:06:29

  Im Verfahren gegen die Mutter dreier vernachlässigter Kinder wurde
nachgefragt, warum Behörden jahrelang nicht erkannten, wie sich vor
ihren Augen eine Tragödie abspielte. Prozess in Klagenfurt wurde erneut
vertagt.

Am Landesgericht Klagenfurt wurde Mittwoch der Prozess gegen die 53-jährige Linzerin Ingrid L., die ihre drei Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschottet haben soll, fortgesetzt. Die Frau, die laut Gutachten psychisch krank ist, lebte nach der Scheidung im Jahr 1999 mit den Töchtern allein. Elisabeth (heute 21), Katharina (19) und Viktoria (16) besuchten nur unregelmäßig die Schule, wurden immer tiefer in die wahnhafte Welt ihrer Mutter verwoben und haben - so Sachverständige - ebenfalls zum Teil schwere psychische Beeinträchtigungen davon getragen.

Unbemerkt. Das Gericht versuchte an den zwei vergangenen Verhandlungstagen auch der Frage nachzugehen, wie sich eine solche Tragödie praktisch vor den Augen der Öffentlichkeit und gleichzeitig von so vielen unbemerkt abspielen konnte. Zahlreiche Vertreter der Jugendwohlfahrt und der Schulen wurden befragt. Eines ist klar: Ingrid L. war keine Rabenmutter. Im Gegenteil. Sie hat ihre Töchter innig geliebt und wollte das Beste für sie. Allerdings war sie aufgrund ihres Krankheitsbildes nicht imstande, die drei Mädchen in normaler Geborgenheit aufwachsen zu lassen und ihnen den altersadäquaten Zugang zu einem sozialen Leben außerhalb des Elternhauses zu ermöglichen. Ingrid L. erlebte ihre Umwelt als bedrohlich - und vor scheinbaren Feinden wollte sie die Töchter schützen.

Lehrerin fielen Probleme auf. In der Schule, bei Psychiatern, Psychologen oder Sozialarbeitern fiel das schon früh sehr wohl auf. Eine Lehrerin Elisabeths ortete bereits 1999 schwere psychische Probleme von Mutter und Tochter. Diese Beobachtungen teilte sie dem Direktor mit, der sich an die Schulbehörde wandte. Auch die Jugendwohlfahrt war eingebunden.

Viele Auffälligkeiten. Die vielen Fehlstunden der Mädchen in der Schule waren auffällig. Auch die extrem enge Bindung an die Mutter. Dass die Kinder kaum oder gar keine Freunde hatten, wurde gesagt. Dass sie intelligent, aber schüchtern auftraten. Dass die Mutter oft als kooperativ erschien, sich allerdings auf Dauer an keine der vorgeschlagenen Maßnahmen hielt. Es gab sogar eine Anzeige gegen die Mutter, weil Katharina nicht die Schule besuchte. Die Folge war lediglich eine Geldstrafe.

Keine Zuständigkeit. Und so wurde der Ball jahrelang von einer Institution an die andere geschoben. Jeder verließ sich auf den anderen, stets bedacht, die eigene Kompetenz nie zu überschreiten. "Das war nicht meine Aufgabe" oder "Dafür war ich nicht zuständig" waren oft gehörte Sätze im Prozess. "Ziel war der Schulabschluss der Kinder", sagte eine Bezirksschulinspektorin als Zeugin. Dass die Zusammenarbeit mit der psychisch zunehmend auffälligen Mutter nicht klappte, war nebensächlich. Über die Ursache des sozialen Rückzugs der Kinder wurde nicht einmal nachgedacht.

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Quelle / Foto: ©Kleine Zeitung